Kommentar Die vermeintliche Konsolidierung

Was wirklich zählt – und die unerbittlichen Zyklen

Diese Ausnahme bestätigt die These, die Wally Rhines vertritt, President und CEO der jetzt zu Siemens gehörenden Mentor: Bei den Übernahmen geht es um Spezialisierung – und in dieser Hinsicht hätte Broadcom geradezu vorbildlich gehandelt. So wie TI oder NXP und so manch anderes Unternehmen auch, das den Weg der Spezialisierung erfolgreich gegangen ist und heute gemessen an den Margen zu den weltweit führenden Halbleiterunternehmen gehören.

Was dagegen – neben billigem Geld – wirklich zählt, sind staatliche Initiativen, wobei wir in China angelangt wären. Hier fließt viel Geld in den Aufbau einer eigenen IC-Industrie, sowohl in die fabless Firmen als auch in Speicher-IC-Hersteller, die eigenen Fabs betreiben. Darin unterscheidet sich die Speicher-IC-Branche übrigens von dem Rest der Industrie. Hier tragen die Fab-Kosten neben R&D noch erheblich zu den Fixkosten bei, hier zählt Größe – weshalb in dieser Branche eine Konsolidierung auch tatsächlich stattgefunden hat.

Deshalb werden die riesigen Investitionen der Speicherhersteller – vor allem auch in China – dazu beitragen, die Kapazitäten soweit zu erhöhen, dass die Preise für DRAMs und NAND-ICs wieder sinken werden. 2019 könnte es soweit sein. Warum sollten auch, wenn so vieles über die Jahre konstant geblieben ist, die Zyklen plötzlich verschwinden?