Nanoelectronics Forum 2014 Die letzte Chance nutzen

Ben Verwaayen, Gründungsmitglied von Keen Venture Partners und Ex-CEO von Alcatel Lucent
Ben Verwaayen, Gründungsmitglied von Keen Venture Partners und Ex-CEO von Alcatel Lucent auf dem Nanoelectronics Forum 2014.

Dass Europa als Halbleiterregion auf dem absteigenden Ast sitzt, ist längst bekannt. Bekannt ist auch, dass dieser Trend umgekehrt werden soll. Die Frage ist nur wie und darum geht es auch auf dem diesjährigen Nanoelectronics Forum in Cannes.

Ben Verwaayen, Gründungsmitglied von Keen Venture Partners und Ex-CEO von Alcatel Lucent, greift denn auch in seiner Rede viele Grundprobleme von Europa auf. Als Einstieg zitiert er aus der Rede des Papstes im Europaparlament, und spricht von Europa als müde Großmutter. »Auf den Titel Großmutter können wir stolz sein, aber das Adjektiv „müde“ muss verschwinden, Europa muss eine vitale Großmutter werden«, so Verwaayen weiter.

Dabei geht es nicht nur um die Europamüdigkeit, die sich in vielen Ländern zeigt. Auch in Hinblick auf die Mikroelektronik müsse endlich etwas erreicht werden. Er ist überzeugt, dass die europäische Mikroelektronikindustrie mit ihren großen Playern über viel Know-how und Leistungsfähigkeit verfügt, aber in Hinblick auf Ideen/Visionen sind die Europäer schlecht. Junge Unternehmen hätten die gleichen Informationen, seien genauso schlau wie die großen, verfolgten auch ähnliche Strategien, aber in einem Punkt unterscheiden sie sich komplett von den etablierten Playern: Die Dringlichkeit mit der sie ihr Vorhaben verfolgen ist viel höher; sie wüssten, dass sie nur eine Chance haben, die es zu nutzen gilt. Das müssten sich die hiesigen Player auch klarmachen, wenn sie die Chance nicht nutzen, die Mikroelektronik in Europa wieder nach vorne zu bringen, dann sei sie ein für alle Mal vertan. Das Argument, dass Europa zu geringe finanzielle Anreize biete, hier zu investieren, lässt Verwaayen nicht gelten. Denn in diesem Punkt wäre uns China sowieso immer überlegen, hier könnte Europa nicht punkten. Punkten kann Europa auf der Talentseite, allerdings müsse gewährleistet sein, dass die jungen Talente auch hier bleiben wollen. Junge Talente suchten den Austausch mit anderen, sie bräuchten ein Umfeld, in dem ihre Talente anerkannt werden, dieses Umfeld müsse geschaffen werden, sonst verliert Europa diese Talente.

Darüber hinaus mahnt Verwaayen an, dass die Staaten wie die Unternehmen eifersüchtig darauf achten würden, dass kein anderer mehr bekommt. Dabei sollte sowohl den Staaten wie auch den Unternehmen klar sein, dass es doch besser ist, wenn eine konkurrierende Firma oder ein anderer Staat Finanzmittel bekommt, anstatt dass gar keine fließen und damit die ganze Industrie auf kurz oder lang aus Europa keine Zukunft haben wird. Und abschließend erklärt Verwaayen noch: »Europa tut sich mit der Zusammenarbeit immer noch schwer. Wir können sehr gut darüber diskutieren, aber wirklich zusammenarbeiten nicht. Wenn wir immer nur darauf aufpassen, die Dinge, die wir haben, zu schützen, dann werden wir ganz sicher scheitern. Es gibt keine Garantie, dass die Zusammenarbeit funktioniert, aber es liegt an den Unternehmen selbst hier Fortschritte zu machen, das ist nicht die Aufgabe der Kommission.«