Erster Europäer im Executive-Management-Team Fujitsu Semiconductor: Gewinnt Europa an Gewicht?

Brendan Mc Kearney
Brendan Mc Kearney, Fujitsu Semiconductor: »Unser Fokus in Europa liegt auf Marktsegmenten, in denen Europa technologisch gesehen führend ist.«

Fujitsu Semiconductor hat mit Brendan Mc Kearney, Corporate Vice President von Fujitsu Semiconductor, den ersten Europäer in sein Executive-Management-Team der japanischen Muttergesellschaft Fujitsu Semiconductor aufgenommen – ein Zeichen dafür, dass Europa für den Halbleiterhersteller Fujitsu Semiconductor an Bedeutung zunimmt? Außerdem berichtet Mc Kearney im Video über die Auswirkungen des Erdbebens auf die Fertigung von Fujitsu.

»Dieser Schritt ist sicherlich als Auszeichnung für unser gesamtes europäisches Team zu werten, für das was wir geleistet und aufgebaut haben«, erklärt Mc Kearney. Darüber hinaus spiegelt diese Ernennung aber auch die zunehmende Globalisierung des Unternehmens wider, denn nicht nur ein Europäer ist im Executive-Management-Team, sondern mit Michael Shih auch ein Taiwanese, der für das China-Geschäft zuständig ist.

Wobei es sicherlich weniger verwunderlich ist, dass ein neuer Mann für das China-Geschäft Einzug in das japanische Management-Team gefunden hat, als dies bei einem Europäer der Fall ist. Denn China ist heute mehr oder minder für alle Halbleiterhersteller der Mittelpunkt der Welt, Europa hingegen verliert stetig im Halbleitermarkt an Bedeutung. Doch Mc Kearney betont ganz klar: »Ohne Europa gibt es kein Wachstum, auch nicht in China. Viele Design-Entscheidungen werden in Europa gefällt, hier gewinnen wir viele Designs, die dann in China produziert werden.« Dass das auch das Headquarter in Japan so sieht, zeigt sich daran, dass das Unternehmen seine Europa-Aktivitäten stetig ausbaut – selbst im Krisenjahr 2009. »Wir haben Anfang und Mitte 2009 umfangreich in Europa investiert und unsere hiesigen R&D-Möglichkeiten deutlich ausgebaut«, so Mc Kearney weiter.

Weltweit fokussiert das Unternehmen auf vier Marktsegmente:

  • Mobiltelefone/PCs – diese Anwendungen bedient Fujitsu Semiconductor vorwiegend mit seinen HF- und Verschlüsselungstechniken sowie mit Power-Management-Lösungen;
  • Automotive (Fahrer-Informationssysteme und Body-Elektronik) – hierfür hat das Unternehmen eigene Grafiktechnologien sowie Produkte für die Vernetzung entwickelt;
  • Digitale Kameras/Camcorder – unter diesen Applikationsbereich fallen die Bildbearbeitungs-ICs »Milbeaut«, ICs für den H.264-Standard und andere SoCs;
  • Supercomputer/Equipment für die optische Übertragung – für diese Applikationen entwickelt Fujitsu Semiconductor fortschrittlichste Prozesstechniken und Gehäusetechnologien sowie High-Speed-Interfaces. Das Unternehmen gehört mittlerweile zur Gruppe der Fab-Lite-Unternehmen, da es für die Halbleiterfertigung mit Strukturen unter 45 nm auf die Kooperation mit  Foundries zurückgreift.

 

Blickt man nach Europa, so liegen die Schwerpunkte der Entwicklung auf den Bereichen »Automotive/Embedded«, »Kommunikation« und »Home Entertainment/Multimedia«.

Mc Kearney erklärt die Auswahl: »Wenn Europa Innovationen in einem Segment vorantreibt, dann entwickeln wir in Europa die entsprechenden Halbleiter für die globalen Märkte. Das bringt langfristig Vorteile für den Konzern. Denn das, was beispielsweise heute in einem Fahrzeug eines deutschen OEMs zu finden ist, wird in der nächsten, spätestens aber übernächsten Generation auch in einem chinesischen Auto Einzug halten.« Und weiter: »Diesen Ansatz haben wir schon immer verfolgt und unsere europäische Strategie zahlt sich durch eine stetig wachsende Zahl von Design Opportunities in den globalen Märkten aus«, so Mc Kearney.

Für die jeweiligen Applikationsbereich hat Fujitsu Semiconductor diverse Design-Zentren errichtet, die zum Großteil in Deutschland sitzen, aber auch in Österreich sowie UK zu finden sind. Beispielsweise entwickelt Fujitsu Semiconductor seine Kommunikations-ASSPs in Maidenhead/UK und in Langen. Das Kompetenz-Zentrum für Graphik-ICs wiederum sitzt in München, die ASIC-Spezialisten sind auf München und Langen verteilt. Das MCU-Competence-Centre hat Fujitsu Semiconductor ebenfalls in Langen angesiedelt, das Gleiche gilt auch für die Entwicklungs-Mannschaft, die sich dem Home-Entertainment verschrieben hat. Zu diesen Design-Zentren kommt noch der von Infineon übernommene Sitz in Linz, wo Fujitsu Human-Machine-Interface-Spezialisten beschäftigt, mit denen Systemlösungen und Werkzeuge für Fahrerinformations-, Infotainment-Systeme, industrielle Anwendungen sowie Multimarket-Produkte entwickelt werden. 

Mc Kearney zusammenfassend: »Für alle drei genannten Applikationssegmente sitzt die Software-, Hardware- und Applikationsentwicklung in Europa. Vorort sitzen die Experten, die sich um die Entwicklung der entsprechenden Produkte mit der eventuell dazugehörigen Software kümmern.« Und weiter: »Innerhalb unserer Zielmärkte konzentrieren wir uns auf genau definierte Applikationsbereiche und arbeiten hier bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt mit allen Partnern innerhalb des Eco-Systems zusammen.«