Microchip Technology Das Integrations-Genie

Steve Sanghi, Microchip Technology:
»Die Synergien durch die Übernahmen sind enorm hoch. Beispielsweise durch SMSC haben wir Zugriff auf USB- und Ethernet-Technologien bekommen, die wir jetzt auch in unseren MCUs nutzen. Ähnliches gilt für Supertex und Micrel und deren Analogtechniken. Man darf keine Möglichkeit ungenutzt lassen.«
Steve Sanghi, Microchip Technology: »Die Synergien durch die Übernahmen sind enorm hoch. Beispielsweise durch SMSC haben wir Zugriff auf USB- und Ethernet-Technologien bekommen, die wir jetzt auch in unseren MCUs nutzen. Ähnliches gilt für Supertex und Micrel und deren Analogtechniken. Man darf keine Möglichkeit ungenutzt lassen.«

In seinen knapp 30 Jahren hat Microchip über 20 Firmen gekauft, viele kleine, aber auch größere. Markt&Technik sprach mit Steve Sanghi, President und CEO von Microchip, darüber, wie es Microchip schafft, so viele Firmen zu integrieren und trotzdem 105 Quartale in Folge Gewinne zu erwirtschaften.

Markt&Technik: Microchip gilt als Synonym für erfolgreiche Integration übernommener Firmen. Was ist das Erfolgsrezept?

Steve Sanghi: Der erste Schritt für eine erfolgreiche Integration ist eine sorgfältige Prüfung des Unternehmens, das übernommen werden soll. Wir sind während dieses Prozesses schon oft zu der Überzeugung gekommen, dass eine Firma nicht erfolgreich integriert werden kann, sei es aus Business- oder finanziellen Gründen oder kulturellen Unterschieden, und dann haben wir von der Übernahme Abstand genommen. Halten wir es dagegen für möglich, ein Unternehmen erfolgreich zu integrieren, stellen wir im nächsten Schritt einen detaillierten Plan auf, wie das Unternehmen integriert werden soll, und führen diesen Plan dann auch aus.

Microchip hat diverse Analog/Mixed-Signal-Hersteller, viele kleinere Unternehmen im Connectivity-Bereich und mit Atmel den ersten Mikrocontroller-Hersteller übernommen. Microchip ist aber selbst schon ein sehr erfolgreicher Mikrocontroller-Hersteller, warum also die Übernahme?

Es war klar, dass Atmel bei ihrer Performance nicht überleben würde. Als sich das Management entschieden hat, Atmel zu verkaufen, haben wir uns zunächst genau angesehen, ob Atmel integriert werden kann, und überlegt, ob wir Atmel für einen vernünftigen Preis bekommen können. Mit unserem ersten Angebot lagen wir unter dem von Dialog, das aber auf Dialog-Aktien basierte. Atmel hat damals bei uns angefragt, ob wir unser Angebot erhöhen, aber das habe ich abgelehnt. Dann wurde also zunächst an Dialog verkauft, doch der Deal wurde von den Investoren nicht gutgeheißen, so dass der Aktienkurs von Dialog stark sank. Damals hatten die Investoren bemängelt, dass Dialog keine Ahnung vom MCU-Geschäft habe und auch keine Erfahrung mit Übernahmen und es dem Unternehmen somit nicht gelingen würde, Atmel erfolgreich zu integrieren. Dadurch halbierte sich der Aktienkurs von Dialog. Und damit war unser Angebot höher. Also sagte ich Atmel, dass ich immer noch bereit für die Übernahme sei, und wir haben den Zuschlag bekommen. Allerdings bestand ich auf einer erneuten sorgfältigen Prüfung, um zu sehen, ob sich die Situation bei Atmel verändert hat. Und dabei hat sich herausgestellt, dass das Unternehmen in einem noch schlechteren Zustand war als bei der ersten Prüfung. Also haben wir unser Angebot reduziert, lagen aber trotzdem noch über dem Dialog-Angebot, so dass wir schlussendlich den Zuschlag bekommen haben.

Dass wir vorher noch kein MCU-Unternehmen gekauft haben, liegt daran, dass MCUs auf einer Architektur aufbauen. Wenn man ein kleines MCU-Unternehmen mit 10 bis 20 Mio. Dollar Umsatz kaufen würde, das eine eigene Architektur nutzt, wäre das sinnlos, weil man die Entwicklungs-Tools, die technischen Experten, die Architekturexperten benötigt. Aber Atmels MCU-Geschäft ist groß, und da macht eine andere Architektur nichts aus.

Atmel hatte ursprünglich drei Architekturen: 8-Bit-AVR, die erfolglose 32-Bit-AVR-Architektur und ARM. An welchem Geschäft waren Sie am meisten interessiert?

AVR 32 war kein Thema für uns, 8-Bit-AVR und ARM aber schon, allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Das 8-Bit-Geschäft von Atmel war vor fünf Jahren fast so groß wie unseres, fünf Jahre später, als wir Atmel übernommen haben, war es nur noch halb so groß wie unseres.

Atmel hatte in diesen Bereich auch kein Geld mehr investiert . . .

Ja, sie haben keine neuen Produkte mehr entwickelt, sondern versucht, ihre Kunden vom Wechsel auf ARM zu überzeugen. Die Kunden waren sich dementsprechend nicht sicher, ob Atmel weitermacht, wodurch das Geschäft ins Straucheln kam. Als wir Atmel übernommen haben, haben wir neue 8-Bit-MCUs auf den Markt gebracht, die auf AVR als Core basieren, zusätzlich aber mit Microchip-Peripherie-Technologien ausgestattet sind, wie beispielsweise unsere CiPs. Und jetzt wächst das AVR-Geschäft auch wieder, denn jetzt sind sich die Kunden sicher, dass sie auch in Zukunft auf diese Architektur setzen können.

Auf der 32-Bit-Seite sieht die Situation so aus: Microchip setzt auf MIPS von Imagination und Atmel auf ARM. Im Markt gibt es drei Arten von Kunden: Die einen interessieren sich nicht für den Prozessorkern, sondern nur für die Performance. Die anderen, ein kleiner Teil, wollen auf keinen Fall ARM, und der dritte Teil sind Kunden, die unbedingt ARM wollen. Jetzt haben wir für alle die passenden Komponenten.

Aber ist es aus Kostensicht wirklich sinnvoll, in zwei verschiedene Architekturen – MIPS und ARM – zu investieren?

ARM und Imagination entwickeln die Architekturen. Wir entwickeln die Analog-Library mit den Blöcken, die wir auf unseren MCUs integrieren. Diese Library wird jetzt für beide Architekturen genutzt. Durch die zwei Architekturen haben wir also eine höhere Flexibilität ohne zusätzliche Aufwände. Wir sind Core-agnostisch. Den Mehrwert, den Microchip liefert, ist nicht der Core, sondern die Peripherie. Wir haben die Teams aus beiden Unternehmen zusammengeführt. In vielen Bereichen war unser Team besser, in manchen Bereich aber das von Atmel. Und jetzt haben wir das Beste aus beiden Teams zur Verfügung, und das für beide Architekturen.

Ist geplant, die Microchip-Entwicklungs-Umgebung für beide Architekturen zu nutzen?

Langfristig betrachtet, werden wir es ermöglichen, dass die Atmel-MCUs auch auf unseren Entwicklungs-Tools laufen.