Kommentar Auf Veränderungen setzen statt auf Dogmen

Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik
Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik

Die Wähler in Baden-Württemberg haben sich offenbar an Nietzsches Zarathustra orientiert: »Was fallen will, das soll man stoßen!« Ganz offenkundig hatte die CDU-Regierung im Ländle mit Unterstützung der Koalitions-Bundesminister eine derartige Neigung zum stolpern und fallen wollen offenbart, dass der Wahlstoß, der sie aus Regierung katapultiert hat, schon fast als ein Akt der Gnade gewertet werden darf. Ob sich das auch auf die Politik der großen Energiekonzerne auswirken wird, deren Manager sich keinen Wahlen stellen müssen?

Einige schwingen ja schon - ein wenig zaghaft noch - den grünen Pinsel, um sich zumindest einen etwas trendigeren Anstrich und ein besseres Image zu verpassen. Das wäre auch bitter nötig, wie nicht zuletzt die Post zeigt, die unsere Redaktion zum Thema Smart Metering erreichte. Unsere Leser - sicherlich nicht aus dem technikfeindlichen Lager - stehen diesen Geräten überwiegend skeptisch gegenüber, gar nicht in erster Linie aus technischen Gründen, sondern weil sie den großen Versorgern nur Schlechtes zutrauen und ihnen keine Hintertür ins eigene Heim öffnen wollen. Das lässt schon tief blicken.

Da haben andere schon längst das Ruder herum gerissen. Jüngstes Beispiel ist Siemens. Das Unternehmen baut sich weiter um und besetzt ganz neue Themen rund um die Energieeffizienz. Zugegeben, da gibt es noch Verflechtungen, die nicht so ganz ins schöne grün-saubere Bild passen, doch ist schon eine gewisse Ernsthaftigkeit hinter den Aktivitäten von Siemens und weiterer Martkbegleiter zu erkennen. Jedenfalls tun sie mehr als hier und da mal unter dem Beifall örtlicher Honoratioren eine Stromzapfsäule für Elektroautos einzuweihen.

Die Hinwendung zur Energieeffizienz dürfte für jemanden, der mit Elektronik tut hat, nicht allzu überraschend kommen. Denn sie steht hier schon lange ganz vorne auf der Tagesordnung, schon weil die Batterien tragbarer Geräte möglichst lange halten sollen und weil die Forderung nach kleinen Bauformen Energieverschwendung, also Verlustwärme, nicht duldet - in Handys genau so wenig wie in Autos oder Werkzeugmaschinen.

Es führen also die Anforderungen aus ganz unterschiedlichen Richtungen - mehr Elektronik in immer kleinere Geräte zu packen, zurückgehende Ressourcen, Verringerung des CO2-Ausstoßes, autarke Energieversorgung - zu einem Ziel hin: Energie sauber zu gewinnen und sie effizient zu nutzen. Die Elektronik spielt dafür die Schlüsselrolle.

Hier sind ständig neue Ideen gefragt, die Elektronik lebt von den Veränderungen - genauso wie die Demokratie. Mit verkrusteten Strukturen und Dogmengläubigkeit ist weder in der Demokratie noch in der Wirtschaft ein Blumentopf zu gewinnen.

Branchen wie die Elektronik, die die Techniken für morgen heute entwickeln, etwas genauer zu verfolgen, dürfte daher kein schlechter Rat sein. Besonders für diejenigen aus Politik und Wirtschaft, die die eigenen Tränen der Rührung über die Erfolge aus der Vergangenheit noch in den Augen, nicht einmal mehr die Gegenwart scharf wahrnehmen können, geschweige denn die zukunftsbestimmenden Trends.

Ihr Heinz Arnold