Toshiba Memory Geld ist nicht alles

Zichnet sich bereits eine Einigung über die Käufer von Toshiba Memories ab?

Toshibas stolze Speichereinheit soll japanisch bleiben – zumindest zum Teil.

Zwischen 18,3 und 27,5 Mrd. Dollar liegen die Gebote für Toshiba Memory. Aber die Höhe des angebotenen Betrags sei nicht alles, habe laut Nikkei Asia Review ein hochrangiger Manager von Toshiba gesagt.

Da verwundert es nicht, dass einem neu ins Spiel gebrachten Bieter-Team gute Chancen eingeräumt werden: Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und die halbstaatliche Innovation Network Corp. of Japan (INCJ ) hätten sich zusammen getan, um die erfolgreiche Speicherabteilung von Toshiba zu übernehmen. Damit bliebe Toshiba Memory zumindest zum Teil in japanischer Hand. Auch dass sich zu dieser Gruppe die Development Bank of Japan sowie Western Digital gesellen könnten, passt in dieses Bild. Die langjährige Partnerschaft mit Western Digital würde dann auf jeden Fall weiter bestehen.

Wie bereits berichtet, will Toshiba noch vor der Hauptversammlung Ende Juni verkünden, wer Toshiba Memory übernehmen wird.

Nach der ersten Bieterrunde haben sich die Reihen bereits gelichtet. Wie Nikkei Asia Review wissen will, seien jetzt unter anderem noch Western Digital, Broadcom, SK Hynix und Foxconn (Hon Hai Precison Industry) dabei.  

Warum sollen bei Toshiba Memory die halbstaatliche Innovation Network Corp. of Japan und vielleicht auch die Development Bank of Japan beteiligt sein?

Vor allem könnte dann der japanische Staat verhindern, dass ihre »Technikperle« in die Hände einer chinesischen Firma fällt – egal ob aus Taiwan oder vom Festland. Das fürchtet Japan schon deshalb, weil Know-how abfließen könnte. Die Übernahme von Sharp durch Foxconn vor einem Jahr hatte offensichtlich geschmerzt.

Außerdem behielte die Regierung weiterhin Einfluss im Unternehmen, könnte eine Entlassungswelle verhindern und dafür sorgen, dass Toshiba Memory weiter Geld investiert, um an der Spitze der Technik zu bleiben. Die schon für fast tot gehaltene »Japan Inc.« lässt grüßen.

Weil Toshiba mit Western Digital schon seit 17 Jahren gemeisam Fabs betreibt, dürfte die japanische Regieung kaum etwas gegen diesen ausländischen Partner einzuwenden haben und auch nicht gegen eine Beteiligung an der Übernahme durch KKR. Denn schließlich ist KKR in Japan kein Unbekannter. Das US-Unternehmen hat über die letzten Jahre viel Geld in japanische Firmen gesteckt und zuletzt Hitachi Koki und Calsonic Kansei übernommen, einen Zulieferer von Nissan Motor.

Und noch eines kommt hinzu: Würde ein IC-Hersteller Toshiba Memory übernehmen, hätte dies langwierige Anti-Trust-Untersuchungen zu Folge. Toshiba braucht aber das Geld dringend, weil das Unternehmen nach der Pleite der US-Tochter Wetinghouse auf einem Berg von Schulden sitzt und ums Überleben kämpft. Da käme es auf jeden Dollar an.

Dennoch ist in diesem Lichte betrachtet die Aussage des Toshiba-Managers sinnvoll: Lieber auf ein paar Milliarden verzichten und die Sache schnell sowie mit möglichst geringem Gesichtsverlust über die Bühne bringen. Geld ist in diesem Fall wirklich nicht alles.