IHS Markit: Halbleitermarkt 2018 Auch dieses Jahr wird wieder gewachsen

Entwicklung der weltweiten Stückzahlen für ADAS-Anwendungen

Klar, die gut 20 Prozent vom letzten Jahr werden 2018 nicht erreicht; das war ja auch ein absolutes Ausnahmejahr. Aber 7,4 Prozent Plus halten die Marktanalysten von IHS Markit in diesem Jahr immer noch für möglich.

Also wieder einen Umsatzzuwachs und noch eine Gemeinsamkeit gibt es zwischen 2017 und 2018: Die Speicher beziehungsweise die stark gestiegenen Speicherpreise sollen erneut das Umsatzwachstum treiben. So zumindest die Prognose von Mike Howard, Director, Memory & Storage bei IHS Markit. Er erklärt: »Die starke DRAM-Nachfrage seitens der Hersteller von mobilen PCs und Servern hat den Markt in eine Unterversorgung getrieben.« Howard erwartet, dass der Speichermarkt auch in diesem Jahr sehr gut laufen wird, und das, »obwohl die Preise in diesem Jahr voraussichtlich sinken werden, die Umsätze für Speicher steigen werden. Engpässe sind in diesem Jahr weniger wahrscheinlich, aber es besteht das Risiko, dass DRAMs im Laufe des Jahres vorübergehend knapp werden. Wir erwarten zwar, dass sich die Angebotssituation für die Speicherkäufer 2018 verbessern wird, aber irgendwelche Produktionsausfälle könnten den Markt unterversorgt halten.« Ergo: 2018 soll zu einem Rekordjahr für die Speicher werden, trotz sinkender Preise.

Doch auch der Rest der Halbleiterindustrie kann sich auf Umsatzzuwächse einstellen. Denn wenn die Speicher beim Umsatzwachstum nicht berücksichtigt werden, soll der Umsatz mit Halbleitern in diesem Jahr im Vergleich zu 2017 immer noch um 4,5 Prozent wachsen. Das ist zwar auch nicht mit letztem Jahr zu vergleichen, aber zumindest folgt nach einem exorbitant guten Jahr nicht direkt der Absturz, was in der Halbleiterindustrie ja eigentlich üblich ist.

Welche Produktgruppen besonders gut und welche eher schlecht laufen, erklärt Myson Robles-Bruce, Research Manager, Semiconductor Value Chain bei IHS Markit. Er geht beispielsweise davon aus, dass die Mikrocontroller, vor allem die 32-Bit-Varianten, in diesem Jahr spürbar zulegen werden, und zwar aufgrund des Wachstums in der Fabrikautomation, der medizinischen Elektronik, Weißer Ware und in gewissem Maße auch durch ADAS-Anwendungen (siehe Grafik) im Fahrzeug. Nicht so günstig ist die Prognose für die DSPs; hier geht Robles-Bruce davon aus, dass sich das Wachstum verlangsamen wird. Hierfür macht er einerseits die sinkende Nachfrage nach Mobilgeräten verantwortlich und andererseits die Tatsache, dass die Personal Digital Assistants wie Alexa oder Siri bislang noch keine wesentlichen Einnahmen generieren. Auch bei den Display-Treibern ist Robles-Bruce eher skeptisch. Im besten Fall wird der Umsatz stagnieren oder sogar leicht zurückgehen, denn die HD-LCD-TV-Verkäufe sind rückläufig und die UHD-Bildschirmverkäufe, die eine Umsatzsteigerung ermöglichen würden, können diesen Rückgang bislang noch nicht kompensieren. Aber: »Analog und Logik sollten beide in der Größenordnung von 4 bis 5 Prozent wachsen. ASSPs sollten von neueren Oberklasse-Smartphone-Designs profitieren und daher um ein paar Prozentpunkte höher liegen als General-Purpose-Komponenten«, so Robles-Bruce weiter.

Auf die verschiedenen Regionen bezogen fällt der Ausblick unterschiedlich aus. Horward geht davon aus, dass Amerika in diesem Jahr mit dem asiatisch-pazifischen Raum vom Umsatzwachstum her mithalten kann, denn die amerikanischen OEMs in den Bereichen Datenverarbeitung (Server, Datenzentrum-Equipment), Automotive (ADAS) und Industrie (Medical, Mil/Aero) sollen seiner Meinung nach deutlich zulegen. EMEA und Japan hingegen sollen weniger wachsen, denn »Anwendungsbereiche wie die Mobilfunkinfrastruktur, Set-Top-Boxen und HD-LCD-TVs sind im Jahresvergleich rückläufig«, so Howard. Für die gesamte Elektronikindustrie erwarten die Analysten folgende Zuwächse:

Amerika: +4,6 Prozent

Asia/Pacific: +5 Prozent (mit China, aber ohne Japan)

EMEA: +2,8 Prozent Japan: + 1,0 Prozent

China: +7,6 Prozent.

Gewinner und Verlierer

In den verschiedenen Zielmärkten – Computer, Consumer, Kommunikation, Automotive, Industrie - wird es laut Analyse der IHS-Experten einzelne Bereiche geben, die sich in diesem Jahr besonders gut beziehungsweise besonders schlecht entwickeln werden. Welche, das erklärt Len Jelinek, Senior Director, Semiconductor Manufacturing bei IHS Markit, im Einzelnen.