Kommentar Die Chancen von IoT und Industrial Internet

Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik
Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik

Industrie 4.0 bzw. Industrial Internet und IoT, das waren die großen Themen der electronica 2014. Alles nur Schlagwörter, hinter denen nicht viel Gehalt steckt? Mit Sicherheit nicht.

Auch wenn es so manches, was heute unter diesen Schlagworten verkauft wird, früher unter anderem Namen auch schon gegeben haben mag – es tut sich auch viel Neues. Und ohne Neuland zu beschreiten, wäre es kaum möglich, die Maschinen in der Produktion und die Maschinen im Büro aber auch die Geräte, die uns in unserer Freizeit umgeben, immer enger zu vernetzen, Daten zu sammeln und etwas Sinnvolles mit ihnen anzustellen.

Das erfordert einerseits riesige, teilweise auch zentrale Rechenleistungen und die Fähigkeit, diese Daten zu analysieren und auszuwerten (Big Data), es erfordert andererseits aber auch eine stark dezentrale Steuerung mit Intelligenz vor Ort. Vor Ort heißt, die über Sensoren erhobenen Daten dort vorab auszuwerten, wo sie entstehen. Was vor Ort ausgewertet und gespeichert werden kann, muss nicht übertragen werden – das spart Ressourcen und Energie. Zur Energieersparnis vor Ort tragen effiziente Sensoren und ihre Zusammenarbeit unter dem Stichwort Sensor-Fusion bei. Genauso wichtig ist aber auch die darauf abgestimmte Elektronik, von der Signalkette über die Controller und dem Power-Management bis zu den Kommunikationseinheiten. Darüber hinaus kommt es nicht nur auf die Hardware an, die Komponentenhersteller müssen sich zunehmend um die Algorithmen und die Software kümmern.

Viele Komponentenhersteller haben auf die Entwicklung reagiert, indem sie ihr Know-how und Produktspektrum – häufig über Zukäufe – so ausgeweitet haben, dass sie wesentliche Teile abdecken können, um Subsysteme wie Sensorknoten liefern zu können, die die Systemhersteller in ihren IoT-Produkten einsetzen. Außerdem sind viele Komponentenhersteller ganz neue Partnerschaften mit Unternehmen eingegangen, die Komplettsysteme entwickeln.

Auf der electronica war die Stimmung hervorragend, denn all die neuen Anwendungen versprechen eine stabil wachsende Nachfrage. Doch wer die Halbleiterbranche kennt, der weiß, dass die Zeiten in dem von Zyklen geprägten Markt auch wieder härter werden können. Und wer genau hinschaut, der sieht, dass selbst gute Zeiten durchaus hart sein können: So mancher Halbleiterhersteller stöhnt unter dem Preisdruck.

Vielleicht wäre es ja gerade im Zeichen von IoT und Industrial Internet angebracht, sich nach neuen Geschäftsmodellen umzusehen. Die Halbleiterhersteller, die sich schon seit vielen Jahren immer mehr Systemwissen verschafft haben, könnten gerade dieses Wissen anwenden, um sich neue Einnahmequellen zu erschließen. Das große Geld wird jedenfalls in vielen Feldern mit Hardware nicht mehr zu verdienen sein. IoT und Industrial Internet eröffnen den Komponenten- und Halbleiterherstellern auch in dieser Hinsicht ganz neue Chancen. 

Ihr Heinz Arnold