Kommentar Erfolgreich die Herausforderungen der Gegenwart meistern

Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik
Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik

Wer die aktuellen Probleme der Lieferkette nur auf die Auswirkungen der Dreifachkatastrophe in Japan zurückführt, der macht es sich zu einfach. Natürlich hat es massive Auswirkungen, wenn beispielsweise der größte Hersteller von Alu-Elkos durch die Ereignisse in Japan stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Doch man sollte eines dabei nicht außer Acht lassen: Angespannt war die Lieferkette schon vor Erdbeben, Tsunami und Gau in Fukushima.

Ob es genügt, sich mit Sonder­freigaben über die Runden zu retten, bleibt abzuwarten. Auch wenn die »Ersatzbauteile« laut Datenblatt den technischen An­forderungen entsprechen, ist ja erfahrungsgemäß nicht gesagt, dass sie im Zusammenspiel des Schaltungsdesigns auch wirklich so funktionieren, wie das bei den ursprünglich vorgesehenen Bau­teilen der Fall gewesen wäre.

Außerdem bleibt abzuwarten, wann die inzwischen von vielen Herstellern angekündigten Inves­titionsmaßnahmen in den Ausbau ihrer Fabriken Auswirkungen auf die Versorgungslage am Markt ha­ben werden. Auch wenn es wohl noch vor knapp sechs Monaten keiner für möglich gehalten hätte, so scheint sich der Aufschwung des Jahres 2010 weit in das Jahr 2011 hinein fortzusetzen. Offen­sichtlich hat das Vorjahr nicht ausgereicht, die Bedarfe, die sich 2009 weltweit angestaut habe, zu befriedigen. Es wird sich zeigen, wie lange dieser Schwung am Markt noch erhalten bleibt.

Im Laufe der letzten Woche hat nicht nur der Rohölpreis erstmals seit Monaten wieder deutlich nachgegeben, auch die Preise für Rohstoffe, die unter anderem in der Elektronikindustrie zum Ein­satz kommen, haben zum Teil innerhalb von wenigen Tagen bis zu einem Viertel ihrer zuvor er­reichten Kurse eingebüßt. Das gilt nicht nur für Edelmetalle wie Gold und Silber, sondern auch für das in der Elektronik weit verbrei­tet Kupfer.

Schon melden sich die ersten Auguren, die vom Ende des Auf­schwungs und der Markterholung sprechen. Wer die Entwicklung der letzten Monate verfolgt hat, dem drängt sich aber vor allem der Eindruck auf, dass da ein überhitzter Markt zumindest an­satzweise wieder auf Normalniveau gekommen ist. Wie schnell sich diese Entwicklung auf die meist halbjährlichen, wenn nicht gar auf Jahresfrist ausgelegten Lieferverträge der Elektronikher­steller auswirken wird, bleibt ab­zuwarten.

Als vor Jahren von einem Ende der Zyklen gesprochen wurde, da hätte wohl kaum jemand erwar­tet, dass er die kalkulierbare Re­gelmäßigkeit der bekannten Zyk­len schon so bald vermissen wür­de. Die Zeitabstände zwischen den Markt beeinflussenden Fakto­ren sind kürzer geworden, die Amplituden der Auswirkungen dieser Beeinflussungen werden immer steiler.

Da wohl kaum anzunehmen ist, dass sich daran demnächst etwas ändern wird, bleibt kaum etwas anderes übrig, als die Her­ausforderungen der Gegenwart so gut es geht zu meistern. Ein glo­balisierter, vitaler, vielfältigen Ein­flüssen unterworfener Weltmarkt stellt seine Teilnehmer eben nicht nur vor Herausforderungen, son­dern er bietet denen, die sie meis­tern können, auch immense Zu­kunftschancen.