Interview »Enorme Wachstumsschancen für TI!«

Brian Crutcher, Texas Instruments: »Auch im Analogsegment sind Ansätze aus der Digitalwelt wie IP-Reuse und Plattformentwicklung von Vorteil, und das wollen wir verstärkt nutzen.«
Brian Crutcher, Texas Instruments: »Auch im Analogsegment sind Ansätze aus der Digitalwelt wie IP-Reuse und Plattformentwicklung von Vorteil, und das wollen wir verstärkt nutzen.«

Brian Chrutcher hat vor gut einem halben Jahr die Position als Senior Vice President und General Manager des Analogbereichs von TI übernommen. Markt & Technik sprach mit ihm über Produktion, Wachstumschancen und Veränderungen.

Markt & Technik: Als TI National Semiconductor übernommen hatte, waren die Kapazitäten knapp und die zusätzlichen National-Kapazitäten von Vorteil. Inzwischen hat der aber Markt gedreht…

Brian Crutcher: Es gab diverse Gründe, warum wir National übernommen haben, die zusätzlichen Kapazitäten waren sicherlich nicht der wichtigste Grund, auch wenn wir damals sehr froh über diese zusätzlichen Fertigungsmöglichkeiten waren.
Und auch wenn derzeit die Nachfrage nicht mehr so gut ist, mit der National-Übernahme und den dazugehörigen Fabriken haben wir auch Zugriff auf gute Technologien erhalten. Teile dieser National-Prozesstechnologien nutzen mittlerweile auch die traditionellen Analog-Teams von TI, umgekehrt nutzen die ehemaligen National-Teams einiger unserer Technologien. Darüber hinaus haben wir einige der ehemaligen National-Technologien in unsere eigenen Fabriken transferiert und qualifizieren sie dort.

Aber der viel entscheidendere Faktor für die Übernahme waren die Mitarbeiter von National. Damit konnten wir viele sehr gute Analog-Ingenieure ins eigene Unternehmen bringen, mit dem Vorteil, dass diese auf den Industriemarkt fokussiert sind und für dieses Marktsegment wirklich gute Produkte auf den Markt bringen, ein Bereich, in dem wir früher nicht so gut positioniert waren. Dank dieser Entwicklungsingenieure verfügen wir in diesem Segment jetzt über eine hohe Systemexpertise. Wir verstehen die Systeme der Kunden und können somit Produkte entwickeln, die der Markt auch wirklich braucht und will.

Apropos Kapazitäten - wie sieht der Status-Quo für die 300-mm-Analog-Fab in Richardson/Texas aus?

Die Fab ist vollständig betriebsbereit und wir fertigen dort auch bereits Bausteine. Wir transferieren zunehmend High-End-Prozesse in die Fab und nutzen mehrere Technologieknoten.

Welche Kriterien sind ausschlaggebend dafür, ob ein Produkt auf 300 mm gefertigt wird oder nicht?

Zum einen fertigen wir in dieser Fab natürlich Produkte, die in höchsten Stückzahlen laufen. Das heißt, dass auch ältere Prozessknoten in der Fab laufen. Darüber hinaus bringen wir aber auch die neuen Prozesse in die Fab. Es ist nämlich oft gar nicht so einfach, Kunden davon zu überzeugen, dass sie bestehende Prozesse auch in unserer 300-mm-Fabrik qualifizieren, weil der Aufwand einfach sehr hoch ist. Deshalb wandern besonders viele der neuen Technologien in die 300-mm-Fab, so dass die neuen Designs, die wir vorstellen dann automatisch in der 300-mm-Fab gefertigt werden.

Damit sind mittlerweile alle unsere Technologien aus den letzten zwei Jahren mittlerweile auch auf Basis von 300-mm-Wafern verfügbar.

Mit welcher Auslastung wird die 300-mm-Fab gefahren?

Konkrete Zahlen kann ich Ihnen nicht nennen. Über alle Fabriken gerechnet liegt unsere Auslastung aber zwischen 50 bis 60 Prozent.

TI ist weltweit der größte Analog-Hersteller, also nicht ganz einfach, den Umsatz in hohem Maße zu steigern…

Naja, das würde ich so nicht sagen. Wenn man sich den letzten Zyklus seit dem dritten Quartal 2008 bis zum dritten Quartal 2012 ansieht, dann ist unser Umsatz in diesem Zeitraum um 21 Prozent gewachsen. Der Markt hingegen ist nur um 1 Prozent gewachsen.

Und wie viel Prozent hat die Nationalübernahme zu diesem Wachstum beigetragen?

In dieses Wachstum ist die Nationalübernahme nicht eingerechnet, sondern es bezieht sich auf unsere drei traditionellen Analogsegmente. Mit National liegt unser Wachstum also noch über den 21 Prozent.

Wo ist TI am stärksten gewachsen?

Im Power-Management-Bereich und zwar über alle Produkte, die zu diesem Segment zählen, angefangen beim Batterie-Management-IC, über DC/DC-Wandler, bis hin zum einfachen Regler.

Und wie sieht es bei den Datenwandlern aus?

Wir haben auch hier investiert und ich würde sagen, wir halten in diesem Segment eine gute aber keine großartige Position, denn wir sind hier die Nummer 2 im Markt. In einem Bereich sind wir sehr gut: High-Speed-Wandler mit Sample-Raten von über 100 MSPS und einer Auflösung von 12 oder 14 Bit. Diese Bausteine wandern beispielsweise in Basisstationen für die drahtlose Kommunikation oder in die Messtechnik. Hier wachsen wir auch sehr schnell. Darüber hinaus verstärken wir aber auch unsere Aktivitäten bei den genauen SAR-Wandlern.