Kommentar IBM - Ende der Halbleiterlegende?

Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik
Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik

Wer weiß aus dem Kopf, wer die drei größten Halbleiterhersteller der Welt im Jahre 1989 waren? Egal – denn der größte Halbleiterhersteller tauchte in den Analysen der Marktforschungsunternehmen nicht auf.

Der damals größte Halbleiterhersteller der Welt nämlich – IBM – fertigte nur für den Eigenverbrauch und fand deshalb in den meisten Rangfolgen keine Erwähnung. In den 90er-Jahren brach IBM dann endlich in den offenen Markt auf. Damals trauten die Experten dem Unternehmen fast alles zu, denn seine Halbleitertechnik galt als exzellent.

Das ist nun schon sehr lange her. IBM spielt – was den Umsatz angeht – nicht mehr in der ersten Liga. Doch nach wie vor gilt die Technik des Unternehmens als exzellent. Wann immer sich die Halbleiterbranche auf Kongressen wie IEDM oder ISSCC trifft, sind zahlreiche Vorträge von IBM zu hören.

Um im Rennen um die neusten Prozesstechnologien mithalten zu können, sind allerdings enorme Investitionen erforderlich. Selbst die größten Hersteller schließen sich in Entwicklungspartnerschaften zusammen, um Kosten und Risiken zu teilen. Seit 2006 kooperieren IBM, Samsung und Chartered Semiconductor, um neue Prozesstechniken zu entwickeln. Inzwischen gehört Chartered Semiconductor zu GlobalFoundries (unter diesem Namen hatte AMD die eigene Halbleiterfertigung ausgegliedert, die sich seitdem – wie der Name nahelegt – dem Foundry-Geschäft widmet).

Die drei hatten auch schon erfolgreich neue Prozesstechniken entwickelt – bis jetzt. Denn in der neusten Ankündigung – ein 14-nm-FinFET-Prozess – taucht ein Name nicht auf: IBM. Als Partner finden nur noch Samsung und GlobalFoundries Erwähnung.
Zwar ist von IBM zu hören, dass man nach wie vor zur Partnerschaft gehöre, aber dennoch heizt dies die alten Spekulationen drüber an, ob IBM sich nicht ganz von seiner Halbleiterfertigung trennen will. Dazu passt auch die Entscheidung, dass IBM die Power8-Prozessoren und Motherboards innerhalb der OpenPower Foundation zur Lizenzierung freigibt.

Wie auch immer man die Erfolgschancen von IBM im Rahmen der OpenPower Foundation bewertet: Der Schritt zeigt, dass in Zukunft der Schwerpunkt auf IP liegt, weniger in der eigenen Halbleiterfertigung. Also dürfte doch etwas dran sein an den Spekulationen darüber, dass IBM die eigene Halbleiterfertigung verkaufen will. Dieser Schritt würde auch gut zur IBM-Strategie insgesamt passen, die auf Dienstleistungen setzt. Auf diese Weise könnte IBM die eigene Expertise in der Prozesstechnik und in der Architektur von Prozessoren fortführen – ohne den Klotz einer eigenen Fertigung am Bein. Das Ende der Halbleiterlegende müsste der Verkauf der Halbleiterfertigung also nicht bedeuten.

Ihr Heinz Arnold