Weiterhin hohe Auftragseingänge bei passiven Bauelemente Der Tanz auf dem heißen Vulkan neigt sich dem Ende zu

Joachim Thiele, TDK-EPC: »Dadurch, dass sich bei bestimmten Folienkondensatoren einige Hersteller aus dem Geschäft zurückgezogen haben, gibt es dort die größten Engpässe am Markt und es kann zu Lieferzeiten von bis zu 12 Monaten kommen.«

Leichte Entspannung gepaart mit vorsichtigem Optimismus für das erste Halbjahr 2011, so stellt sich derzeit der deutsche Markt für Passive Bauelemente dar. Zwar Da immer neue Industriezweige von der Markterholung partizipieren, reichen die Auftragseingänge der Branche teilweise bis weit ins nächste Jahr hinein. Der Aufbau zusätzlicher Fertigungskapazitäten und ein leicht rückläufiger Bedarf asiatischer EMS-Unternehmen, könnte schon bald zur Entspannung der angespannte Lage auf dem Beschaffungsmarkt beitragen.

Lieferzeiten und Kapazitäten, das waren und sind die alles bestimmenden Top-Themen auf dem deutschen Markt für Passive Bauelemente im Jahr 2010! Auch wenn sich die Versorgungslage offenbar in einigen Produktbereichen langsam entspannt, so wird sich nach Einschätzung der Branchenexperten die positive Entwicklung der ersten drei Quartale dieses Jahres auch zum Jahresende und im 1. Quartal 2011 fortsetzen.

»Unser Auftragsbestand reicht weit bis in das nächste Jahr hinein«, gibt etwa Olaf Lüthje, Vice President Regional Marketing Vishay Passives zu Protokoll. »Die Book-to-Bill Ratios sowie die Forecast-Zahlen lassen zumindest für das letzte Quartal 2010 einen sehr positiven Trend und ein stabiles Geschäft auf sehr hohem Niveau erwarten«, gibt Dietmar Theisen, Director Engineering & Marketin Pemco, bei Arrow Central Europe, seine Einschätzung wider. »Die starke Nachfrage nach elektronischen Bauelementen, Modulen und Systemen, wie wir sie im ersten Kalenderhalbjahr 2010 verzeichnet haben, hält aus allen Abnehmerbranchen und in allen Regionen der Welt weiter an«, bestätigt auch Joachim Thiele, Executive Vice President Corporate Sales bei TDK-EPC. Mit einem weiterhin unverändert hohem Auftragsbestand rechnet auch Harald Sauer, General Manager EU Accounts bei Taiyo Yuden, er rechnet allerdings für 2011 nur noch mit einem geringen zusätzlichem Wachstum.

Auf die Frage, welche Einflussfaktoren die konjunkturelle Erholung immer weiter strecken, antwortet r. Arne Albertsen, Manager Sales & Markting bei Jianghai Europe mit folgender Erklärung: »Wir haben es nicht nur mit einer anhaltend starken Nachfrage auf hohem Niveau in Deutschland zu tun. Auch im europäischen Ausland ist inzwischen mit einem Zeitversatz von sechs Monaten die Nachfrage ebenfalls angestiegen, wenn auch mit einer gegenüber Deutschland abgeschwächten Dynamik.«

Auch Markus Zühlke, Bereichsleiter Passive Bauelemente bei Rutronik, weist darauf hin, »das einige Industriezweige erst jetzt von der Markterholung partizipieren, was eine zusätzliche Belebung hervorrufen könnte.« Unabhängig davon, geht er von einer Normalisierung im Auftragseingang aus, »da die Aufträge zur Bestands- und Produktionssicherung, aufgrund erhöhter Lieferzeiten, bereits in den letzten Monaten platziert worden sind.«

Oliver Konz, Geschäftsführer der Würth Elektronik eiSos, verweist darauf, »dass es in diesem Jahr kein Sommerloch gegeben hat, wie in den Vorjahren«. Er ist zudem davon überzeugt, das die diesjährige electronica noch einmal einen zusätzlichen Schub geben wird und die Aufschwungphase damit noch einmal weiter verlängert wird. Von unglaublich starken Auftragseingängen während der Sommermonate berichtet auch Ferdinand Leicher, Vice President Sales Europe bei Bourns.

Vor diesem Hintergrund wird nach Einschätzung von Reinhard Meyer, Geschäftsführer der RM-Components auch in den nächsten Monaten, »die Lieferbarkeit oft über die Auftragsverteilung bei Passiven Bauelementen entscheiden.« Aufgrund des außergewöhnlich starken Jahres 2010 geht er zwar davon aus, dass die Umsätze 2011 rückläufig sein werden, »aber immer noch deutlich höher als 2009 bleiben werden.«

Reinhard Sperlich, Geschäftsführer der Murata Elektronik, verweist auf die internationale Entwicklung: »Zwar hat sich die Engpasssituation von Anfang des Jahres etwas entspannt, bei Automotive ist die Lage aber immer noch bei einigen HighCaps kritisch. Automotiv und Industrie laufen zudem weiter auf vollen Touren, während sich bei Flatpanal-TVs inzwischen eine deutliche Abschwächung eingestellt hat.«

Michael A. Knappmann schließlich, Regional Director Central Europe bei Avnet-Abacus, spannt den Bogen bezüglich der Frage nach der weiteren Entwicklung des Marktes für Passive Bauelemente weltweit. So gibt es für ihn in den USA Anzeichen, wonach die amerikanische Wirtschaft einen L-förmigen Verlauf nimmt. Auf einen starken Rückgang folgt demnach Stagnation. In Asien reguistriert er Anzeichen, wonach die ostasiatische EMS-Industrie einen geringeren Bauelemente-Bedarf signalisiert, »es wird von geringfügig negativer Book-to-Bill Ratio berichtet.« Dies könnte zu einer gewissen Entspannung bei der Bauteilverfügbarkeit führen. »Eine Erhöhung des Lagerbestands bei den Kunden können wir aber generell nicht sehen«, versichert Knappmann.

Beim Thema Lieferzeiten, dem Topic der Branche, in den letzten Monaten, zeigen sich Hersteller und Distributoren vorsichtig optimistisch. »Wir haben in allen Produktbereichen die Ausbringung deutlich erhöht und werden bei verschiedenen Produktlinien, in denen sich derzeit lange Lieferzeiten ergeben, durch den Aufbau zusätzlicher Fertigungslinien für eine weitere Verbesserung sorgen«, erläutert etwa Thiele. Nach Einschätzung von Lüthje, Leicher und Dr. Albertsen, liegt die Nachfrage des Marktes, trotz Investitionen auf der Herstellerseite, für viele Produktlinien immer noch oberhalb der verfügbaren Produktionskapazitäten.

Frank merkt an, dass die aktuelle Nachfrage immer noch um etwa 15 Prozent über den verfügbaren Fertigungskapazitäten liege. In der Konsequenz bedeutet das bei AIC Europe: »Für reguläre Kunden ist die Liefersituation gut, Neukunden erden später oder gar nicht beliefert.« Auch bei Bourns liegt die Nachfrage weiterhin deutlich über den verfügbaren Fertigungskapazitäten, wie Leicher bestätigt, »und das obwohl wir die Fertigungskapazitäten seit März dieses Jahres über das Niveau des Jahres 2008 hinaus ausgebaut haben.«