Kommentar Herausforderung Intel

Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik

Infineon hat mit der Aufholjagd der Wireless-Sparte gezeigt, was im Unternehmen steckt. Nach dem Verkauf an Intel, müssen jetzt die Amerikaner zeigen, wie eine erfolgreiche Übernahme aussieht.

Infineon stützt sich künftig auf diese drei Säulen: Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit. Noch nach dem letzten Verkauf (der heute als Lantiq firmierenden Wireline-Sparte) ließ das Management verlauten, dass Infineon nun endgültig in einer Erfolg versprechenden Wettbewerbsposition sei, weitere Verkäufe also nicht auf der Tagesordnung stünden. Nun gut, Tagesordnungen können sich ändern, und es ist ja nicht immer weise, seine Pläne schon im Vorfeld zu veröffentlichen.

Sieht man einmal davon ab, dass die lieben Spatzen schon Wochen vor der offiziellen Enthüllung des Planes ihr Liedlein von den Dächern pfiffen, hat Infineon den Zeitpunkt für den Verkauf gut gewählt. Er spült viel Geld in die Taschen, und so wie das Management von Infineon über die letzten Jahre gehandelt hat, mag man glauben, dass es das Geld in den Ausbau der viel versprechenden Zukunftsmärkte Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit gut anlegt. Auf den ersten Blick ist Infineon kleiner geworden, aber das Potenzial für die Anleger hat sich eher verbessert.

Im Rückblick war es doch ein wunderbarer Plan: kräftig in den Bereich zu investieren, eine exzellente Technik zu liefern, in einer beispiellosen Aufholjagd (nach der BenQ-Pleite) neue Kunden zu gewinnen - und dann zu verkaufen.

Ganz so einfach war es dann in der Realität nicht, denn das Management und die Mitarbeiter hatten Zeiten zu überstehen, zu denen jedes Quartal aufs Neue die Aussichten auf Gewinn für WLS auf die jeweils folgenden Quartale verschoben werden mussten, weil immer wieder Ereignisse von außen die Pläne durchkreuzten. Doch das Management ließ sich nicht beirren, arbeitete konsequent weiter und zeigte, dass in diesem Fall »aufgeschoben« nicht »aufgehoben« bedeutete.

In Start-up-Manier einen Geschäftszweig hochzupäppeln und dann an keinen Geringeren als Intel zu verkaufen, an einen Konzern, der über die erforderlichen Ressourcen verfügt, um die Einheit auf der nächste Stufe zum Erfolg zu führen, und das auch noch zum richtigen Zeitpunkt - hier hat Infineon gezeigt, was in der Firma steckt.

Hoffentlich zeigt Intel ebenfalls, was in dem Unternehmen steckt. Denn bisher hat Intel mit Übernahmen meist kein glückliches Händchen bewiesen, von einer Win-Win-Situation, als die beide Unternehmen die aktuelle Übernahme bezeichnen, konnte in vielen Fällen keine Rede sein.

Doch Intel gibt sich anlässlich der Übernahme reumütig und räumt sogar eigene Fehler in der Vergangenheit ein, aus denen man gelernt habe. Ergebnis: Intel will WSL weitgehend die Unabhängigkeit lassen. Prof. Dr. Hermann Eul wird die Geschicke von WSL weiter leiten und direkt an das oberste Management berichten. Dazu kann man ihm nur das Glück wünschen, das dem Tüchtigen gebührt.

Es wird nun alles darauf ankommen, ob in der amerikanischen und der deutschen Kultur der Begriff der Unabhängigkeit weitgehend deckungsgleich interpretiert wird. Und, falls es Differenzen gibt, ob Intel tatsächlich aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Eul und seine Mitarbeiter sehen jedenfalls einem interessanten, aber auch einem sehr schwierigen Job entgegen - der Herausforderung Intel.

Ihr Heinz Arnold