Kommentar Energiewende: Auch auf die Chips kommt es an

Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik
Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik

Die Welt wird smart: von Smart Metering über Smart Home und Smart Grid bis zu Smart Cities reicht die Spanne. Doch dass es die Elektronik, vor allem die Halbelter-Chips sind, die die Welt smart machen, wir dabei oft übersehen.

Die Wahlen sind gelaufen und es zeichnet sich bereits ab, welche Parteien die neue Regierung bilden werden könnten – entschieden ist allerdings noch nichts. Nun könnte man aus Sicht der Halbleiterindustrie geneigt sein, zu sagen: Ist ja sowieso egal. Denn zwar beschwört die Politik fast quer durch die Parteien, wie wichtig es sei, Innovationen zu fördern. Zwar führt sie Schlagwörter wie Industrie 4.0 ständig in wohlklingenden Reden an und schmeißt im Rahmen der Energiewende einem täglich »Smart-X«-Kombinationen um die Ohren. Allerdings scheint sie sich nicht die Frage zu stellen, was das »X« smart macht, denn dann würde sie bei der Elektronik und den Halbleiter-ICs als Grundlage landen. Dasselbe gilt auch für das Thema Datensicherheit und Datenschutz: Ohne Chips keine Sicherheit. Und ohne Sicherheitsvorkehrungen ist eine stark vernetzte Welt - egal ob es sich um Smart Grids, Smart Home oder die vernetzte Industriefertigung handelt - schlichtweg nicht vorstellbar.

Dennoch tut die Politik wenig, um die Halbleiterindustrie, die für all diese Innovationen die Grundlage bildet, im Lande zu halten. Die Vorstellung, in diesem wichtigen Bereich in Abhängigkeiten zu geraten, schreckt offenbar nicht. Chips gelten einfach als Rohstoff, den man am Weltmarkt problemlos einkaufen kann. Die Innovationen, über die sich die Hersteller von Maschinen, Autos, Medizintechnik und all die anderen Branchen, die in Deutschland stark sind, weiter im globalen Wettbewerb behaupten können, finden auf den oberen Ebenen statt. So muss wohl die Argumentationskette lauten, die dazu führt, dass selbst im Vergleich zu europäischen Nachbarn die Halbleiterindustrie in Deutschland auf wenig Aufmerksamkeit von politischer Seite stößt.

Allerdings hat eine zu hohe Aufmerksamkeit der Politik auch ihre Tücken, das ist gerade am Thema Energiewende zu beobachten. Erinnert sei nur an das Hin und Her zum Thema Smart Meters. Dass die Hersteller der Zähler - darunter viele Mittelständler - hierzulande trotz vieler politisch motivierter Verzögerungen Produkte entwickeln, zeigt, dass sie sich die Innovationsfreude trotz allem nicht nehmen lassen. Ähnlich geht es anderen Herstellern, die Smart-Grid- und Smart-Home-Produkte entwickeln, um die Energiewende hierzulande umzusetzen. Es kommt also jetzt darauf an, dass sich die neue Regierung möglichst schnell wieder mit dem Thema Energiewende beschäftigt und wenigstens nicht die Fortschritte, die bisher gemacht worden sind, wieder in Frage stellt. Sonst können wir noch lange darauf warten, dass die Energiewende-Produkte zum Exportschlager werden. Und im Rahmen der Energiewende einen etwas tieferen Blick in die Welt der Halbleiter-Chips zu werfen, wäre für die Politik im Hinblick auf den Industriestandort Deutschland mit Sicherheit keine Fehler.

Übrigens: Wer sich einen Überblick über das verschaffen will, was sich gerade in den Sektoren Smart Grid und Smart Metering tut, der hat in München Gelegenheit dazu: Hier findet der 3. Energie & Technik Smart Home & Metering Summit vom 23. bis 24. Oktober statt - ein Treffpunkt für Experten und Anwender, die darüber diskutieren, was sich hinsichtlich Zertifizierungen, Standards, Regulierungen und technischen Entwicklungen für die Hersteller von Komponenten und Systemen rund um das Smart Metering und das Smart Home Neues tut.

Ihr Heinz Arnold