Interview »Die Software definiert künftig die Hardware«

Vincent Roche, Analog Devices: »Wir wollen einen Software-Defined-Radio-Standard für viele Zielmärkte setzen. Damit leiten wir eine echte Revolution ein.«
Vincent Roche, Analog Devices: »Wir wollen einen Software-Defined-Radio-Standard für viele Zielmärkte setzen. Damit leiten wir eine echte Revolution ein.«

Vincent Roche hat im Mai dieses Jahres die Position des CEO von Analog Devices übernommen. Seit Gründung im Jahre 1965 ist er erst der dritte CEO in der Geschichte des Unternehmens. Im Interview mit Markt & Technik verrät er, was er künftig anders machen will als seine Vorgänger.

Markt & Technik: Sie arbeiten seit 1988 für Analog Devices, kennen das Unternehmen also in- und auswendig. Werden sie als CEO gegenüber Ihrem Vorgänger deutlich andere Akzente setzen?

Vincent Roche: Zunächst einmal fühle ich mich in einer besonderen Situation. Denn ich habe über viele Jahre mit den Firmengründern, dem leider so überraschend verstorbenen Jerry Fishman und mit Ray Stata, der immer noch für die Firma aktiv ist, zusammenarbeiten dürfen. Ich stehe gewissermaßen auf den Schultern zweier Riesen, von denen ich sehr viel lernen konnte.

Was wird in der Zukunft anders?

Wir befinden uns in einer Situation, in der die Software zunehmend die Funktion der Hardware definiert. Das bedeutet, dass das Systemwissen für unseren Erfolg in der Zukunft ausschlaggebend ist. Konsequenterweise werden wir uns sehr stark nach den Markt- und Kundenanforderungen auf Systemebene orientieren müssen. Die Systemwelt unserer Kunden mit unserer Technologie zusammenzubringen, sehe ich als entscheidende Strategie für die Zukunft an. Keimzelle dieser Transformation stellen unsere Ingenieure dar. Sie sind unsere internen Unternehmer: Ihre Kreativität freizusetzen und in Wachstum und wirtschaftlichen Erfolg für das Unternehmen umzusetzen, darin besteht die Herausforderung. Das kann nur mit einem starken Fokus auf Systemkompetenz gelingen.

Vor vier Jahren hatte Analog Devices eine Umstrukturierung eingeleitet. Hat dies zu messbaren Erfolgen geführt?

Die Neuausrichtung ging genau in die oben angesprochene Richtung: Wir haben eine Matrix-Struktur eingeführt. Das wichtigste Ziel bestand darin, genau zu erfahren, in welche Richtung sich die Markt- und Systemanforderungen entwickeln und entsprechend dieser Anforderungen die Innovationen voranzutreiben. Wenn ich die Reaktionen unserer Kunden als Maßstab nehme, dann ist die Umstrukturierung ein voller Erfolg. Nun sprechen wir deren Systemsprache und lösen deren Herausforderungen im Dialog. Das trifft auf hohe Akzeptanz der Kunden.