Künstliche Intelligenz China investiert massiv in KI-Chips

Auf dem Gebiet der KI ist noch vieles offen – hier möchte China von Anfang an ganz vorne dabei sein, vor allem auch auf Eben der Chips.
Auf dem Gebiet der KI ist noch vieles offen – hier möchte China von Anfang an ganz vorne dabei sein, vor allem auch auf Eben der Chips.

Auf dem neuen Sektor der KI-Chips möchte China von Anfang an ganz vorne mitmischen. Mit viel Geld soll das gelingen.

China hat schon über die vergangenen Jahre kräftig in den Ausbau einer eigenen Chipindustrie investiert und dazu den »Big Fund« ins Leben gerufen. Jetzt sollen noch einmal 47 Mrd. Dollar über einen neuen Fund, dem National Integrqted Circuitry Industry Investment Fund, hinzukommen.  Der Lieferbann, den die US-Behörden über ZTE verhängt haben, dürfte China erst Recht zur Überzeugung gebracht haben, damit auf dem rechten Weg zu sein, zumal Unterstützung nun auch von außen kommt.

Kein geringerer als Masayoshi Son, der Chef der japanischen von Softbank, ist ebenfalls überzeugt, dass es darauf ankomme, sich im High-Tech-Bereich von bestimmten Ländern möglichst unabhängig zu machen. Er ist gerade dabei, mit viel Geld – die Rede ist von 100 Mrd. Dollar – ein Netz von Start-up-Firmen aufzubauen. Hier sollen sie einen Rahmen finden, innerhalb dessen sie sinnvoll miteinander zusammen arbeiten zu können, anstatt allzuviel Geld im Wettbewerb gegeneinander zu verpulvern.

Auf dieser Ebene fließt natürlich Geld in große Start-ups, bei denen es sich gerne um sogenannte Unicorns handelt, die also mehr als 1 Mrd. Dollar wert sind, noch bevor sie an die Börse kommen.

Zum Netz von Firmen, die zu Softbank gehören, zählen aber auch große etablierte Firmen, die auf bestimmten Gebieten Ankerpunkte bilden. Das bekannteste Beispiel ist der englische Chip-IP-Hersteller ARM, ohne deren IP die ICs von Firmen rund um die Welt – ob es sich nun um die amerikanischen Firmen Apple, Broadcom, Qualcomm, Marvell und viel andere handelt, ob um europäische wie STMicroelectronics oder NXP, ob um die japanische Renesas, die koreanische Samsung oder ZTE, Huawei und Alibaba aus China – alle benötigen IP von ARM. Softbank hatte das Unternehmen vor zwei Jahren für 32 Mrd. Dollar gekauft. Nun hat Softbank die chinesische Tochter ARM Mini in ein chinesisches Joint-Venture (mit 51 Prozent Beteiligung chinesischer Firmen) überführt, um den ARM-IP chinesischen Firmen weiterhin zugänglich machen zu können.

Da trifft es sich gut, dass Prozessor-Know-how für den Aufbau von KI-Chips erforderlich sind. Auf diesem Gebiet sind große amerikanische Firmen – Intel, Nvidia, IBM – aktiv, aber auch viele Start-ups in vielen Ländern.

Cambricon, ein chinesisches-KI-Chip-Einhorn

Ein interessantes ist Cambricon, denn es ist ein chinesisches Unternehmen. Zudem handelt es sich um eines der berühmten Einhörner und mit seiner Hilfe will China auf dem Gebiet der KI-Chips einen kräftigen Sprung nach vorne machen. Einer der Hauptfinanziers ist Alibaba, mit dessen Chef Jack Ma sich Masayoshi Son offenbar gut versteht.

Cambricon will KI-IP für komplexe Chips entwickeln, die in Servern zum Einsatz kommen, aber später auch eigene kleinere Chips, die in Edge-Geräten arbeiten. Lenovo hatte erst kürzlich eine Server-Familie vorgestellt, die auf dem MLU100 von Cambricon basiert. Auch Dawning Information Technology (Sugon) und iFlytek nutzen in ihren Produkten IP von Cambricon. Doch es gibt weitere chinesische Chipfirmen, die sich auf dem KI-Gebiet tummeln, beispielsweise Rockchip. China sieht die Chance, auf dem relativ jungen Feld der KI auf der Ebene der Chips mit der restlichen Welt zumindest gleichziehen zu können, wenn nicht durch massive Investitionen hier von Anfang an die Nase vorne zu haben.

Cambricon ist nicht das einzige Unternehmen im Halbleiterbereich, in das Alibaba investiert. Im April hatte Alibaba die in Hangzhou ansässige C-Sky Microsystems gekauft, einen Hersteller von Embeded-ICs. Insgesamt will Alibaba im Rahmen des Programms »DAMO Academy« 15 Mrd. Dollar in den Aufbau eines weltumspannenden Technologienetzes stecken.

Laut dem chinesischen Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MITT) ist der Wert dieser Branche in China im ersten Quartal 2018 gegenüber dem Vergleichsquartal 2017 um 12,5 Prozent gestiegen. Der Industriedurchschnitt liegt bei 6,7 Prozent. Ob das schon ein Zeichen dafür ist, dass China auf diesem Gebiet aufholt?

Zwar gibt es derzeit sehr viele chinesische Firmen, die sich mit KI und dem Design von KI-Chips befassen. Dich die ICs müssen gefertigt werden. Es wird sich zeigen müssen, wie schnell China Fabs aufbauen kann, die komplexe ICs – ob Speicher, Prozessoren oder KI-Chips – in hohen Stückzahlen zu vertretbaren Kosten produzieren.