Freescale Semiconductor Fab in Sendai wird nicht wieder hochgefahren

Freescale Semiconductor wird seine Wafer-Produktion in Sendai/Japan nicht wieder hochfahren. Die in der Fabrik durch das Erdbeben entstandenen Schäden sind sehr groß, der Aufwand dementsprechend sehr hoch - und das vor dem Hintergrund, dass die Fab Ende dieses Jahres sowieso geschlossen werden sollte.

Rich Beyer, Chairman und CEO von Freescale Semiconductor, erklärt: »Unsere Mitarbeiter in Sendai erlitten schwerste Verluste. Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um ihnen zu helfen und ihrem Leben wieder eine gewisse Stabilität zu verleihen. Deshalb wird Freescale auch weiterhin fortfahren, ihre Gehälter für eine erweiterte Zeitdauer zu bezahlen. Dazu kommen noch umfassende Abfindungspakete.« Bereits zu einem früheren Zeitpunkt hatte das Unternehmen begonnen, seine Mitarbeiter in Sendai und deren Familien zu helfen, indem das Unternehmen sie mit Lebensmitteln, Wasser, Kleidung und anderen lebenswichtigen Dingen versorgt.

Zum Hintergrund der Entscheidung: Bei dem Erdbeben wurden sowohl das Equipment als auch die Infrastruktur ernsthaft beschädigt. Anhaltende Sicherheitsbedenken, Infrastrukturschäden und Schwierigkeiten mit der Stromversorgung, in Kombination mit zahlreichen Nachbebeben hätten es Freescale unmöglich gemacht, die Wafer-Produktion in einem vernünftigen Zeitrahmen wieder hoch zu fahren. Dementsprechend glaubt das Unternehmen, dass es für die eigenen Kunden besser sei, wenn sich das Unternehmen jetzt voll auf die Anstrengungen konzentriert, die in Sendai gefertigten Produkte möglichst schnell in alternative Fabriken zu transferieren. Freescale fertigt in der Sendai-Fab Mikrocontroller, Analog-ICs und Sensoren.

Darüber hinaus hatte Freescale bereits im April 2009 im Rahmen eines umfassenden Kostensenkungsprogramms angekündigt, die Fabrik in Sendai in diesem Jahr schließen zu wollen - allerdings war die endgültige Schließung erst für Dezember 2011 geplant. Auch wenn die Schließung jetzt viel früher erfolgt, geschieht sie nicht gänzlich unerwartet. Das heißt, dass Freescale auch schon vor dem Erdbeben Maßnahmen initiiert hatte, um die Schließung ohne Auswirkungen auf die Kunden durchführen zu können. Sprich, es wurde bereits mit dem Transfer der Produktion von Sendai in andere Freescale-Fabriken und zu Foundry-Partnern begonnen, das heißt ein Teil der Produkte ist bereits in anderen Fabriken qualifiziert, ein Teil muss noch transferiert und qualifiziert werden. Außerdem wurden deutlich höhere Lagerbestände der Sendai-ICs aufgebaut als dies unter normalen Umständen der Fall wäre.

Und obwohl Freescale seine Analyse über mögliche Versorgungsengpässe noch nicht endgültig abgeschlossen hat, sind Auswirkungen wohl unumgänglich. Um diese für die Kunden jedoch so gering wie möglich zu halten, wurden folgende Schritte unternommen:

  • Die zwecks der beschlossenen Schließung aufgebauten Lagerbestände werden zur Schließung möglicher Versorgungsengpässe genutzt.
  • Für Sendai-ICs, die noch nicht transferiert sind, arbeitet Freescale mit seinen Kunden zusammen, um mögliche Alternativprodukte zu finden.
  • Die Produktion von Halbleitern, die von Sendai bereits in die Wafer-Fabs in Oak Hill/Texas und Chandler/Arizona beziehungsweise in die Fabs von Foundry-Partnern transferiert und qualifiziert wurden, wird hochgefahren.
  • Freescale arbeitet außerdem mit seinen Kunden daran, den bereits laufenden Transfer von Produkten in andere Fabriken zu beschleunigen.
  • Außerdem sollen schneller als geplant zusätzliche Kapazitäten für ausgewählte Technologien aufgebaut werden, die von Sendai in andere Freescale-Fabriken transferiert wurden.

Die Fabrik in Sendai wurde 1987 gebaut und war ursprünglich ein Joint-Venture zwischen Toshiba und Motorola. 1999 hat Motorola SPS (Semiconductor Products Sector) die Fabrik dann ganz übernommen. In Sendai arbeiteten rund 600 Mitarbeiter. Die Fabrik liegt ungefähr 25 km hinter der Küste und damit zirka 130 km vom Epizentrum entfernt. Die Entfernung zu den Kernkraftwerken in Fukushima beläuft sich auf rund 110 km.