Kommentar Der Preis des Komforts

Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik
Heinz Arnold, Chefredakteur Energie&Technik

400 TWh – das ist die Energie, die am Internet angeschlossene Geräte laut einer Studie der International Energy Agency (IEA) nicht nur aufgenommen, sondern verschwendet haben. Die Energieaufnahme dieser Geräte insgesamt habe bei 616 TWh gelegen.

Doch wie würde die Rechnung ausfallen, wenn die Analysten Recht behalten, die dem Internet of Things (IoT) ein rasantes Wachstum prognostizieren mit Milliarden von Geräten, die untereinander verbunden sind und ständig miteinander kommunizieren? Auch darauf hat die IEA eine Antwort: Wenn keine neuen Techniken für die Reduzierung der Energieaufnahme eingeführt würden, so könnte die verschwendete Energie durch all die neu verbundenen Geräte des IoT bis 2025 auf nicht weniger als 739 TWh steigen.

Das klingt beängstigend –und verwunderlich, denn verspricht das IoT nicht genau das Gegenteil? Sollen Thermostate, Lichtsteuerungen, Jalousiesteuerungen und nicht zuletzt intelligente Stromzähler zusammen mit vielen Sensoren nicht gerade Energie im Heim sparen? Ob Smart Home, Smart Buildings, Smart Cities oder Smart Production – überall verspricht die »neue Intelligenz« geringeren Ressourcenverbrauch und geringere Energieaufnahme.

Doch das ist nicht so einfach umzusetzen, wie es klingt. Es ist noch gar nicht so lange her, dass die ICs für die Elektronik in intelligenten Zählern ein Energieaufnahmeniveau erreicht haben, das den Einsatz der Zähler überhaupt erst rechtfertigt. Sie sollen ja selber nicht mehr Energie aufnehmen, als sie schlussendlich einsparen.

Wenn uns also künftig Milliarden von vernetzten Geräten umgeben, dann kommt es darauf an, die Energieaufnahme der Geräte drastisch zu reduzieren. Auf der Ebene der ICs ist hier schon viel geschehen. Außerdem arbeiten die Hersteller an ausgeklügelten Power-Management-Systemen, die eng mit den Sensoren zusammenarbeiten und beispielsweise in Sensorknoten die Batterielebensdauer verlängern oder den Einsatz von Energy Harvesting ermöglichen. Ausgefeilte Software sorgt dafür, dass nur die Funktionen im System arbeiten, die gerade tatsächlich gebraucht werden, die anderen schlummern, bis sie ein Weckruf erreicht.

Wer die Übernahmen im Halbleiterbereich über die letzten Jahre anschaut, der sieht, dass viele Unternehmen darauf hinarbeiten, die Funktionskette – angefangen mit den Sensoren über die analoge Signalkette und das Power-Management bis hin zu den Kommunikationseinheiten und dem Software-Know-how – im eigenen Hause abdecken zu können. Damit können sie die Subsysteme so auf ihre jeweiligen Anforderungen zuschneiden, dass sich die Energieaufnahme gegenüber heutigen Systemen deutlich senken lässt. Allein im Power-Management sind schon erstaunliche Fortschritte erzielt worden, und die Entwicklung geht weiter stürmisch voran. Es besteht also aller Grund zu Optimismus, dass IoT auch ohne riesige Energieverschwendung funktioniert.

Doch über eines sollte man sich klar sein: Die smarten Techniken auf Basis von IoT versprechen ja nicht nur Energiereduzierung und ressourcenschonende Produktion. Sie versprechen auch höheren Komfort und mehr Bequemlichkeit. Und dafür müssen die Konsumenten und die Gesellschaft insgesamt am Ende eben doch einen Preis bezahlen.

Ihr Heinz Arnold