Rohm-President Satoshi Sawamura »Europa gibt wichtige Wachstumsimpulse«

Satoshi Sawamura, Rohm Semiconductor, im Gespräch mit Heinz Arnold, Markt&Technik: »Wir wollen den Umsatzanteil mit Produkten, die auf Kraftfahrzeuge und die Industrie abzielen, weiter steigern. Deshalb legen wir einen starken Fokus auf Europa.«

Eine Besonderheit von Rohm Semiconductor ist die hohe Fertigungstiefe. Wie sie zum Erfolg beiträgt, warum Rohm weiterhin passive Bauelemente fertigt, welche Rolle Europa für Rohm spielt und warum SiC so interessant ist, erklärt President Satoshi Sawamura im Interview mit Markt&Technik.

Markt&Technik: Was unterscheidet Rohm Semiconductor von anderen Herstellern elektronischer Komponenten?

Satoshi Sawamura: Wir haben sowohl diskrete Halbleiter und hochintegrierte ICs als auch passive Komponenten im Programm. Diese Bauelementen können wir zu vertikalen Systemen integrieren und haben dabei praktisch jeden Fertigungsschritt unter Kontrolle. Das hilft uns wiederum auf dem Weg zu einem unserer großen Ziele: für unsere Produkte eine möglichst hohe Qualität und Zuverlässigkeit zu erreichen.  Den bei weitem größten Teil des Umsatzes erzielt Rohm mit Halbleitern.

Der Umsatz der passiven Komponenten liegt im einstelligen Prozentbereich. Lohnt es sich weiterhin, diese Produkte zu entwickeln und zu fertigen?

Ja, davon sind wir überzeugt. Sie tragen nur einen relativ kleinen Teil zum Umsatz bei, aber die Stückzahlen, in denen wir sie fertigen, sind beeindruckend. Ursprünglich ist Rohm als Hersteller von Widerständen gestartet, daher auch der Name, der sich aus Widerstand R und der Einheit des Widerstandes zusammensetzt. Heute fertigen wir 12 Milliarden Widerstände pro Monat. Das ist nicht einfach, und wir lernen hier sehr viel darüber, wie sich hohe Qualität in die Fertigungsprozesse bringen lässt. Das können wir auch auf die Fertigung von Halbleitern übertragen. 

Welche Rolle spielt Europa für das Wachstum von Rohm?

Wir wollen den Anteil des Umsatzes mit Produkten, die auf den Einsatz in Kraftfahrzeugen und in der Industrie abzielen, weiter steigern. Deshalb legen wir einen starken Fokus auf Europa. Wir haben bereits ein Design-Zentrum in Deutschland aufgebaut, das ständig wächst. Außerdem entsteht gerade ein Power-Lab, das Ende März 2017 komplett sein wird. 

Gibt es konkrete Beispiele für Entwicklungen, die in Europa stattfanden?

Ja, wir haben die Wireless-MBus-Produkte und die G3-PLC-Produkte in Europa entwickelt. Außerdem arbeiten wir im Bereich der drahtlosen Sensornetze mit der deutschen EnOcean zusammen, auch hier entwickeln wir vieles in Europa. Wir wollen die Entwicklungs-Teams hier weiter verstärken und auch den Vertrieb weiter ausbauen. 

Drahtlose Sensornetze galten vor zehn Jahren als Zukunftshoffnung, dann wurde es etwas stiller um sie. Sie meinen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen sei, um auf diese Technik zu setzen?

Der Hype um drahtlose Sensornetzwerke ist etwas verflogen, aber ich sehe gute Chancen, vor allem in Japan, wo es bereits viele Services auf ihrer Basis gibt. Die Leistungsfähigkeit und der Preis der Komponenten zum Aufbau der Sensorknoten stimmen jetzt. Ich sehe eine gute Gelegenheit für weiteres Wachstum, wobei uns zudem die Kooperation mit EnOcean helfen wird. 

Ist Rohm für die Anforderungen gerüstet, die das IoT stellt?

Wir hatten uns schon mit den Komponenten wie Sensoren, Controllern, diskreten Halbeitern, Funk und, nicht zu vergessen, den passiven Produkten beschäftigt, als von IoT noch gar nicht die Rede war. Jetzt ist es wichtig, die Produkte weiter zu miniaturisieren. Dabei spielt die Gehäusetechnik eine große Rolle. Es ist uns in einigen Bereichen gelungen, etwa mit unserer RASMID-Familie, Komponenten in den weltweit kleinsten am Markt verfügbaren Gehäusen anzubieten. Das ist ein wichtiges Kriterium, um IoT-Systeme aufbauen zu können. Dabei hilft uns wiederum, dass wir praktisch alle Prozessschritte – von den Ausgangsmaterialien bis zur Fertigung von Modulen – im eigenen Haus haben. Sogar die Fertigungsmaschinen konstruieren und fertigen wir zum Teil selber.  Das gilt auch für SiC-Komponenten, auf die Rohm große Hoffnungen setzt.