Lattice Endlich wieder profitabel

Bruno Guilmart, Lattice Semiconductor: »Nachdem wir im letzten Jahr unsere Kosten auf ein vernünftiges Maß reduziert haben, geht es jetzt darum, genügend Wachstum zu generieren.«

»Mittlerweile haben wir eine klar definierte Roadmap und Produktstrategie, und wir schreiben seit dem vierten Quartal 2009 wieder schwarze Zahlen«, erklärt Bruno Guilmart, President und CEO von Lattice Semiconductor, nicht ohne Stolz.

Und das war vor einem Jahr noch ganz anders, erklärt Guilmart weiter: »Damals hatten wir keine Roadmap, keine Produktstrategie, und wir waren nicht profitabel.« Der Stolz ist also durchaus berechtigt: Wenn es schon zu normalen Zeiten schwierig ist, aus einem unprofitablen Unternehmen ein profitables zu machen, dann erst recht zu Zeiten des Abschwungs. Ebenso wie der gesamte Markt hat Lattice bereits im 3. Quartal 2008 die Rezession zu spüren bekommen – damals sank der Umsatz leicht. Dann folgten Q4/2008 und Q1/2009 mit deutlichen Umsatzrückgängen, bevor in den weiteren Quartalen – wie im Markt insgesamt – die Umsätze wieder stiegen. Allerdings war selbst im 4. Quartal 2009 noch nicht das Umsatzniveau von vor der Rezession erreicht. Dennoch konnte Lattice im 4. Quartal einen operativen Gewinn von 3,3 Mio. Dollar ausweisen.

Das Kunststück, trotz der gegebenen Umstände in die schwarzen Zahlen zu kommen, konnte nur über eine deutlich verbesserte Kostenstruktur gelingen. Guilmart: »Wir haben innerhalb von nur 12 Monaten unsere Betriebsaufwendungen um 15 Prozent reduziert.« Ein Teil der Kosteneinsparungen beruht darauf, dass die Zahl der unterstützten Produktarchitekturen reduziert wurde, und zwar auf ein Maß, »das sich das Unternehmen auch leisten kann«, so Guilmart weiter. Damit lassen sich laut seiner Aussage pro Jahr 3 bis 4 Mio. Dollar an R&D-Aufwendungen einsparen. Wobei Guilmart betont, dass Lattice seine gesamte R&D-Struktur verbessert hat, indem die vormals sehr unabhängigen einzelnen R&D-Zentren jetzt gemeinsam an einem Strang ziehen und damit deutlich effizienter sind. Ein anderer Schritt bestand darin, dass Lattice seine Präsenz in Asien ausgebaut hat. So hat das Unternehmen sein gesamtes Lager nach Singapur verlagert, wodurch sich nochmals 1 Mio. Dollar/Jahr einsparen lassen. Guilmart betont aber: »Diese Verlagerung hat sich nicht negativ auf die Lieferzeiten für unsere europäischen Kunden ausgewirkt, das haben uns unsere Kunden schon bestätigt.«

Die Produktstrategie mit der Fokussierung auf drei Bereiche – Low Density, Mid-Range und Mixed Signal – ist dem Unternehmen durchaus gut bekommen. »Mittlerweile erzielen wir mehr als 40 Prozent unseres Umsatzes mit neuen Produkten. In den letzten Quartalen konnten wir unseren Umsatz mit neuen Produkten durchschnittlich um 18 Prozent pro Quartal erhöhen «, erklärt Guilmart.

Im Mid-Range-Bereich bietet Lattice mit LatticeECP2M und LatticeECP3 zwei verschiedene Familien an. »Unsere Strategie in diesem Komplexitätsbereich besteht darin, uns auf bestimmte vertikale Märkte zu fokussieren, in denen wir eine führende Position erreichen und halten können, und dafür optimierte und differenzierte FPGAs einschließlich dazugehöriger Systemkomponenten zu liefern.« In diesem Zusammenhang erwähnt Guilmart beispielsweise LCD-, Broadcast/Video- und Überwachungs- Systeme. Für 2011 ist die Einführung der nächsten Generation von Mid-Range-Produkten geplant, die laut Guilmart eine Weiterentwicklung der bestehenden Produktfamilien sind. Konkret heißt das, dass diese FPGAs dann wohl auf der gleichen Prozessgeometrie wie ECP3 basieren – also 65-nm-Strukturen – aber mit einer verbesserten Funktionalität ausgestattet sein werden. Auf die Frage, ob Lattice einen ARM-Core in seine FPGAs integrieren wolle, erklärt Guilmart, dass man wohl darüber nachdenke, derzeit aber noch nichts entschieden sei.

Im Low Density-Bereich wiederum bietet Lattice drei verschiedene Produktfamilien an: LatticeXP2, MachX0 und ispMACH4000ZE. »In diesem Bereich haben wir uns drei Ziele gesetzt: Die Produkte müssen kostengünstiger werden, einfacher zu handhaben, und der Verkaufskanal muss gestärkt werden«, erklärt Guilmart. Außerdem will sich Lattice mit diesen Produkten weniger auf bestimmte Märkte als vielmehr auf besondere Anwendungen wie beispielsweise Interface-Brücken, I/O-Erweiterungen, Glue-Logik oder Power-Up-Management-Funktionen fokussieren. Guilmart: »Wir sind die einzigen, die überhaupt über eine Roadmap für Low-Density-Produkte verfügen. « Im Low-Density-Bereich können die Entwickler in diesem Jahr noch mit einer neuen Produktfamilie rechnen. Laut Guilmart wird sie eine Art Kombination aus den besten Eigenschaften aller bisherigen Low Density Familien darstellen – zum Beispiel sehr geringe Leistungsaufnahme, maximal 10K LUTs. Zum Low-Density-Bereich gehören auch die Mixed-Signal-Produkte. Hier liegt der zukünftige Fokus laut Guilmart ganz klar auf den Power-Management-Produkten, die Clock-ICs verlieren an Bedeutung. Dafür sieht die Roadmap für die Power-Management-Chips vor, dass sie in der nächsten Generation einen noch höheren Integrationsgrad aufweisen werden, mehr möchte Guilmart noch nicht verraten.

Guilmart sieht Lattice jetzt also durchaus gut positioniert, um nach der Rosskur nun auch die Früchte der Arbeit ernten zu können. Hinzu kommt noch, dass es dem Unternehmen gelungen ist, in vielen Designs Fuß zu fassen, die sich durch ausgesprochen gute Wachstumsprognosen auszeichnen. Guilmart konkretisiert: »Wir sind mit unseren FPGAs beispielsweise in digitalen Kameras, LCD-Fernsehern, Servern, Infrastruktur für die drahtlose Kommunikation sowie Smartphones vertreten. Das sind alles Anwendungen, die sich entweder bereits jetzt durch hohe Stückzahlen auszeichnen oder die andererseits ein durchschnittliches Jahreswachstum im zweistelligen Bereich aufweisen.«