Interview Atmel setzt auf Touch-Technologie und Mikrocontroller

Steve Laub, Atmel: »Es gibt viele Hersteller, die flexible Displays ankündigen. Die lassen sich mit ITO-basierenden Touch-Sensoren nur schlecht kombinieren. Unseren XSense-Touch-Sensoren steht heute ein Marktvolumen von 6 Mrd. Dollar offen, ein gigantisches Wachstumspotenzial für Atmel.«

Im letzten Jahr legte Atmel nicht gerade berauschende Quartalszahlen vor. Steve Laub, President und CEO von Atmel, zeigte sich im Interview mit Markt&Technik aber überzeugt davon, dass in diesem Jahr wieder ein deutliches Wachstum möglich ist.

Markt&Technik: 2012 war für die gesamte Halbleiterindustrie kein einfaches Jahr, bei Atmel ist der Umsatzrückgang aber deutlich stärker ausgefallen. Warum?

Steve Laub: 2011 war Atmel wahrscheinlich das am schnellsten wachsende Halbleiterunternehmen. Ein Teil des Wachstums wurde von unserem Touch-Geschäft getrieben, das damals enorm stark zugelegt hat. 2012
wuchs dieser Bereich zwar von den Stückzahlen her immer noch gut, aber der Umsatz ist geschrumpft. Das liegt unter anderem daran, dass beispielsweise früher bei den großen Displays noch vier Chips pro Display notwendig waren, mittlerweile dank der weitergehenden Integration nur noch eine kostengünstigere Ein-Chip-Lösung benötigt wird. Hinzu kommt, dass der Durchschnittspreis bei Smartphones gefallen ist, was sich ebenfalls auf den Umsatz auswirkte. Diese Entwicklung stabilisiert sich aber, so dass wir für 2013 wieder ein sehr gutes Wachstum erwarten.

Außerdem dürfte Windows 8 einen Schub für die Touch-Technologie auslösen, und wir sind hier führend. Unsere Chips sind bereits im Microsoft Surface Tablet integriert, und wir haben mehr als 20 zertifizierte Windows-8-Produkte am Markt, mehr als irgendein anderer Hersteller. Unser Touch-Geschäft läuft also weiter hervorragend. Das zeigen auch die Design-Aktivitäten und unserer Akzeptanz im Markt. Derzeit halten wir einen Marktanteil von rund 35 Prozent und sind damit die Nummer 1.

Außerdem kommt in diesem Jahr unsere neue Touch-Sensor-Technologie hinzu, die wir mittlerweile schon an Kunden ausliefern. Das Marktpotenzial für diese Technologie ist unvorstellbar. Sie könnte für Atmel zu dem Produktbereich werden, der am schnellsten wächst.

Atmel hat sich mittlerweile als MCU-Anbieter positioniert und viele andere Bereiche ausgegliedert. Mikrocontroller stellen zwar einen sehr großen Markt dar, aber der Preisdruck ist extrem hoch mit steigender Tendenz. Ist das gesund für ein Unternehmen wie Atmel?

Der Halbleitermarkt zeichnet sich dadurch aus, dass die Produktleistung stetig zunimmt, während der Preis stetig sinkt, das gilt nicht nur für die Mikrocontroller. Und dass die Kosten sinken, werte ich grundsätzlich positiv, denn dadurch eröffnen sich für die Produkte immer neue Applikationen. Das gilt auch für die MCUs, die in Zukunft in noch viel mehr Anwendungen zu finden sein werden und somit enorme Wachstumschancen haben.

Zum Beispiel?

Heute sind in Tablets und Smartphones zig Sensoren wie Beschleunigungssensoren oder Gyroskope integriert. Also haben wir vor kurzem einen Sensor Hub auf den Markt gebracht, der die Daten aus den Sensoren kombiniert und genaue Informationen liefert. Dieses Beispiel zeigt, dass immer mehr Systeme Intelligenz benötigen, und Intelligenz heißt Mikrocontroller.

Auch die Beleuchtung ist großen Änderungen unterworfen: Werden statt einer Glühlampe LEDs genutzt, ist ebenfalls Intelligenz - ein Controller - notwendig. Diese Anwendung gab es früher gar nicht, und wir reden hier von gigantischen Stückzahlen mit niedrigen Preisen. Deshalb ist es wichtig, dass die Kosten sinken, sonst wären solche Applikationen gar nicht möglich.

Und wie gesagt: Die Touch-Technologie wird ebenfalls deutlich wachsen. Vor zwei Jahren wurde sie in Smartphones und Tablets eingesetzt. Heute machen wir mit unseren Touch-Produkten über 30 Mio. Dollar Umsatz, und zwar außerhalb von Smartphones oder Tablets. Die Technologie wandert zunehmend in andere Applikationen wie Haushaltsgeräte, Spiele, Automotive etc. Aber auch das Internet of Things bedeutet neben der Datenübertragung auch immer einen Mikrocontroller.

Damit das Internet of Things Realität wird, müssen die Preise aber wirklich sehr niedrig sein.

Ja, aber Sie dürfen einen niedrigen Preis niemals mit geringen Gewinnmargen gleichsetzen. 8-Bit-Controller sind schon immer recht kostengünstige Produkte, aber sie zeichnen sich dennoch durch gute Margen aus. Im 32-Bit-Bereich wird der Konkurrenzdruck noch zunehmen. Aber das gilt nicht für den 8-Bit-Markt, der ja auch ein großes Volumen aufweist, und hier sind wir einer der größten MCU-Anbieter.

Atmel setzt im 32-Bit-Bereich auf die eigene 32-Bit-AVR-Architektur und auf ARM. Wird das so bleiben?

Die Entwicklung unserer 32-Bit-AVR-Roadmap ist für Atmel wichtig, weil wir die Architektur kundenspezifisch verändern und unseren Kunden so außergewöhnliche Performance-Vorteile verschaffen können. Das ist besonders wertvoll für Ultra-Low-Power-, Touch- und Sensor-Hub-Produkte. Wir werden also weiterhin sowohl 32-Bit-AVR-Controller als auch ARM-basierende MCUs anbieten.