Infineons CIPURSE-Strategie »Großer Zuspruch am Markt«

Infineons Portfolio an an CIPURSE-Produkten beinhaltet Chips für Papier- und Plastiktickets, Smartcards, Fahrkartenentwerter, Mobiltelefone und Wearables.

Eine steigende Nachfrage nach Lösungen auf Basis des offenen Standards CIPURSE »und großen Zuspruch am Markt« konstatiert Bernardo Knoblich, Leiter des Bereichs Transport-Ticketing von Infineon Technologies. Mittlerweile zählt die OSPT Alliance, die den Standard entwickelt, mehr als 70 Mitglieder.

Markt&Technik: 2014 anlässlich der Cartes in Paris hatten Sie Ihr Portfolio an CIPURSE-Bausteinen komplett: Was hat sich denn seitdem getan?

Bernardo Knoblich: Gemeinsam haben wir den CIPURSE-Standard nun auch um Richtlinien für den Einsatz in Mobiltelefonen erweitert (CIPURSE Mobile). Außerdem gibt es bereits 20 zertifizierte Produkte von unterschiedlichen Herstellern – neben Infineon sind das unter anderem Gemalto, Oberthur, Giesecke&Devrient und Tübitak aus der Türkei.

Welche kleinen und größeren Projekte konnten Sie bisher umsetzen?

In den russischen Städten Izhevsk und Angarsk und in sieben weiteren Metropolregionen profitieren rund 2 Millionen Menschen von den einfach zu handhabenden und sicheren Fahrscheinlösungen mit unseren CIPURSE-Chips. In Barcelona wird CIPURSE in für die „T-Mobilitat“-Lösung genutzt werden. Diese Smart-City-Lösung verknüpft den öffentlichen Nahverkehr mit privaten Dienstleistungen und bindet Bike-Sharing und Parkhäuser mit ein.

Auch in den USA werden immer mehr CIPURSE-Projekte durchgeführt: HMS Ferries nutzt für seine Fährdienste im Bundesstaat Washington ein Konto-basierendes System. Die Kunden können ihre Tickets mit QR-Code über das Smartphone online oder direkt am Fährhafen kaufen. In Brasilien werden CIPURSE-Karten für das Bezahlen in Taxen und als Busfahrkarte genutzt. CIPURSE kommt zudem auch bei anderen Anwendungen wie sicherheitskritischen Zutrittskontrollsystemen zum Einsatz. Ein koreanischer Flughafenbetreiber rüstet die Ausweise für Mitarbeiter gerade auf CIPURSE um, und wir bei Infineon setzen CIPURSE für unsere Mitarbeiterausweise ein.

Decken Sie mit Ihrem derzeitigen Produktportfolio schon alle Bereiche ab?

Ja, nach wie vor haben wir die breiteste Palette an CIPURSE-Produkten: Wir haben Chips für Papier- und Plastiktickets, für Smartcards und die Fahrkartenentwerter, aber auch ICs für Mobiltelefone und Wearables wie Armbänder oder Fitnesstracker. Damit können Diensteanbieter und Transportunternehmen ihren Kunden freie Wahl beim elektronischen Zahlungsmittel lassen – der eine präferiert die Smartcard, der andere will mit dem Mobiltelefon bezahlen, und Touristen wiederum reicht ein einfaches Tagesticket aus Papier.

Der ÖPNV ist sicherlich momentan das wichtigste Anwendungsgebiet für CIPURSE: Vor welchen Problemen stehen Sie da, wenn Sie CIPURSE puschen wollen?

Hier gibt es noch sehr viele proprietäre Lösungen und Anwendungen, die veraltete, teilweise „gehackte“ Technologien verwenden. Jedoch manifestiert sich im Transport-Ticketing-Markt deutlich der Trend zum Einsatz von offenen Standards wie CIPURSE. Heute findet man kaum eine Ausschreibung im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs zu neuen kontaktlosen Systemen, die nicht einen offenen Standard verlangt. Die Umsetzung von neuen Transport-Ticketing-Lösungen geht jedoch nicht von heute auf morgen. In der Regel vergehen von der Ausschreibung bis zur Realisierung ein bis drei Jahre oder gar noch mehr. Schneller realisierbar sind Lösungen etwa für die Zutrittskontrolle.

Ist Deutschland in puncto ÖPNV schwerer zu adressieren, weil ja hier die Zugänge zu den Bahnhöfen barrierefrei sind?

Nein, generell gilt, dass Deutschland und Mitteleuropa nicht schwerer zu adressieren sind. Speziell Deutschland nimmt ja auch eine Vorreiterrolle ein: Mit dem VDV wurde hier schon vor Jahren der Weg in Richtung offene Standards eingeschlagen. Typischerweise nehmen in Mitteleuropa solche Systemmigrationen einfach mehr Zeit in Anspruch.