Toshibas Finanzen Bilanz fertig, Verlust hoch, TCM-Verkauf unsicher

Toshiba muss dringend TCM verkaufen, was sich aber schwierig gestaltet. Zumindest der Verbleib an der Börse von Tokio ist vorerst gesichert.

Toshiba bleibt im ersten Segment der Börse von Tokio – vorerst.

Die Auditoren von PwC Arata haben jetzt endlich die Bilanz von Toshiba für 2016 und für das erste Quartal 2017 bestätigt. Danach belief sich der Umsatz im Finanzjahr 2016 auf 44,6 Mrd. Dollar, der Verlust auf 8,8 Mrd. Dollar. Im ersten Quartal hatte Toshiba einen Umsatz von 10,4 Mrd. Dollar erzielt, der Gewinn erreichte 455 Mio. Dollar. Wegen der Insolvenz (Chapter 11) der US-Tochter Westinghouse Electric weist Toshiba ein negatives Eigenkapital in Höhe von 4,6 Mrd. Dollar aus.

Toshiba stand unter hohem Druck, denn wäre die Bilanz nicht rechtzeitig fertig geworden, hätte Toshiba wohl das erste Segment der Börse in Tokio verlassen müssen. Dies droht dem Unternehmen immer noch, falls es nicht gelingt, die Verluste und das negative Eigenkapital auszugleichen. Dazu hat Toshiba noch bis zum 31. März 2018 Zeit.

Deshalb hat es sich bereits von Geschäftsteilen getrennt. Der Verkauf der Medizinsparte an Canon hatte 5,8 Mrd. Dollar gebracht, der Börsengang der  Schweizer Tochter Landis + Gyr wird rund 2,5 Mrd. Dollar in die Kassen spülen. Weil das nicht reicht, versucht Toshiba mit Hochdruck die florierende NAND-Flash-Speicher-Tochter Toshiba Memory Corp. (TMC) zu verkaufen.  

Bisher sah es so aus, als ob Toshiba an ein Konsortium verkaufen wolle, in dem die Innovation Network Corp. of Japan (INCJ) und die Development Bank of Japan (DBJ) die Mehrheit haben,  und zu dem auch Bain Capital und SK Hynix gehören. Dass der Koreanische NAND-Flash-Speicher-Hersteller und Wettbewerber von TMC zu dem Konsortium der Retter gehört, war eher überraschend. Allerdings sollte SK Hynix kein Stimmrecht haben.

Ob sich SK Hynix mit der Rolle des stillen Geldgebers begnügen wird, oder doch nach einer Möglichkeit sucht, über die Geschicke des Wettbewerbers TCM mitbestimmen zu können, war über die letzte Zeit nicht ganz klar.

Allerdings hätte der Verkauf an dieses Konsortium aus der Sicht der japanischen Regierung und Wirtschaft den Charme gehabt, dass TMC in der Mehrheit japanisch geblieben wäre. Dass Sharp, eines der ehemalige Vorzeigeunternehmen aus Display-Bereich, nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten an Foxconn verkauft wurde, steckt Japan offenbar noch in den Knochen. Dass von der einst so starken Display-Industrie nur noch die aus Hitachi, Sony und Toshiba 2012 hervorgegangene Japan Display Inc. (JDI) übrig geblieben ist, wohl ebenfalls. Zumal JDI mal wieder auf der Suche nach Geldgebern ist.