Maxim Integrated Auf die richtige Balance kommt es an

Tunc Doluca, Maxim:»Das Geschäft mit hochintegrierten Produkten ist seit 2008 um den Faktor 2,5 gewachsen.«
Tunç Doluca, Maxim: »Wir haben den Mut dazu und auch den Weitblick, in anderen Märkten zu wechseln, sobald sich eine Entwicklung zum Massenprodukt abzeichnet.«

Hochintegrierte Mixed-Signal-ICs zu entwickeln, das ist eine der Grundstrategien von Maxim Integrated. »Mit unserem umfangreichen IP-Spektrum sehen wir uns in einer guten Ausgangsposition, um in Zukunft wettbewerbsfähige Produkte entwickeln und an vorderster Front der Integration marschieren zu können«, sagt Tunç Doluca.

Markt&Technik: Wenn Maxim zunehmend digitale Funktionen integriert und digital dominierte ICs anbietet, besteht dann nicht die Gefahr, in Wettbewerb mit großen IC-Herstellern zu geraten, die sich schon lange auf digitale UICs spezialisiert haben und dort umfangreiches Know-how aufgebaut haben? Wie kann sich Maxim auf dem Digitalsektor von diesen Konkurrenten differenzieren?

Tunç Doluca: Die Anforderungen unserer Kunden haben sich gewandelt. Während sie es in der Vergangenheit vorzogen, mit Anbietern analoger Bauelemente zusammenzuarbeiten, sind sie heute auf dem Analogsektor auf der Suche nach Lösungspartnern. Weshalb ist das so? Weil sich die Markteinführungszeit zu einem wesentlichen, äußerst kritischen Faktor entwickelt hat. Es erfordert viel F&E- und Zeitaufwand, die Systeme aus einzelnen Komponenten zusammenzubauen.

Heute sind die Analog-Unternehmen wesentlich besser als früher mit dem Design des End-Equipments vertraut und können dieses Wissen in hochintegrierte Analog- und Mixed-Signal-Chips verwandeln. Die Kunden haben an uns den Wunsch herangetragen, die einzelnen Elemente zusammenzufügen anstatt diese Aufgabe ihnen zu überlassen. In vielen Fällen haben wir bereits begonnen, vielfältige analoge Anwendungen zu integrieren und in einem Gehäuse zu kombinieren.

Können Sie uns ein paar größere Design-Wins verraten, die Sie sich durch die Fähigkeit, hochintegrierte ICs anzubieten, sichern konnten?

Wo fange ich da am besten an? Auf dem Mobility-Markt waren wir zweifellos sehr erfolgreich. Hier gab es in den Sektoren Smartphones und Tablets Design-Wins für Power-Management-Chips, Gestensensoren usw. Hinzu kommen Design-Wins für unsere Stromzähler-SoCs im Smart-Meter-Bereich, für unsere sicheren Mikrocontroller im Bereich der Finanzterminals, für unsere Keyless-Go-Systemchips, schnellen seriellen Interfaces und Satellitenempfänger-Produkte auf dem Automotive-Sektor sowie für unsere kompletten Transceiver-Chips im Bereich der Femto-Basisstationen - um nur einige zu nennen.

Wie kann Maxim mit großen Herstellern konkurrieren, die über mehr IP im Analog- und Digitalbereich verfügen? Welche Größe ist erforderlich, um sich künftige Erfolge in einem sehr wettbewerbsintensiven Markt zu sichern?

Tatsache ist doch, dass Maxim über eines der breitesten Technologie-Portfolios der Branche verfügt und dank der Firmenübernahmen der letzten sechs Jahre sogar noch deutlich hinzugewonnen hat. Unser IP beinhaltet einerseits alle grundlegenden analogen Technologien - Stromversorgung, Datenwandlung, HF, Interfaces, Schalter, Multiplexer, Referenzen, Verstärker, Sensoren, usw. -, und schließt darüber hinaus auch den digitalen Bereich - Mikrocontroller, spezielle Speicher, schnelle Interfaces usw. - ein. Wir sind deshalb eindeutig groß genug, um auf den von uns gewählten Märkten wettbewerbsfähig zu sein.

Maxim zielt zunehmend auf den Consumer-Markt. Geht das nicht zulasten der Gewinnmargen? Wäre es nicht profitabler, sich auf High-End-Märkte mit entsprechend größeren Gewinnspannen zu konzentrieren?

Unsere Strategie sieht ein ausgewogenes Geschäftsmodell vor. Darunter ist die Investition in eine Kombination aus wachstumsstarken Märkten wie Consumer und Mobility und sehr stabilen Märkten mit langlebigen Produkten wie Industrie, Automotive, Medizin und Kommunikation zu verstehen. Der Mobility-Sektor war in den letzten fünf Jahren ganz klar das Aushängeschild im Bereich des Analogmarkts, so dass sich unsere Strategie eindeutig ausgezahlt hat. Bezüglich des Wachstums sind wir unseren Mitstreitern deshalb um ein ganzes Stück voraus.

Und die Profitabilität?

Unsere finanzielle Zielsetzung, profitabel zu wachsen, erfüllen wir bisher klar, weil wir erfolgreiche Produkte entwickeln. Der Consumer-Bereich ist ein großer Markt, und wir suchen uns hier sorgfältig jene Segmente aus, in denen wir einen Zusatznutzen bieten können, den die Kunden auch schätzten. Wir haben den Mut dazu und auch den Weitblick, in anderen Märkten zu wechseln, sobald sich eine Entwicklung zum Massenprodukt abzeichnet. Ein gutes Beispiel ist die vor fünf Jahren vollzogene Verlagerung der F&E-Investitionen vom PC-Markt in den Mobility-Sektor.

