Kommentar Der reife Markt frisst seine Pioniere

Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik
Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik

Wenn die Übernahme von Actel durch Microsemi wie geplant über die Bühne geht, hat einer der wenigen noch verbliebenen Hersteller von programmierbarer Logik seine Selbständigkeit verloren. Das zeigt: Der Markt für programmierbare Logik ist reif geworden. Und wie es in reifen Märkten häufig üblich ist, dominieren wenige Firmen das Geschäft.

Die beiden Platzhirsche Altera und Xilinx – um hier nicht ins Fettnäpfchen zu treten, nenne ich sie in alphabetischer Reihenfolge – waren zwar nicht von Anfang an dabei, aber sie wurden wie einige andere Wettbewerber auch Anfang der 80er- Jahre gegründet. Den Anfang machte ein heute weithin vergessenes Unternehmen namens MMI, Monolithic Memories Inc., eigentlich ein Hersteller von nichtflüchtigen Speichern und Erfinder der erfolgreichen PAL-Architektur, den später AMD schluckte. Zu Beginn der 80er-Jahre war noch nicht abzusehen, wer das Rennen machen würde. Es tummelte sich schon bald eine Vielzahl von Start-ups, die mit unterschiedlichen Architekturen und Technologien experimentierten.

Anfang der 90er-Jahre starteten die Unternehmen so richtig durch. Die Bausteine wurden komplexer, ein 22V10 war nichts Besonderes mehr, ein neuer Ausleseprozess setzte ein.

Neue Architekturen eroberten die Märkte – CPLDs und FPGAs –, und die Komplexitäten wuchsen ähnlich schnell wie bei den Speichern. Höhere Komplexitäten bedeutete aber auch: Die Hardware-Hersteller mussten ihren Kunden Tools für den Entwurf der FPGAs zur Verfügung stellen, ein hoher Aufwand, den die Kunden zu bezahlen wenig geneigt waren.

Nicht zuletzt deshalb hätten Anfang der 90er-Jahre viele darauf gewettet, dass schon bald große Unternehmen den Markt dominieren würden, einfach weil sie die Ressourcen dazu – theoretisch – hatten. So illustre Namen wie AT&T (später Lucent), Intel, National Semiconductor, Texas Instruments und Toshiba gehörten zu den Broadlinern, die mit programmierbarer Logik Geld verdienen wollten.

Doch es zeigte sich, dass programmierbare Logik und große Unternehmen einfach nicht zusammen passten, sie scheiterten alle.

Auch die Schlachten der 90er-Jahre waren 2000 weitgehend geschlagen: CPLDs oder FPGAs? Die Architekturen wuchsen zusammen. Einmal programmierbare oder reprogrammierbare Bausteine? Der Markt entschied eindeutig zugunsten der reprogrammierbaren Typen. Die nur einmal programmierbaren, auf Antifuse-Technik basierenden FPGAs konnten sich nicht auf breiter Front durchsetzen. Deshalb hat Quicklogic schon vor Jahren die Strategie komplett geändert.

Und Actel, der Pionier der Antifuse-Technik? Zwar ist Actel mit diesen Typen für den Aerospace-Markt bis heute sehr erfolgreich, aber eben nur in einer Nische. CEO John East versuchte noch, das Ruder in Richtung Reprogrammierbarkeit herumzureißen, aber den Großen Marktanteile wegzuschnappen, ist sehr schwer.

Der Ausweg für Actel bestand darin, kleinere Märkte anzuvisieren, die die Großen eher links liegen ließen. Bausteine mit niedriger Leistungsaufnahme und die Integration analoger Funktionen waren Felder, in denen Actel nicht ohne Erfolg unterwegs war.

So gesehen kann Actel die Übernahme durch Microsemi durchaus zugute kommen. Offen bleibt jedoch, ob die beiden Unternehmenskulturen zusammen passen oder ob das Experiment ähnlich ausgeht wie das der großen Broadliner mit den FPGAs.

Ihr Heinz Arnold