Europäische Kommission gibt Startschuss ECSEL JU ist aktiv

Seit gestern ist die europäische Technologieinitiative ECSEL JU (Electronic Components and Systems for European Leadership Joint Undertaking) aktiv und ersetzt die bestehenden europäischen Initiativen.

Denn unter ECSEL sind die drei Initiativen ARTEMIS (Advanced Research & Technology for EMbedded Intelligence and Systems), ENIAC (European Nanoelectronics Initiative Advisory Council), sowie EPoSS (European Technology Platform on Smart System Integration) aus dem 7. Rahmenprogramm zusammengefasst. Dr. Andreas Wild, bislang Executive Director von ENIAC ist jetzt Executive Director von ECSEL. An Finanzmitteln stehen ECSEL etwa 5 Mrd. Euro zur Verfügung. Davon übernehmen 1,18 Mrd. Euro die EU, hierzu werden Mittel aus dem Forschungs- und Innovationsprogramms Horizont 2020 genutzt, 1,17 Mrd. Euro kommen von 26 EU-Mitgliedstaaten und assoziierten Staaten und über 2,34 Mrd. Euro aus der Wirtschaft.

Diese Initiative soll dabei helfen, bis 2020 in Europa private Investitionsmittel in Höhe von 100 Mrd. Euro zu mobilisieren und rund 250.000 Arbeitsplätze zu schaffen.

Für Projekte aus dem ersten Call for Proposals stehen Fördermittel in Höhe von 270 Mio. Euro zur Verfügung. Gefördert werden neben Pilotprojekten auch Technologieentwicklung für Halbleiter sowie Cyber-Physical- und intelligente Systeme sowie deren Integration in Anwendungsgebiete wie effizienter Verkehr, verbesserte Privatsphäre der Bürger, nachhaltige Energieerzeugung und erschwingliche Gesundheitsleistungen.

Gestern legte die Electronics Leaders Group (ELG) auch ihren Plan für die Umsetzung des, im Februar dieses Jahres vorgelegten, industriepolitischen Strategieplans vor. Damals hieß es, dass auf der Nachfrageseite eine große Initiative mit dem Titel »Smart Everything Everywhere« (Immer und Überall Intelligent) auf den Weg gebracht werden sollte, mit der in ganz Europa Exzellenzzentren für eine großangelegte Praxiserprobung neuer Technologien geschaffen werden sollen. Auf der Anbieterseite wiederum sah die Gruppe durchaus Chancen, dass ab 2016/17 die Fertigungskapazität für Halbleiter um 70.000 Wafer pro Monat gesteigert werden könne, was einem jährlichen Kapazitätszuwachs von zirka 10 Prozent entsprechen würde.

Für die Umsetzung macht die ELG jetzt folgende, zum Teil etwas nebulös formulierte Vorschläge:

Maßnahmen auf der Nachfrageseite:

So genannte »Wegbereiter«-Projekte initiieren, mit denen eine Führungsrolle auf Gebieten demonstriert werden soll, auf denen die europäische Industrie anerkannte Stärken hat (z. B. Automobil- und Energiesektor, Biowissenschaften und Gesundheit);

mehrere »Weltklasse-Referenzzonen« in ganz Europa schaffen, in denen neue Technologien in großem Maßstab unter realen Bedingungen erprobt werden können. Dieses Netz soll gerade auch den KMUs Zugang zu Technologien verschaffen und dabei helfen, deren Potenzial auf dem Gebiet der Embedded Elektronik zu heben;

ein Netz aus Kompetenzzentren schaffen, um die Innovationsfähigkeit Europas in allen Bereichen zu erhöhen. Es wird vorgeschlagen, dass »Horizon 2020« etwa 3 Mrd. Euro dazu beisteuern könnte. Die europäischen Strukturfonds sollten dann noch einmal den gleichen Betrag beisteuern und die Industrie ebenfalls mindestens noch einmal 3 Mrd. Euro, so dass am Ende etwa 10 Mrd. Euro zur Verfügung ständen.

Maßnahmen für die Anbieterseite:

Auf der Anbieterseite glaubt die ELG, dass es durchaus gute Chancen dafür gäbe, dass die Industrie weiter in die Chipfertigung in Europa investiert. Das hätten die 2012/2013 getätigten Investitionen in Pilotanlagen ja schon bewiesen. In den nächsten sieben Jahren soll der Übergang von Pilotanlagen in eine Massenfertigung fortgesetzt werden. Dafür sind laut Schätzung der ELG Investitionsmittel in Höhe von 20 Mrd. Euro erforderlich. Doch mittlerweile ist die ELG der Überzeugung, dass Europa einen wettbewerbsfähigen Rahmen für private Investitionen in die Fertigung bietet. Dazu hätten die auf EU-Ebene und in den Mitgliedstaaten geplanten Maßnahmen und die zur Verfügung stehende Unterstützung der Europäischen Investitionsbank beigetragen. Wobei die ELG auch empfiehlt, die »neuen staatlichen Beihilfen für wichtige Vorhaben von gemeinsamem europäischen Interesse« (IPCEI) zu nutzen. Mit von IPCEI ist es, Vorhaben, die im europäischen Interesse liegen, verstärkt durch die MItglieddstaaten fördern zu lassen, wobei anders als bei anderen Beihilfen bei IPCEI auch eine 100-prozentige Förderung möglich ist. Dieser Kapazitätsausbau würde dann wiederum die zu erwartende Nachfrage decken, die aus den Bereichen »intelligente vernetzte Objekte“, »Mobilkonvergenz« und den alteingesessenen europäischen Stärken wie Automobilindustrie, Energie, industrielle Automatisierung und Sicherheit kommt.