Welche Märkte sehen Sie für die Zukunft als die vielversprechendsten an und welche Produkte wird Maxim für diese Märkte entwickeln?

Wir sehen uns für das Wachstum in den Segmenten Mobility, Industrie, Medizin, Automotive und Kommunikation sehr gut aufgestellt. Der Mobility-Sektor ist der größte Analogmarkt und weist heute die bei weitem höchsten Zuwachsraten auf. Jedes Unternehmen mit Wachstumszielen muss diesen Markt im Blick behalten, und wir tun das ganz eindeutig. Mit seinem hohen Tempo und seinen technologischen Fortschritten treibt dieser Markt nicht zuletzt die Innovation an, wovon wir für unsere übrigen Märkte profitieren können.

Auch die Sensoren sind für uns ein wichtiger Markt, auf dem wir uns von den Mitbewerbern abheben können. Mit unseren Stärken bei den leistungsfähigen Mixed-Signal-Bausteinen und im Bereich der extrem geringen Stromaufnahme wollen wir unsere Sensorprodukte über den Smartphone-Sektor hinaus auch in Tablets und Hybridgeräten positionieren.

Im Automotive-Sektor sehen wir unsere Stärken bei unseren Tunern und Power-Management-Produkten für Infotainment-Anwendungen. Langfristig erwarten wir anhaltende Dynamik für unser Automotive-Geschäft, weil wir uns Design-Wins beispielsweise in den Segmenten Infotainment, Batteriemanagement und ADAS (Advanced Driver Assistance Systems) sichern konnten.

Welche Rolle spielt die Kommunikation?

Hier sehen wir unter anderem die Basisstationen als ein vielversprechendes Segment an. Wir verfügen über die nötige Technologie, um hochintegrierte Produkte für eine breite Palette an ICs entwickeln zu können, beispielsweise Power-Management, Opto- und HF-Transceiver. Dies wird Vorteile auf der System-Ebene bringen und den Weg für Netzwerke der nächsten Generation ebnen, die bei reduzierter Stromaufnahme mit verbesserter Abdeckung und Kapazität aufwarten.

Was wird das Wachstum in diesen Bereichen treiben?

Der Anteil der Menschen, die über genügend Einkommen verfügen, um sich die entsprechenden Endprodukte leisten zu können, wächst weltweit rapide an. Den Statistiken zufolge hat sich der Anteil über die letzten 20 Jahre verdoppelt. Diese neuen Konsumenten benötigen mehr Energie, mehr medizinische Versorgung und mehr Waren, die in effizienteren Fabriken hergestellt werden. Wir gehen von wachsenden Investitionen in diesen drei Bereichen aus und entwickeln Lösungen, die unseren Kunden bei der Erzeugung besserer Produkte helfen.

Können Sie Beispiele nennen?

Im Medizintechnik-Segment unseres Geschäftsbereichs Industrie haben wir ein Shirt mit eingebauter Vitalzeichenüberwachung präsentiert, das eine kostengünstigere und komfortablere Überwachung der Herztätigkeit erlaubt. Allein an diesem Beispiel wird deutlich, wie gut wir zusammen mit unseren Medizinpartnern Systemlösungen definieren und realisieren können. Laut Branchenerhebungen wird der Markt für am Körper tragbare Geräte bis 2016 ein Jahresvolumen von über 100 Mio. Stück erreichen. Diese Produkte werden - häufig über Mobilfunk-Verbindungen - eine genaue Aufzeichnung, Überwachung und Versorgung ermöglichen.

Wie wichtig ist Europa und insbesondere Deutschland für Maxim Integrated?

Europa und Deutschland sind für uns sehr wichtig, damit wir das von mir bereits erwähnte ausgewogene Geschäftsmodell verwirklichen können. Wir sehen hier sowohl enormes Know-How als auch weltweit führende Unternehmen aus dem Kommunikations-, Industrie-, Automotive- und Medizinbereich. Zum Beispiel entwickelt die deutsche Automobilindustrie zahlreiche Innovationen. Einerseits lernen wir von diesen Unternehmen, in welche Richtung wir uns bewegen müssen. Andererseits können diese Firmen unsere Produkte nutzen, um sich Alleinstellungsmerkmale zu sichern. Vor sieben Jahren entfiel nur 1 Prozent unseres Umsatzes auf den Automotive-Markt. Wir entschieden uns, uns diesem Markt strategisch zu widmen, und inzwischen ist Deutschland das Land, in dem wir den größten Teil unseres Automotive-Umsatzes erwirtschaften. Bis heute ist unser Automotive-Geschäft nahezu um den Faktor 5 gewachsen. Die Design-Wins kommen sowohl von Tier-1-Zulieferern wie etwa Continental als auch von OEMs, die den Tier-1-Firmen ihre Wünsche vorgeben.

Wie sieht die Produktionsstrategie von Maxim für die Zukunft aus? Wie kann das Verhältnis zwischen ICs aus eigenen Fabriken und ICs aus der Produktion von Foundry-Unternehmen sinnvollerweise aussehen?

Weil die analoge Technologien sehr spezialisiert sind, möchten wir uns hier nicht in die Karten sehen lassen. Deshalb führen wir auch den F&E-Bereich und die Produktionstechnologie in den USA fort. 50 Prozent der Produktion befindet sich in den USA. Wir sehen es als sehr voreihaft an, eigene Fabs zu besitzen. Das hilft uns auch, die Kosten niedrig zu halten. Zudem arbeiten wir aber auch mit Partner-Foundrys und kommerziellen Foundrys zusammen, um unsere Kosten bei neuen Technologien auf niedrigem Niveau zu halten. In der Summe verfügen wir jetzt über interne und externe Kapazitäten, mit denen wir einen Umsätze bis zu 4 Mrd. US-Dollar erreichen können.