Interview Fairchild: Mixed-Signal-ICs mit Schwerpunkt auf Leistung

Fairchild wird den Schwerpunkt auch künftig auf die Leistungstransistoren setzen, gleichzeitig aber den Anteil der höher integrierten Produkte weiter steigern. »So können wir uns vom größten Teil des Wettbewerbs im Bereich analoger und Mixed-Signal-ICs differenzieren« sagt Vijay Ullal, President and COO von Fairchild.

Markt&Technik: Welcher Stellenwert kommt Europa in der Strategie von Fairchild zu?

Vijay Ullal: Europa ist für uns ausgesprochen wichtig, besonders für unsere Entwicklungen im Industrie- und Automotivesektor. Hier lernen wir die Anforderungen kennen, die an die jeweils neusten ICs gestellt werden. Daraus entwickeln wir die Ideen für die Produkte, die dann im Markt erfolgreich werden. Das können wir so weder in den USA noch in Asien tun.

Aber das große Wachstum findet doch in Asien statt?

Was den Consumer-Sektor angeht, stimmt das. Aber in Asien herrscht eben auch eine andere Mentalität: Hier kommt es vor allem auf Time-to-Market und auf möglichst niedrige Kosten an. In den Industrie und Automotive-Märkten in Europa steht dagegen im Vordergrund, das technisch Mögliche auszuloten und die Leistungsfähigkeit der Produkte nach oben zu treiben.

Werden sie also Europa noch ausbauen?

Wir werden jetzt nicht signifikant mehr Leute einstellen, aber der Schwerpunkt der Entwicklungen für den Industriesektor bleibt hier stark vertreten.

Schon seit vielen Jahren besteht das Ziel von Fairchild darin, höher integrierte Produkte zu entwickeln und die Margen zu steigern. Wie weit ist Fairchild auf diesem Weg vorangekommen?

Im Jahr 2000 lag die Marge des Unternehmens bei 25 Prozent. Jetzt sind wir bei 35 Prozent angelangt. Die Einzeltransistoren und Dioden tragen inzwischen nur noch unter 10 Prozent unseres Umsatzes bei. Dagegen ist der Anteil der höher integrierten ICs auf einen Anteil von ein Drittel gestiegen. Die Margen liegen dort um bis zu 15 Prozent über unserer Durchschnittsmarge.

Der Anteil der höher integrierten ICs soll also weiter steigen?

Die Zukunft liegt darin, ICs auf den Markt zu bringen, die sich deutlich von denen des Wettbewerbs unterscheiden. Das können wir vor allem dadurch schaffen, dass wir höher integrieren. Und dadurch steigt die Marge weiter.

Welchen Anteil haben die FETs und IGBTs am Umsatz von Fairchild?

Derzeit tragen sie etwas über 50 Prozent zum Umsatz bei. Sie bilden den Kern für die höher integrierten ICs, die wir entwickeln. Das sehe sich als einen wesentlichen Differenzierungsfaktor zu den meisten Herstellern analoger ICs an: Auch wenn sie hoch integrierte Produkte auf den Markt bringen, fehlen ihnen die eigenen FETs. Fairchild dagegen entwickelt sie selber und kann sie deshalb sehr genau auf die jeweiligen Anforderungen der höher integrierten ICs zuschneiden.

Wo eröffnen sich für Fairchild die Märkte für diese Produkte?

Ein Beispiel ist das Laden von Batterien. Ein Handy war noch vor fünf Jahren mit Batterien ausgestattet, deren Kapazität bei 1200 mAh lag. Jetzt sind es 3000 mAh. Um die Ladezeit in Grenzen zu halten, müssen neue Ladekonzepte entwickelt werden. Dazu ist Know-how auf unterschiedlichen Gebieten erforderlich. Das reicht von der Ladeeinheit über die DC/DC-Wandlung bis zum Signalpfad für die Kommunikation. Es gibt viele Firmen, die jeweils ein oder zwei dieser Anforderungen abdecken können, wir dagegen decken alle Anforderungen ab. Deshalb gibt es nur sehr wenige Firmen weltweit, mit denen wir auf dieser Ebene im Wettbewerb stehen. Auf diese Weise können wir unseren Kunden Added-Value-Produkte liefern.