MACOM »Die HF-Merger geben unseren MMICs neuen Schwung!«


Markus Schäfer, MACOM: »Die Anforderungen an die Mikrowellenprodukte sind sehr komplex. Auch deshalb sind viele Anwender nach den Übernahmen auf uns zugekommen. Daraufhin haben wir im vergangenen Jahr 30 neue MMICs auf den Markt gebracht und in diesem Jahr werden es 40.«
Markus Schäfer, MACOM: »Die Anforderungen an die Mikrowellenprodukte sind sehr komplex. Auch deshalb sind viele Anwender nach den Übernahmen auf uns zugekommen. Daraufhin haben wir im vergangenen Jahr 30 neue MMICs auf den Markt gebracht und in diesem Jahr werden es 40.«

Neue MMICs entwickeln und selber keine Produkte abkündigen: So will MACOM von den HF-Mergern profitieren. Markus Schäfer von Macom erklärt, warum wie dies funktioniert und warum GaN dabei eine wesentliche Rolle zukommt.

Markt&Technik: Die Konzentration in der Halbleiterbranche ist an den Herstellern von Hochfrequenz-ICs nicht spurlos vorüber gegangen. MACOM behauptet, dass diese Entwicklung dem Unternehmen entgegenkäme, während viele Anwender dies mit Bangen sehen. Wie passt das zusammen?

Markus Schäfer, Sales Director EMEA von Macom: Die Kunden werden selbstverständlich nervös, wenn Produkte abgekündigt werden. Das passiert derzeit und es ist ja nicht verwunderlich. Wenn eine große Firma eine kleinere übernimmt, wird sie Produktlinien, die in das große Unternehmen nicht passen, auch nicht weiterführen.  Wenn sich zwei größere Firmen zusammenschließen, wird es ebenfalls Bereinigungen in den Produktlinien geben. Was den Ausgangsfirmen als sinnvoll erschien, passt dann nicht mehr zu der neuen, deutlich größeren Firma.

Warum kann MACOM dann einspringen?

MACOM hatte 2010 die MMIC-Firma Mimix Broadband, Inc (Mimix) übernommen und damit das Fundament für die Produktlinie der MMICs gelegt. Auf dieser Basis bauen wir jetzt das Produktportfolio weiter aus, beispielsweise Millimeterwellen-Switches, Leistungsverstärker und Oszillatoren.

Warum ist es für MACOM sinnvoll, diese Produktgruppen auszubauen, während sie für große Firmen zunehmend unattraktiver werden?

Wenn eine Firma wie Hittite von Analog Devices übernommen wird oder wenn sich Unternehmen wie Triquint und RFDM zu Qorvo zusammen schließen, dann liegt es auf der Hand, dass sie ihr Produktspektrum bereinigen müssen und sich auf die Produktlinien konzentrieren, die sie in hohen Stückzahlen verkaufen können.   MACOM ist mit einem Umsatz von jetzt 600 Mio. Dollar pro Jahr nicht ganz so groß, hat aber viele interessante Technologien im Haus, die sich für die Entwicklung neuer MMICs nutzen lassen.

Aber MACOM steht doch vor demselben Problem: Die Kunden verlangen höchste Performance, es stehen allerdings nur relativ geringe Stückzahlen dahinter?

Auf den ersten Blick sieht das so aus. Aber wir konzentrieren uns weder auf die Consumer-Märkte noch auf Automotive und selbst in Netzwerken sind wir kaum aktiv – mit Ausnahme der Basisstationen. Das zeigt schon, dass wir uns auf die High-End-Märkte konzentrieren.

Ist das mit Hinblick auf Europa ein lohnendes Geschäft?

Aus den Marktsektoren Test- und Messgeräte sowie Raumfahrt und Verteidigung  verspüren wir hier in Europa eine sehr starke Nachfrage. Die Gerätehersteller benötigen Produkte mit hoher Bandbreite, die sich dennoch durch geringes Rauschen und hohe Linearität auszeichnen. Die Anforderungen an die Mikrowellenprodukte sind also sehr komplex und deshalb sind viele Anwender nach den Mergern und Übernahmen auf uns zugekommen. Daraufhin haben wir im vergangenen Jahr 30 neue MMICs auf den Markt gebracht und in diesem Jahr haben wir uns zum Ziel gesetzt, 40 neue MMICs zu entwickeln.

MACOM entwickelt also immer mit Leitkunden?

Das ist ein Grundprinzip. Zunächst entwickeln wir Produkte, die andere abkündigen in enger Abstimmung mit Leitkunden.  Diese ICs und Module stehen dann weiteren Kunden zur Verfügung. Damit lösen wir schon einmal das drängendste Problem der Anwender. Auf dieser Basis bauen wir dann Produkte, die in ihrer Leistungsfähigkeit deutlich über das hinausgehen, was bisher angeboten wurde. Falls eine andere Firma überhaupt vergleichbare Produkte im Programm führt, können wir dann attraktive Alternativen liefern, die beispielsweise eine höhere Bandbreite von über 2 GHz bieten. Dann unterscheiden wir uns doppelt vom Wettbewerb.

Nun hatten Firmen wie Hittite in der Vergangenheit durchaus auch viele neue Produkte auf den Markt gebracht…

…das stimmt, sogar Hunderte. Dann haben sie geschaut, was der Markt braucht und eine Vielzahl der Neuentwicklungen ging sang- und klanglos wieder unter. Wir entwickeln dagegen mit Leitkunden nur solche Produkte, die von vorne herein eine Heimat haben. Deshalb wählen wir auch die Märkte genau aus und konzentrieren uns auf die Performance. Wie gesagt, bei den Komponenten, die in Test- und Messgeräte wandern, kommt es bei hoher Bandbreite auf geringes Rauchen und hohe Linearität an. Genau dasselbe trifft auch auf Geräte zu, die im Bereich Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung Einsatz finden. Zudem kommt es auf hohe Integration an. Und die Stückzahlen in diesen Märkten erlauben es durchaus, hoch zu integrieren.