Quarze & Oszillatoren Auftragsflut und lange Lieferzeiten

Der Markt für Quarze und Oszillatoren erholt sich seit Jahresanfang spürbar und beschert vielen Firmen volle Auftragsbücher. Lange Lieferzeiten sind für einige, vor allem kundenspezifische, Produkte an der Tagesordnung. Wir haben dazu Distributoren und Hersteller befragt.

Die Talsohle ist zumindest für den deutschen Markt durchschritten, bestätigen die von Markt & Technik befragten Unternehmen aus dem Bereich »Quarze und Oszillatoren«. Der Markt erholt sich seit Jahresanfang spürbar und beschert vielen Firmen volle Auftragsbücher. Neben der Medizintelektronik und der Luft- und Raumfahrtbranche scheint auch der Automotive-Sektor wieder auf Wachstumskurs. Auffallend ist, dass fast alle befragten Hersteller und Anbieter lange Lieferzeiten - vor allem für kundenspezifische Produkte - einräumen, während die Distributoren die Verfügbarkeit als nicht dramatisch einstufen.

Christian Dunger, Produktmarketing FCP, WDI:

»Besonders mittelständische Kunden fokussierten 2009 nicht nur neue Designs, sondern erwogen auch Re-Designs, um Produktionskosten zu sparen«

Markt&Technik: Wie verlief das Geschäftsjahr 2009 bei WDI?

Christian Dunger: Das Jahr 2009 war für uns  trotz aller Unwegsamkeiten erneut ein erfreuliches Geschäftsjahr. Zwar haben wir nicht die Zuwachsraten erzielt, die wir in den Vorjahren realisieren konnten, jedoch ist ein beständiges, wenn auch verlangsamtes Wachstum möglich gewesen. Im Markt konnten wir  eine insgesamt höhere Bereitschaft erkennen, bestehende Lösungen in Frage zu stellen und neue mögliche Produktalternativen zu prüfen. Besonders mittelständische Kunden fokussierten 2009 nicht nur neue Designs, sondern erwogen auch Re-Designs von bestehenden Produkten, um Produktionskosten zu reduzieren und damit die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu optimieren. Diese Tatsache kam insbesondere den Marktherausforderern zugute, weil Kunden auch außerhalb der ihn bisher bekannten und etablierten Beschaffungskanäle agierten. Vor allem das Interesse an Spezialisten, die im Design-Prozess Hilfestellung leisten können, ist spürbar gestiegen.

Ist die wirtschaftliche Talsohle Ihrer Meinung nach durchschritten? Mit welchen Herausforderungen hat die Branche in diesem Jahr zu kämpfen?

Die Talsohle ist durchschritten. Es bleibt abzuwarten, ob das bisher spürbare Wachstum auch weiterhin durch eine wachsende Nachfrage des Marktes getragen wird, oder ob es sich hauptsächlich um Nachholeffekte handelt. Die Aktivitäten unserer Kunden lassen jedoch auf eine solide und konstante Marktentwicklung schließen. Herausforderung wird insbesondere die sich teilweise verschärfte Liefersituation sein, die durchaus das Wachstum abwürgen kann, wenn Vormaterialien nicht rechtzeitig verfügbar sind und die Nachfrage nur teilweise und unzureichend befriedigt werden kann.

Die Aussagen zur Liefersituation differieren und sind abhängig davon, ob man die Kunden- oder die Herstellerseite befragt. Stufen Sie die Liefersituation als dramatisch ein?

Wir beobachten bei fast allen Produkten und Herstellern einen deutlichen Lieferzeitanstieg und auch teilweise Verknappungen sowie Lieferengpässe – insbesondere bei sehr kleinen Bauformen und bei bestimmten SMD-Keramikgehäusen wie z.B. das 5 x 7 mm 2-Pad Gehäuse. Der Grund hierfür ist nicht nur eine stark gestiegene Nachfrage, neben den  insgesamt nach wie vor sehr niedrigen Lagerniveaus, sondern insbesondere die starke internationale Auslastung von Fertigungskapazitäten, die  ja gerade in den vergangenen zwei Jahren erheblich reduziert worden sind. Ausgelastete Fertigungskapazitäten können insbesondere bei kunden- und anwendungsspezifischen Komponenten zu Versorgungsengpässen führen. Grundsätzlich liegen die Lieferzeiten für die meisten Standardprodukte aber noch im Normbereich von acht Wochen plus/minus zwei Wochen, und dies sind nicht wirklich dramatische Größenordnungen.

Wie reagieren die Kunden auf die Verknappung?

Das Kaufverhalten der Kunden verändert sich derzeit ganz deutlich. Viele Kunden stellen nun fest, dass ihre Erwartungshaltung und der Anspruch, alle Produkte zu Niedrigstpreisen ab Lager zu erhalten, nicht mehr der aktuellen Marktsituation entspricht. Das führt in Teilbereichen nun schon zu dem einen oder anderen Beschaffungsengpass, da der Lagerbestand bei den meisten Kunden inzwischen unüblich ist, weil in den vergangenen Monaten keine besondere Veranlassung zur Verfügbarkeitsplanung bestand.