Kreativität lockt Halbleiterhersteller entdecken die Maker-Szene für sich

Ein Freedom-Entwicklungs-Board
Ein Freedom-Entwicklungs-Board

Die theoretisch unbegrenzte Kreativität der Maker-Szene zieht immer mehr Halbleiterhersteller an, die versuchen, sich mit unterschiedlichen Strategien entsprechend zu positionieren. Ein Überblick.

Atmel gehört zu den ersten Halbleiterherstellern, die mit der Maker-Szene in Berührung gekommen sind, denn die ersten Arduino-Boards waren mit den AVR-Mikrocontrollern des Unternehmens bestückt. Jens Kahrweg, Director Field Application Engineering EMEA bei Atmel, erklärt denn auch, dass die Maker-Bewegung für Atmel sehr wichtig sei.

Das Unternehmen unterstützt die Maker-Szene und Startups mittlerweile mit mehr Komponenten, angefangen mit 8- und 32-Bit-MCUs über Security-, bis hin zu Connecitivity-Komponenten – alles in energiesparender Ausführung. Kahrweg: »Atmel hat Hunderttausende Fans - bestehende Kunden, neue Kunden und potenzielle Kunden, Ecosystem-Partner etc. –, die mit dem Unternehmen über alle sozialen Kanäle und dem Atmel-Blog verbunden sind.«

Das Unternehmen hilft den Makern dabei, ihre Projekte zu kommerzialisieren, und zwar über Marketing-Support, Engineering- und technischen Support, Unterstützung für die Supply-Chain sowie mithilfe von Software und der hauseigenen IDE. Kahrweg: »Seit 2005 hat sich eine weltweite Maker-Community um Arduino versammelt. Atmel-MCUs waren von Anfang als einfache und leistungsfähige Mikrocontroller dabei.«

Freescale Semiconductor engagiert sich ebenfalls in der Maker-Szene. Iain Galloway, Technology Strategy Manager für Freescale, und Flavio Stiffan, für die University Relations EMEA bei Freescale verantwortlich, loben denn auch die Maker-Bewegung zunächst in den höchsten Tönen, verweisen auf die beeindruckende Kreativität und dass es sich dabei um Leute handelt, die Dinge machen, anstatt nur zu konsumieren. Hinzu käme noch, dass die Maker-Szene die unterschiedlichsten Applikationsbereiche abdecke, von elektronischen Strickmaschinen über elektrischen Scooter mit BLE (Bluetooth Low Energy) bis hin zu elektrischen Werkzeugen. Durch die Maker-Bewegung würden heute mehr Leute Code schreiben und mit Elektronik arbeiten als jemals zuvor. Galloway: »Unser Ziel ist es, die Maker von Anfang an bis zum marktreifen Produkt zu unterstützen, und zwar mit jedem Volumen, das sie wollen.«

Freescale arbeitet auf verschiedenen Ebenen. Dazu zählt die Kinder- und STEM-Bildung (STEM Science, Technology, Engineering and Mathematics); alles was unter Hobby-Bastler läuft; kleine Elektronik- und Handwerksunternehmen; die Pro-Maker, die Dinge wie Opensource-3D-Drucker realisieren; neue professionelle Industrien mit kommerziellen Produkten. Galloway weist in Hinblick auf die Maker-Szene auf einen Punkt hin, der sicherlich bei allen großen Halbleiterunternehmen Schwierigkeiten bereiten dürfte: Die Unternehmen sind auf professionelle Anwender ausgerichtet, die Maker-Szene besteht aber aus unprofessionellen Anwendern – der notwendige Support fällt also ganz unterschiedlich aus. Außerdem muss man die Maker als Unternehmen zunächst einmal überhaupt als wichtige Gemeinschaft anerkennen – sicherlich zum Teil ein schwieriger Prozess. Bei Freescale hat sich laut Galloway die Denkweise mittlerweile aber geändert, selbst die High-End-Networking-Division würde heute ein Low-Cost-Maker-Board mit seinen neuesten Bausteinen anbieten.

Freescale adressiert die Maker-Bewegung über mehrere Kanäle. Freescale ist beispielsweise Partner des BBC Micro:bit-Programms, im Rahmen dessen insgesamt bis zu 1 Mio. Mini-Computer an alle 11- oder 12-jährigen Kinder in UK kostenlos verteilt werden. Das kleine, batteriebetriebene Board ist mit einem Kinetis-Mikrocontroller und einem 3-Achsen-Beschleunigungs und Magnetometer ausgestattet. Galloway: »Andere Länder haben bereits ihr Interesse ausgedrückt, ähnliche Initiativen zu starten.«

Für professionellere Entwicklungen unterstützt Freescale ARM mbed mit Freedom-Mikrocontroller-Boards und Sensor-Shields. »mbed bietet die Synchronisierung mit Offline-Tools wie Eclipse, so dass Pro-Maker-Produkte einfach mit fortschrittlichen Funktionen realisiert werden können«, so Galloway weiter. Freescale arbeitet mit ARM aber auch bei der Lab-in-a-Box-Initiative für High-Schools und Universitäten zusammen und stellt hier ebenfalls seine Freedom-Entwicklungs-Boards zur Verfügung. Galloway: »Darüber hinaus gibt es aber noch diverse andere Möglichkeiten. Ein Beispiel sind die kommerziellen Boards wie Teensy3.1 and TeensyLC, die führend im High-End-Wearable-Arduino-Bereich sind. Ein anderes Beispiel ist Esquilo, das Unternehmen bietet wirklich innovative Cloud-Anbindungen über WiFi.«

Auf Linux und Android bezogen, setzt Freescale auf seine i.MX-Familie, die in den unterschiedlichsten Anwendungen wie Wearables, IoT-Gateways aber auch Video-Kiosksystemen zu finden sind. Um die Maker hier zu unterstützen, stellt das Unternehmen komplette Open-Source-Referenz-Tools für Wearables im Rahmen der warpboard.org-Initiative zur Verfügung. Außerdem werden alle größeren Referenz-Board-Hardware- und Software-Designs öffentlich gemacht. Auch in diesem Fall betont Galloway, dass die Maker Freescale-Chips auch in sehr kleinen Volumina kaufen können.

Laut seiner Aussage kommt die Maker-Community sogar in den Genuss von High-End-Funktionen, und zwar mithilfe von Boards von Drittunternehmen. Boards wie Hummingboard, Wandboard und Riotboard sind mit den vollständigsten und funktionsreichsten Linux- und Android-Versionen ausgestattet. Produkte wie UDOO NEO, das sich selbst als Raspi+Arduino+Wifi+BT4.0+Sensoren umschreibt, sind sogar mit Dual-Core-Prozessoren ausgestattet, so dass sowohl Linux als auch Arduino-kompatibler Code auf den zwei integrierten Prozessorkernen laufen kann.

Um die Maker-Szene besser verstehen zu können, nimmt Freescale weltweit an diversen Maker-Fairs und Hackathons-Events teil, lädt aber auch Maker ein, auf den Freescale-Ständen auszustellen oder ihre Crowdfunding-Kampagnen auf der IoT-Truck-Tour bei großen Messen wie CES und dem FTF zu promoten.