103 Mrd. Dollar sind nicht genug Broadcom in Kampfstimmung

Broadcom wagt sich an die größte Übernahme der Halbleitergeschichte - und will sie auch gegen den Widerstand von Qualcomm durchsetzen.
Broadcom wagt sich an die größte Übernahme der Halbleitergeschichte - und will sie auch gegen den Widerstand von Qualcomm durchsetzen.

Qualcomm lehnt das Übernahmeangebot von 103 Mrd. als unzureichend ab. Broadcom will kämpfen.

Hock Tan, CEO von Broadcom,  ist Kämpfe gewohnt, auch wenn es diesmal um mehr als jemals zuvor geht: Mit 103 Mrd. Dollar – bei 70 Dollar pro Aktie, es könnten aber auch 80 werden – stellt die geplante Übernahme alles bisher im Tech-Sektor dagewesene in den Schatten. Selbst die bisher als Rekordübernahme von EMC durch Dell für 67 Mrd. Dollar erscheint dagegen als klein.

Aus der Fusion ginge der drittgrößte Chiphersteller – nach Intel und Samsung – hervor. Einer, der fast alles unter einem Dach vereinte, was die neue IoT-Welt an Chips benötigt. Vor allem für die drahtlose Kommunikation in Handys, aber auch für die drahtlose Kommunikation der Maschinen und Dinge des Internets untereinander. Von Mobilfunk (Qualcomm) bis zu WiFi, Blutooth (Qualcomm hatte im Oktober 2014 CSR für 2,2 Mrd. Dollar gekauft) und Near Field Communication (NFC).

NFC ist das Stichwort, das an eine weitere Übernahme erinnert, die gerade läuft. Qualcomm ist nämlich vollauf damit beschäftigt, NXP zu übernehmen. Anti-Trust Behörden prüfen den Kauf gerade. NXP, die einen Fokus auf Automotive gelegt hat,  ist unter anderem Experte auf dem Gebiet von NFC. Ein kleiner Mosaikstein, der passen würde. NXP – die ihrerseits gerade dabei ist, die Übernahme von Freescale zu verdauen, ist Qualcomm 47 Mrd. Dollar wert. Diese Summe galt bisher als Rekordmarke unter den Halbleiterübernahmen.  Der Rekord davor waren übrigens die 37 Mrd. Dollar, die Avago für Broadcom bezahlt hatte. Das resultierende Unternehmen firmiert allerdings nicht unter Avago, sondern Broadcom.

Brocade und »America first«

Und auch Broadcom ist gerade mit einer vergleichsweise kleinen aber interessanten Übernahme beschäftigt: für 5,9 Mrd. Dollar möchte Braodcom Brocade erwerben (was zeigt, dass Broadcom auch eine wichtige Rolle in der Kommunikation über LWL- und Kupferkabel  spielen will).  Das ist aber für ein Unternehmen, dass in Singapur ansässig ist, nicht so einfach, weil das Committee on Foreign Investment in the United States (CIFUS) ein Wort mitspricht – was es auch schon unter der Vorgängerregierung getan hat.  President Trump betreibt nun aber eine dedizierte America-First-Politik und war so hocherfreut, dass Broadcom ernsthaft erwägt, den Firmensitz wieder in die USA zu verlegen.  Hock Tan lobte denn auch das neue Umfeld in den USA, dass es globalen Firmen erlaube, wieder wettbewerbsfähig von den USA aus Geschäfte machen zu können, unabhängig ob und wie die die von der Trump-Regierung geplante Steuerreform in den USA gelinge. Immerhin würde der Firmensitz in den USA den Umgang mit dem CIFUS vereinfachen.

Qualcomm kämpft mit Apple

Doch zurück zu Qualcomm: Weil sich das Unternehmen in einem Kampf  um Patentrechte mit Apple befindet, konnte das Unternehmen vom allgemeinen Aufschwung in der Halbleiterindustrie und den damit verbundenen steigenden Aktienkursen nicht profitieren.  So ist das Verhältnis zwischen beiden Firmen angespannt, Apple könnte die Chips von Qualcomm aus ihren Smartphones verbannen. Ergebnis: Der Kurs dümpelt vor sich hin und liegt weit unter dem langjährigen Durchschnittwert. Die Aktien von Broadcom dagegen haben kräftig zugelegt.