Renesas Electronics Fokussierter und schlanker in die Zukunft

Rob Green, Renesas Electronics Europe: »Wir wollen auf jeden Fall unsere weltweite Führungsposition als Mikrocontroller-Hersteller für den Automotive-Markt stärken und auch unseren Anteil mit Analog- und Leistungshalbleitern sowie SoCs vergrößern.«
Rob Green, Renesas Electronics Europe: »Wir wollen auf jeden Fall unsere weltweite Führungsposition als Mikrocontroller-Hersteller für den Automotive-Markt stärken und auch unseren Anteil mit Analog- und Leistungshalbleitern sowie SoCs vergrößern.«

Renesas Electronics durchläuft turbulente Zeiten. Markt&Technik sprach mit Rob Green, President und CEO von Renesas Electronics Europe, über die Restrukturierungsmaßnahmen, die Auswirkungen und die zukünftige Strategie, die dem Unternehmen zum Erfolg verhelfen sollen.

Markt & Technik: Renesas wird kräftig restrukturiert, einschließlich einer Reduktion der Mitarbeiteranzahl. Inwieweit ist davon auch Europa betroffen?

Rob Green: Renesas durchläuft ein Reformprogramm, in dessen Rahmen das Portfolio neu fokussiert, das Produktionsnetz reformiert, die Kostenbasis reduziert und die globale Reichweite des Unternehmens ausgebaut wird. Das bedeutet, dass die größten Veränderungen im Bereich »Human Resources« nur Japan betreffen, einschließlich des Frühverrentungsprogramms.
Auch in anderen Ländern kann es kleine Veränderungen geben, mit denen beispielsweise die neuen Produktstrategien unterstützt werden, aber im Vergleich zu Japan sind diese Veränderungen marginal. Wir haben hier in Europa die Organisation schon nach dem Merger neu strukturiert. Seit damals haben wir die Ressourcen für die Bereich Hardware-, Software- und System-Design vergrößert, um globale Plattformen für den Automotive- und Industriemarkt zu unterstützen.

Die jüngsten Restrukturierungsmaßnahmen haben zur Folge, dass es statt sieben nur noch vier Business-Units und einen neuen President geben wird. Welche Vorteile verspricht sich das Unternehmen von diesen Schritten?

Dadurch ergibt sich eine deutliche Vereinfachung in der Struktur unserer Firmenzentrale. Darüber hinaus wurde auch die Anzahl der Vorstandsmitglieder und der Corporate Officer reduziert. Somit sind schnellere Entscheidungsprozesse möglich, und wir leisten die nötige Vorarbeit für unsere neuen Eigner von INCJ, so dass Wachstumsstrategien initiiert werden können, sobald die regionalen Behörden in Europa, China etc. ihre Zustimmung für die Finanzspritze geben.

Apropos neuer Eigner: Renesas wird Aktien an INCJ, die Innovation Network Corporation of Japan, ausgeben, zusätzlich auch an Toyota, Nissan und Denso. Wenn alles wie geplant abläuft, werden Toyota, Denso und Nissan zu Hauptaktionären von Renesas. Wie reagiert die Automotive-Welt darauf? Sind hier keinerlei Ressentiments zu spüren?

Nein, Renesas ist als strategischer Partner in der Wertschöpfungskette der Automobilelektronik und der Industrieelektronik anerkannt. Die acht unterzeichnenden Firmen, einschließlich der Automotive-Unternehmen, zeigen ihre Zustimmung für die INCJ-Akquisition, indem sie eine Nominalbeteiligung eingehen - alle acht Unternehmen werden danach insgesamt aber weniger als 6 Prozent aller Aktien halten.

Hinzu kommt noch, dass der Einfluss der europäischen Automobilindustrie auf die weltweite Elektronikentwicklung immer größer wird, so dass Renesas in Europa und nicht in Japan die zukünftigen Produktdefinitionen deutlich stärker mitbestimmt. So nutzen wir heute im Automotive-Segment beispielsweise einen 40-nm-embedded-Flash-Prozess für die neuen Mikrocontroller, und viele dieser neuen Produkt-Designs wurden von Europa aus beeinflusst.

Renesas will 40 Mrd. Yen in die Entwicklung der 28-nm-Prozesstechnologie für Controller investieren - in Anbetracht der finanziell prekären Situation des Unternehmens ist das viel Geld. Kein Konkurrent von Renesas leistet sich ähnlich hohe Investitionen, und Renesas stellt bereits heute seine proprietäre MONOS-Technologie konkurrierenden Unternehmen zur Verfügung. Warum also diese hohen Investitionen?

Die Embedded-Flash-Prozesse sind einer der Gründe, warum Renesas unter den Mikrocontroller-Herstellern führend ist. Die Entwicklung der neuen Technologie hilft uns, diese Führungsposition beizubehalten. Denn damit können wir Produkte anbieten, die die geringste Leistungsaufnahme aufweisen - ein Punkt, der von unseren Kunden immer mehr gefordert wird. Diese Controller sind aber auch in Hinblick auf die Rechenleistung konkurrenzfähig. Nur ein Beispiel: die 32-Bit-Controller aus unserer RX-Serie, die mit 100 µA/MHz laufen und einen Standby-Strom von nur 0,35 µA benötigen.

Wir produzieren derzeit unsere 40-nm-Embedded-Flash-Produkte in unserer Naka-Fab und zusammen mit TSMC auch in Taiwan. Somit können wir unserem Dual-Fab-Ansatz gerecht werden. Auch den zukünftigen 28-nm-Prozess wird TSMC an Drittunternehmen lizenzieren können. Damit erleichtern wir den Return on Investment für die Prozessentwicklung, denn zum eigentlichen Produktumsatz kommen noch die Lizenzgebühren für unseren Fertigungsprozess hinzu.

Ich möchte aber betonen, dass wir bei den Mikrocontrollern nicht nur in die Prozesstechnik investieren, sondern in gleichem Maße auch in die Support-Infrastruktur rund um die Mikrocontroller, denn wenn ein Designer beispielsweise einen Blick auf unsere RX-MCU-Familien wirft, dann will er auch einfachen Zugriff auf Echtzeitbetriebssysteme und Treiber-Software haben, so dass er sich auf seine eigene Applikations-Software konzentrieren kann, mit der er schlussendlich sein eigenes Produkt differenziert, wobei diese Software-Elemente auch kostenlos sein können. Dank der Kompatibilität unter den integrierten Peripheriefunktionen in den verschiedenen MCU-Familien ist eine Skalierbarkeit ebenfalls einfacher.

Unser Ziel ist es, das Leben des Entwicklers einfacher zu gestalten, denn der zunehmende Konkurrenzdruck zwingt ihn, sein Design in immer kürzerer Zeit zu vollenden. Diesen Support promoten wir derzeit zusammen mit unseren Distributoren und Partnern im Rahmen des »Renesas RX MAXimisation Microcontroller«-Programms.