CEO-Roundtable zum Internet of Things Angst vor IoT? Die Chiphersteller sind furchtlos!

CEO-Roundtable zum Internet of Things
CEO-Roundtable »Internet of Things: Possibilities, Challenges and the Question of Security«: Gregg Lowe (Freescale), Carlo Bozotti (STMicroelectronics), Rick Clemmer (NXP Semiconductors), Dr. Reinhard Ploss (Infineon Technologies) und Moderator Kilian Reichert (v.l.n.r.)

Auch wenn keiner so genau weiß, was eigentlich hinter dem Schlagwort Internet of Things steht, über eines sind sie sich einig: IoT biete eine riesige Chance für die Halbleiterhersteller. Die Frage nach der Sicherheit sei zwar dringend, Antworten könnten aber gefunden werden – und die beste lautet: Security-Chips.

»Iot ist da und es passiert jetzt, im Haus, in der Medizintechnik, im Auto«, sagt Gregg Lowe, CEO von Freescale und eröffnete die CEO-Round-Table-Diskussion auf der diesjährigen electronica mit einem optimistischen Ausblick.

Doch was ist denn nun das Internet of Things, dem die Analysten gigantische Wachstumsraten prophezeien? »Ich unterscheide zum einen alles, was sich rund ums Smart Phone verbindet, zum anderen, was sich im Haus, in Gebäuden, in Städten, rund ums Auto und der industrielle Produktion verbindet, in der zunehmend dezentral gesteuert wird«, antwortet Carlo Bozotti, CEO von STMicroelectronics. Der Markt rund ums Smart Phone sei bereits Realität, im Smart Phone selber arbeiten rund 10 Sensoren. Aber die übrigen Märkte befänden sich derzeit noch in der Entwicklung.

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CEO-Roundtable auf der electronica 2014

electronica CEO-Roundtable

Security ist auch das Stichwort für Gregg Lowe, er identifiziert darüber hinaus zwei weitere Schlüsselelemente: Scalability und Energieeffizienz. »Ob im Auto, zu Hause, am Arbeitsplatz oder in der Produktion, wir müssen alles smarter machen«, so definiert Rick Clemmer, CEO von NXP IoT.

All dies sind sicherlich wesentliche Elemente von IoT. Die interessante Frage lautet aber, was unter IoT in Zukunft zu verstehen sein wird. Auch wenn das heute noch keiner so recht zu sagen weiß, so sind die Teilnehmer am CEO-Roundtable doch überzeugt: Als Halbleiterhersteller haben sie die große Chance, ihren Kunden das zu geben, was sie in die Lage versetzt, neue Möglichkeiten auszuprobieren und Applikationen zu entwickeln, an die wir heute noch gar nicht denken. Dass das Auto in absehbarer Zeit autonom fahren wird, damit rechnen alle, aber es gebe eben noch viel mehr Möglichkeiten.

Dr. Reinhard Ploss ergänzt: »Das Internet in IoT wird ganz anders sein als das Internet, das wir bisher kennen.« Die Betonung werde künftig nicht so sehr auf Internet liegen als vielmehr auf den Systemen. Und da werde – auch hier sind sich alle einig – die Security eine wichtige Rolle spielen. Ohne sichere Kommunikation werden die Nutzer, egal ob im privaten Umfeld oder in der Industrie – IoT nicht akzeptieren. »Um den Security-Backbone zu schaffen, müssen die Industrie und die Politik zusammen arbeiten«, fordert Ploss. »Hochsicherheitssysteme sind gefragt – man denke nur an das autonome Auto – und das ist eine riesige Chance für die Halbleiterhersteller. Wer die Produkte rasch an die sich entwickelten Trends anpassen kann, der wird gewinnen.«

Das bestätigt auch Rick Clemmer: »Die Halbleiterhersteller sind in der besonderen Position, die erforderliche Hardware liefern zu können, denn auf Basis von ICs werden die Systeme deutlich sicherer als nur über Software.« Dr. Reinhard Ploss meint, dass die Halbleiterhersteller dazu noch mehr als bisher auf die Software-Ebene vordringen müssen, denn Hardware alleine könne die Vernetzung nicht bewerkstelligen. Für den Nutzer müsse das im Hintergrund ablaufen. Ihm bliebe dann die Entscheidungshoheit darüber, für welche Services er welche Daten herausgeben will und welche er lieber im eigenen Gerät behalten möchte.

Damit wären wir in der Cloud angekommen, gerade rund um die Cloud gibt es ja hierzulade sehr viele Sicherheitsbedenken. Die Halbleiterhersteller sehen das eher gelassen. »Mit der entsprechenden Verschlüsselung können wir die Kommunikation in die Cloud sehr sicher machen«, ist Ploss überzeugt. Und das wäre auch unbedingt nötig, denn: »Wer IoT will, für den führt kein Weg an der Cloud vorbei.« Auch Rick Clemmer sieht Security eher als Chance denn als Risiko: »In Europa sind wir auf den Gebiet der Security führend und wir als Halbeiterhersteller können unseren Kunden die Voraussetzung bieten, um sich auf dem Markt mit ihren Produkten differenzieren zu können.«

Wenn Europa auf diesem Gebiet führend ist und wenn europäische Firmen sehr gute Voraussetzungen mitbringen, erfolgreich im entstehenden IoT-Markt mitspielen zu können – wie sieht es dann mit der Fertigung der Halbleiter in Europa aus? Auch diese Frage sieht Dr. Reinhard Ploss gelassen. Wenn es gelänge, hierzulande die richtigen Produkte zu entwickeln, dann spiele es nur eine untergeordnete Rolle, wo gefertigt werde. Auf den Intellectual Property für die Produkte käme es an, nicht auf den Standort der Fertigung.

Doch ganz abgesehen von der Standortdiskussion –vom Standort München zeigten sich die Teilnehmer der CEO-Roundtable-Diskussion durchgehend begeistert, und zwar als Austragungsort der electronica. »Die electronica ist für uns einer der besten Plätze überhaupt und ich bin mir sicher, wenn wir uns hier in zwei Jahren wieder treffen, werden wir über Dinge diskutieren, an die wir heute noch nicht einmal denken«, sagte Gregg Lowe. Diesem Statement des CEOs eines amerikanischen Halbleiterhersteller wollte keiner widersprechen.