Toshiba Memory Apple schreitet mit 3 Mrd. Dollar ein

Toshiba muss immer noch dringend die Flash-IC-Tochter verkaufen. Kann Apple eine Beteiligung von Western Digital verhindern?

Eine Einigung noch in diesem Monat? Angeblich spielt Apple jetzt die Schlüsselrolle im Kampf um die Übernahme von Toshiba Memory.

So wolle Apple 3 Mrd. Dollar zur Verfügung stellen, um das Bieterkonsortium um Bain Capital die Übernahme von Toshiba Memory zu ermöglichen, berichtet die Japan Times. Zusätzlich würden auch Dell, Seagate Technology, und SK Hynix Geld investieren. Mit dieser Unterstützung sollte es Toshiba im Verein mit Bain dann gelingen, die Übernahme bis Ende des Monats abzuschließen.

Apple ist als einem Großabnehmer von NAND-Flash-ICs offenbar viel daran gelegen, seinen Zulieferer Western Digital daran zu hindern, selber einen signifikanten Anteil an Toshiba Memory zu erwerben.

Genau das hatte Western Digital in Zusammenarbeit mit KKR angestrebt. Das Management von Western Digital hatte gedacht, in dem Spiel gute Karten zu haben, weil über die 2016 erworbene SanDisk mit Toshiba seit vielen Jahren ein Joint-Venture zur Entwicklung und Fertigung von NAND-Flash-Speichern besteht. Über diese Beteiligung käme nun Western Digital ein entscheidendes Mitspracherecht beim Verkauf  von Toshiba Memory zu, so die Argumentation: Das Management von Toshiba könne nicht einfach an den eigenen Wunschkandidaten verkaufen, ohne Western Digital zu fragen. Und weil sich Western Digital selber beteiligen wollte, versuchte es, einen Verkauf an Dritte zu verhindern.

Als das Management von Toshiba dem nicht folgen wollte, leitete Western Digital juristische Schritte ein und verklagte Toshiba, die die sich provoziert fühlte und mit Gegenklagen reagierte. Ende des Liedes: Das Verhältnis zwischen beiden Firmen ist stark gestört. Kaum jemand rechnet noch damit, dass ein Konsortium unter Beteiligung von Western Digital den Zuschlag erhalten könnte.

Apple will keinen dominanten NAND-Flash-Zulieferer

Dies wäre auch Apple nicht recht. Das Unternehmen befürchtet, dass dann eine zu große Marktmacht im NAND-Speicher-Sektor unter einem Dach entstehen würde. Deshalb hat es sich in die fast schon unendliche Geschichte um den Verkauf von Toshiba Memory eingemischt. Angeblich will Apple die Lücke füllen, die die Innovation Network of Japan Inc. (INCJ) und die Development Bank of Japan (DBJ) in dem Konsortium hinterlassen. Diese Lücke sei entstanden, weil die INCJ und die DBJ sich angesichts der Klagen von Western Digital aus dem Konsortium zurückziehen wollten.

Toshiba bedauert nun offiziell, dass Western Digital seine Rechte permanent überdehne und sei entschlossen, den Verkauf  bis Ende März kommenden Jahres über die Bühne zu ziehen. Denn bis zu diesem Termin muss Toshiba das Geld bekommen, um selber noch Aussicht zu haben, an der Börse von Tokio weiter gelistet zu werden. Versäumt Toshiba den Termin, wäre ein Rausschmiss aus der Börse höchstwahrscheinlich und Toshiba droht dann der endgültige Bankrott.  Allerdings hat das Unternehmen schon einige selbstgesetzte Termine im Zuge des beabsichtigten Verkaufs nicht einhalten können.

Offiziell ist alles offen

Offiziell befindet sich Toshiba weiter in Gesprächen »mit drei Bieterkonsortien«. Dazu dürfte neben dem Favoriten um Bain Capital nach wie vor die Konsortien um Western Digital und KKR sowie um Foxconn gehören.  

Foxconn wäre aber der japanischen Regierung und dem MITI alles andere als Recht, weil das Unternehmen aus Taiwan gute Beziehungen zu China unterhält und dort viele Werke betreibt. Japan befürchtet einen Know-how-Verlust, würde Toshiba Memory – genauso wie unlängst Sharp – bei dem Unternehmen aus Taiwan landen. Interessant ist, dass auch hier Apple wieder eine Rolle spielen könnte, weil Foxconn viele der Apple-Geräte fertigt. Ausschließen lässt sich derzeit jedenfalls nichts.