Western Digital kauft Toshiba Einigung in letzter Minute

Will das Unternehmen die eigene Pleite noch verhindern, muss der Verkauf von Toshiba Memory bis März nächsten Jahres über die Bühne gebracht sein.

Western Digital kann seine Interessen im Kampf um die Übernahme von Toshiba Memory jetzt doch durchsetzen.

Dafür spricht einiges. Denn nach Berichten von japanischen Zeitungen haben sich die halbstaatlichen Institutionen Innovation Network Corp. of Japan (INCJ) und Development Bank of Japan (DBJ) doch entschieden, in einem Konsortium um Western Digital mitzumachen und gemeinsam mit KKR Toshiba Memory zu übernehmen. Sollten sich die Gerüchte bestätigen, so läge der Anteil von Western Digital an Toshiba Memory nach Abschluss der Übernahme bei 20 Prozent und das Unternehmen erlange zumindest nicht von Anfang an Stimmrechte. 

Bisher hatte Toshiba das  Konsortium um SK Hynix und Bain Capital als bevorzugten Käufer behandelt, in dem INCJ und die DBJ für eine japanische Mehrheit gesorgt hätten. Allerdings hatte die Rolle von NAND-Flash-Speicher-Wettbewerber SK Hynix der INCj und der DBJ zu denken gegeben. Vor allem aber hatte  sich Western Digital quer gestellt. Denn über den Kauf von SanDisk war Western Digital der NAND-Flash-Speicher-Einheit von Toshiba plötzlich über ein Joint-Venture verbunden, das schon seit weit über zehn Jahren bestanden hatte und gut funktionierte. 

Daraus leitete Western Digital den Anspruch ab, am Verkauf von Toshiba Memory ein gewichtiges Wort mitreden zu dürfen: Das Management von Western Digital war überzeugt, dass kein Verkauf gegen das eigene Veto stattfinden dürfte und Western Digital wollte keinem Verkauf zustimmen, bei dem es nicht selber zu den Käufern gezählt hätte. 

Das Management von Toshiba aber zeigte Western Digital die kalten Schulter und verhandelte munter mit dem Konkurrenzkonsortium um Bain und SK Hynix weiter. Dagegen legte Western Digital rechtliche Mittel ein, Toshiba schoss juristische zurück. Das Verhältnis zwischen den beiden Streithähnen ist nur mehr als zerrüttet zu bezeichnen, so wie es ein hoher Manager von Toshiba auch schon gegenüber einer japanischen Zeitung lanciert hatte, was an sich schon ein ungewöhnlicher Vorgang ist.

Nun hat Toshiba keine Zeit, sich in langwierige juristische Händel zu verstricken. Will das Unternehmen die eigene Pleite noch verhindern, muss der Verkauf Toshiba Memory bis März nächsten Jahres über die Bühne gebracht sein. Die Verhandlungen mit dem bevorzugten Konsortium zogen sich zudem in die Länge und so bekamen INCJ und DBJ anscheinend kalte Füße. Das schlechte Verhältnis zwischen dem Management von Toshiba und dem von Western Digital hin oder her – es musste offenbar aus Sicht von INCJ und DBJ dringend etwas geschehen, um den Gordischen Knoten mit einem Schlag zu durchtrennen.

Der angebliche Kaufpreis von 18,3 Mrd. Dollar sollten ausreichen, um Toshiba vor der Pleite zu retten. Die Beteiligung von Western Digital von unter 20 Prozent zunächst ohne Stimmrechte, dürfte zudem ausreichen, um langwierige Untersuchungen über unerlaubte marktbeherrschende Stellung von Toshiba Memory und Western Digital im Markt für NAND-Flash-Speicher zu vermeiden. Und sie hätte den Charme, der japanischen Regierung und  der japanischen Wirtschaft zu erlauben, das Gesicht zu wahren. Von weitere Alternativen, etwa dem Verkauf an ein Konsortium um Foxconn, die eine Kaufsumme von nicht weniger als 27 Mrd. Dollar in Aussicht gestellt hatte, war bezeichnenderweise in den japanischen Zeitungen nichts zu lesen. 

Laut The Ashai Shimbun werde Steve Milligan, der CEO von Western Digital, schon bald nachb Japan reisen, um seinen Kollegen Satoshi Tsunakawa, CEO von Toshiba, besuchen, um den Deal unter Dach und Fach zu bringen. Für Toshiba jedenfalls wäre es höchste Zeit.