IHS Markit Der Halbleitermarkt erholt sich

Nach einem Jahr der Stagnation erwarten die Spezialisten von IHS Markit, dass der Halbleiter-Umsatz in diesem Jahr wieder wachsen wird. Insgesamt soll der Umsatz um 7,4 Prozent gegenüber 2016 zunehmen. Besonders die im Jahr 2016 gebeutelten Speicherhersteller schneiden wieder deutlich besser ab.

Laut Myson Robles-Bruce, Principal Analyst von IHS Markit, wird das für 2017 erwartete 7,4-prozentige Wachstum u.a. durch Preissteigerungen bei den DRAM- und NAND-Speichern getrieben, obwohl die Stückzahlen für Speicher nicht sehr stark wachsen sollen. Robles-Bruce: »Der Umsatz im Speichermarkt wird trotzdem um einiges höher als im letzten Jahr ausfallen, weil eine Unterversorgung herrscht und Samsung in beiden wichtigen Speichersegmenten seine Preise deutlich erhöhen wird.« Werden die Speicher herausgerechnet, dann soll der weltweite Halbleitermarkt 2017 nur noch um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr wachsen.

Neben den Speichern sollen aber auch andere Produktsegmente zulegen. Dazu zählt Robles-Bruce beispielsweise applikationsspezifische Logik und DSPs. Das Wachstum führt er auf eine gestiegene Nachfrage nach Smartphones im mittleren Leistungssegment zusammen mit der Erholung einiger Anbieter im höheren Leistungssegment zurück. Darüber hinaus soll auch der LED-Umsatz weiter wachsen, weil diese Komponenten immer breitflächiger im Beleuchtungssegment zum Einsatz kommen. Mikrocontroller dürften ebenfalls im Vergleich zum letzten Jahr merklich zulegen. Als Wachstumstreiber für diese Produkte verweist Robles-Bruce auf die Fabrikautomatisierung, die Medizintechnik und Haushaltsgeräte und bis zu einem gewissen Maße auch auf ADAS-Anwendungen im Automotive-Markt.

Robles-Bruce erwartet, dass der Automotive- und Industriemarkt in China um 12 bzw. 8 Prozent zulegen wird. Trotz einer Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstums in Hinblick auf Exporte und Consumer-Nachfrage in China erwartet er, dass das reale Bruttoinlandsprodukt um mehr als 6 Prozent bis 2018 wachsen wird. Robles-Bruce: »Dieses Wachstum wird von staatlichen Investitionen und dem Fertigungssektor getragen. Langfristig betrachtet, stellt die Fabrikautomatisierung einen Wachstumstreiber für China dar.«

Ein wichtiger Markt, der in diesem Jahr schrumpfen soll, ist der Equipment-Markt für die drahtlose Kommunikation, wobei diese Negativentwicklung nicht nur China betrifft, sondern auch die EMEA-Region und Japan. Diese Entwicklung führt Robles-Bruce auf den fehlenden LTE-Rollout und auf steigende Software-Investitionen in Erwartung des kommenden 5G-Standards zurück. Daneben dürfte auch das gesamte Media-Tablet-Segment schrumpfen.

Im Computermarkt soll der Server-Bereich am stärksten zulegen. Robles-Bruce geht davon aus, dass der Umsatzzuwachs über dem Stückzahlenwachstum liegen wird. Diese Dynamik soll durch die Stärkung der Unternehmensmärkte noch fortgesetzt werden. Tablet-PCs mit Displaygrößen von 9 Zoll und mehr sollen ebenfalls zulegen, und zwar nicht nur kurz- sondern langfristig. Zu diesem Wachstum tragen u.a. eine Suite von Touch-basierten Applikation in der Windows-Umgebung, die steigende Adaptierung von Windows 10 und die geringere Preisdifferenz zwischen Klappeinheiten und 2-in-1-Alternativen bei. Darüber hinaus soll die Nachfrage nach SSDs weiterhin stark bleiben, und zwar im Client- und in den Unternehmensmärkten – einfach weil die Nutzung von SSD zunimmt und die alteingesessenen HDD-Speicher in vielen Märkten ersetzt werden.

Schlecht schaut es dagegen für mobile PCs aus. Dieses Produktsegment soll am stärksten schrumpfen. Robles-Bruce führt das zum einen auf die Preisverfälle und zum anderen auf die zunehmende Konkurrenz durch Tablet-PCs zurück. Hinzu kommt, dass manche Hersteller immer noch ihre Lagerbestände reduzieren müssen. Allerdings dürfte auch der Markt für Desktop-PCs schrumpfen, »und das trotz Windows 10 und der bestehenden Nachfrage aus dem kommerziellen Bereich«, so Robles-Bruce weiter. Seiner Meinung nach wird dieses Segment überhaupt nicht mehr wachsen, weil immer mehr Menschen auf mobile Drahtlosplattformen wechseln.