Konsolidierung im MCU-Bereich? »Es gibt zu viele Controller-Hersteller«

Dieser Überzeugung ist Chanan Greenberg von Model N, weshalb er erwartet, dass im MCU-Segment eine Konsolidierung stattfinden wird. Und was sagen die betroffenen Hersteller dazu?

Für Norbert Siedhoff, Geschäftsführer und European Sales Director von Microchip Technology, trifft diese Aussage zu, wenn man »über MCUs von der Stange redet, die austauschbar sind.« Aber gibt es denn überhaupt Controller, die austauschbar sind? Eigentlich nicht, weder bei Microchip noch bei anderen Herstellern, so Siedhoff weiter.

Ob es zu viele MCU-Hersteller im Markt gibt, kann Jürgen Weyer, Vice President Automotive Sales EMEA bei NXP Semiconductors, so nicht beantworten. Ein Punkt, der zumindest theoretisch dafür spricht, sind die enormen Preisverfälle, die im Mikrocontroller-Segment vorherrschen. Laut Weyer fallen sie höher aus als in jedem anderen Produktbereich im Halbleitermarkt. Und auch wenn es eigentlich keine Austauschbarkeit gibt – auch nicht mit ARM als Core –, weiß Weyer aus eigener Erfahrung, dass es dennoch Applikationsbereiche gibt, in denen zumindest auf Kundenseite der Wunsch besteht, die Controller austauschbar zu machen – nicht nur, aber sicherlich auch aus kommerziellen Gründen. Dass dementsprechend die Austauschbarkeit nicht im Sinne der Hersteller liegt, dürfte jedem klar sein. Also versuchen sie, sich über spezielles Know-how und über die Systemintegration zu differenzieren und gleichzeitig einen Mehrwert für den Kunden zu schaffen. Damit entkommen sie einerseits dem Druck, ihre Controller nur über den Preis verkaufen zu müssen, andererseits »können auch unsere Kunden dank der höheren Integrationsdichte im Gesamtsystem Kosten einsparen, selbst wenn der Preis für den Controller etwas höher ist«, so Weyer weiter.

Diesen Ansatz halten alle für den einzig gangbaren Weg, was Jürgen Hoika, Senior Director Distribution Marketing von Infineon Technologies, mit der Aussage unterstreicht: »Ohne Differenzierung und ohne einen Mehrwert für den Kunden, den er auch bereit ist zu bezahlen, ist man schnell raus aus dem Markt.« Und dieser Ansatz funktioniert auch, weiß Siedhoff zu berichten, Microchip sei der Beweis dafür. Das Unternehmen erzielt 50 Prozent seines Gesamtumsatzes mit Mikrocontrollern. Und Microchip baut seinen Marktanteil im 8-Bit-Markt aus, obwohl der Umsatz mit einem Volumen von mehreren Milliarden Dollar konstant bleibt. Microchip wächst aber auch im 32-Bit-Bereich. Siedhoff: »Und Microchip ist bekanntermaßen profitabel, wodurch klar ist, dass auch die 50 Prozent MCUs profitabel sind.« Warum ist Microchip sogar mit einem hohen Anteil an 8-Bit-MCUs profitabel? Siedhoff: »Weil wir unterscheidbar sind, das gilt für die Peripherie, für die Ausrichtung in den Applikationen, für die Software, für das Applikations-Know-how und für die Tools, Referenz-Designs und den FAE-Support.«

Die vorhandenen Preisverfälle werden aus Sicht von Weyer dennoch zu einer Art Konsolidierung führen. Zwar nicht über Mergers & Akquisitions, aber indem sich Hersteller aus unrentablen Bereichen verabschieden und sich nur noch auf bestimmte Segmente konzentrieren, in denen noch Geld zu verdienen ist. Denn ist das nicht gewährleistet, sind auch Neuentwicklungen nicht mehr möglich. Darüber hinaus erwartet Weyer, dass auch auf der Technologieseite eine Art von Konsolidierung stattfinden wird. Denn die Hersteller müssten in Zukunft im High-End über neue Konzepte nachdenken, weil sich die Hersteller Spezialtechnologien wie embedded Flash für Automotive nicht mehr leisten können. Der Markt ist mit seinen Stückzahlen einfach zu klein, damit sich diese Investitionen amortisieren. Dementsprechend müsse man sich überlegen, wie auch im Automotive-Markt in Zukunft Standardtechnologien genutzt werden können.

In der Summe fasst Claudio Valesani, Group Vice President, Head of EMEA Central Europe Sales Unit von STMicroelectronics, die Meinung der MCU-Hersteller zusammen: »Es gibt nicht zu viele Hersteller, die wirklich relevant sind.«