Dialog Semiconductor »Drahtloses Laden – Energous wird der Standard!«

Mark Tyndall, Dialog Semiconductor:
»Letztes Jahr war ein Übergangsjahr für Dialog. Aber ich bin sehr optimistisch, was unser Wachstum für die Zukunft angeht. Denn wir haben viele interessante neue Technologien, neue Marktchancen in China und neue Anwendungen im IoT.«
Mark Tyndall, Dialog Semiconductor: »Letztes Jahr war ein Übergangsjahr für Dialog. Aber ich bin sehr optimistisch, was unser Wachstum für die Zukunft angeht. Denn wir haben viele interessante neue Technologien, neue Marktchancen in China und neue Anwendungen im IoT.«

Diese Überzeugung vertritt Mark Tyndall, Senior Vice President von Dialog Semiconductor, im Gespräch mit Markt & Technik. Darüber hinaus erläuterte er auch seine Ansichten über M&As, GaN und Energy Harvesting.

Markt & Technik: Wir haben bereits vor geraumer Zeit darüber gesprochen, dass drahtloses Laden eine interessante Technologie ist. Aber die vielen Standards hinderten Dialog daran, in eine dieser Technologie zu investieren. Im letzten Jahr hat Dialog eine strategische Investition in Energous getätigt. Wie ist dieser Schritt zu deuten?

Mark Tyndall: Das Standardproblem beim drahtlosen Laden hat sich durch den Zusammenschluss von A4WP und PMA zwar etwas verbessert, aber diese Technologien haben ein grundsätzliches Problem. 2015 wurden rund 150 Mio. Qi-fähige Geräte ausgeliefert. Ich schätze, dass 10 bis 15 Prozent dieser Geräte niemals drahtlos geladen werden. Warum? Wenn ich mein Gerät derzeit mit diesen Standards drahtlos laden will, brauche ich ein Lade-Pad, muss auf die Ausrichtung von Gerät zu Lade-Pad achten und das Laden dauert aufgrund der Spulen relativ lang. Und genau deshalb haben wir uns dagegen entschieden, auf eine dieser Techniken zu setzen.
Energous wiederum setzt auf HF-Laden. Alles was man für ein Smartphone benötigt ist eine kleine Antenne, sagen wir 10 x 10 mm, und einen Receiver-Chip von nur 3 x 3 mm.

Der Ansatz hat sicherlich Vorteile, aber schlussendlich ist ein Hersteller von Mobiltelefonen notwendig, der bereit ist, auf diese Technik zu setzen. Haben Sie einen?

Das werden wir. Die Markteinführung wird in drei Stufen ablaufen. Die erste Stufe betrifft das Near-Field. In diesem Fall kann ein Gerät mit einem Abstand von einigen Millimetern drahtlose geladen werden. Das ist eine Verbesserung gegenüber der bisherigen Standards zum drahtlosen Laden, denn eine genaue Ausrichtung ist nicht mehr notwendig. In der ersten Stufe geht es aber mehr um Anwendungen wie Hörgeräte etc. Obwohl wir erst seit wenigen Monaten aktiv sind besteht schon großes Interesse.
Die zweite Stufe ist das, was wir als Mid-Field bezeichnen. Hierauf liegt der Fokus auf einer Distanz von rund 1 m und auf Small-Hubs, mit denen diverse Geräte geladen werden können. Damit ändert sich das Laden komplett. Wenn ich heute mit meinem Laptop arbeite und die Batterieladung zu Ende geht, muss ich das Ladekabel suchen und einstecken. In Zukunft wird ein Small-Hub mit HF-Transmitter konstant den Laptop laden, wobei es natürlich auch andere Geräte wie Smartphones, Wearables oder Pads sein können. Von diesem Ansatz sind wir überzeugt und hier liegen auch die großen Volumina.
Die dritte Stufe ist Far-Field. Dabei geht es um die Übertragung von höheren Leistungen über noch größere Distanzen.

Liegen die Frequenzen schon fest, die für dieses drahtlose Laden benutzt werden?

Es gibt derzeit verschiedene Ansätze. Wir haben beispielsweise schon Systeme auf Basis von 5,8 GHz demonstriert. Es gibt aber auch Ansätze mit niedrigeren Frequenzen, weil bei niedrigeren Frequenzen weniger Bedenken vor Interferenzen und vor Gesundheitsproblemen bestehen. Dabei muss natürlich auch die Größe der Antenne beachtet werden. Bislang ist noch nicht entschieden, welche Frequenz zur Anwendung kommt.