Interview International Rectifier Angriff auf den Super-Junction-MOSFET-Markt

Oleg Khaykin, International Rectifier (im Bild mit Engelbert Hopf, Markt&Technik): »Statt in den Super-Junction-MOSFET-Markt einzusteigen, werden wir noch in diesem Jahr 600-V-GaN-on-Silicon-MOSFETs auf den Markt bringen und damit eine äußerst interessante Alternative zu Super-Junction-MOSFETs anbieten.«
Oleg Khaykin, International Rectifier (im Bild mit Engelbert Hopf, Markt&Technik): »Statt in den Super-Junction-MOSFET-Markt einzusteigen, werden wir noch in diesem Jahr 600-V-GaN-on-Silicon-MOSFETs auf den Markt bringen und damit eine äußerst interessante Alternative zu Super-Junction-MOSFETs anbieten.«

Sieben Jahre nachdem Oleg Khaykin als CEO und President die Verantwortung bei International Rectifier übernahm, hat das Unternehmen seine Marktstellung weiter ausgebaut, sich auf zukunftsträchtige Produktsegmente refokussiert und seine Go-to-Market-Strategien neu ausgerichtet. Es schickt sich an, mit GaN-on-Silicon den Super-Junction-MOSFET-Markt anzugreifen.

Markt&Technik: Auf der PCIM 2014 wurde vereinzelt bereits von GaN-on-Silicon-Lösungen mit 1700 V Sperrspannung gesprochen. Halten Sie das als GaN-Power-Pionier für realistisch?

Oleg Khaykin: 1700 V erscheinen mir aus heutiger Sicht etwas sehr optimistisch. Der erste Schritt werden 600/650-V-Leistungshalbleiter sein. Wir werden noch in der zweiten Jahreshälfte einen 600-V-GaN-on-Silicon-MOSFET auf den Markt bringen. »Engineering-Samples« sind bei Schlüsselkunden schon in der Erprobung. Ich gehe davon aus, dass in drei, vier Jahren auch 1200-V-GaN-on-Silicon-MOSFETs möglich sein werden, wenn es dafür einen Markt gibt.

International Rectifier ist bisher nur mit Niederspannungs-GaN-on-Silicon-Devices am Markt aktiv. Ist der Übergang zu 600 V und mehr da nicht einen großen Schritt?

Wir wollten bei dieser völlig neuen Technologie Schritt für Schritt vorgehen und haben uns darum zu Beginn für einen Einstieg im Bereich niedriger Spannungen entschieden. Mit unserem Schlüsselkunden Samsung haben wir im Bereich der Home-Entertainment-Lösungen den passenden Partner gefunden. 600 V sind nun der logische nächste Schritt. Derzeit beschäftigen sich bereits Entwickler bei mehr als einem Dutzend Kunden mit dem möglichen Einsatz unserer GaN-on-Silicon-Leistungshalbleiter. In Serienstückzahlen verfügbar sein werden die 600-V-Devices dann im dritten, vierten Quartal dieses Jahres.

Als Pionier der GaN-on-Silicon-Power-Technologie haben Sie ein breites IP-Portfolio. Transphorm verfügt inzwischen mit 650 Patenten wohl über ein ähnlich breites IP-Portfolio. Da dürfte es für Wettbewerber allmählich schwierig werden, sich nicht in Patentstreitigkeiten zu verheddern, oder?

Wir werden ganz klar gegen jede Verletzung unserer IP vorgehen. Ich gehe davon aus, dass Transphorm das ähnlich handhaben wird. In dieser IP stecken R&D-Gelder in dreistelliger Millionen-Dollar-Größe. Für »Johnny come latelys«, die jetzt noch auf diesen Zug aufspringen wollen und sich dabei vermeintlich freier Basispatente bedienen, dürfte es schwierig werden. Ich würde zu einer sehr intensiven Patentrecherche raten und eher zur Lizenzierung von IP.

Sie haben die Zeit von September 2011 bis März 2013 als die »große Rezession« bei den Leistungshalbleitern bezeichnet. Hat die Branche dieses Tal der Tränen nun hinter sich gelassen?

Unsere Quartalsumsätze bewegen sich seit Juni 2013 wieder auf einem deutlich höheren Niveau. Ich gehe davon aus, dass sich dieser Trend auch bei unseren Wettbewerbern in ihren Auftragsbüchern und in den Umsätzen widerspiegelt. Wir profitieren von der Erholung der Märkte in den USA und in Europa, die etwa 50 Prozent unseres Umsatzes ausmachen. Zwar entwickelt sich das Wachstum in China etwas langsamer, als von manchen erwartet, aber mir ist mehr organisches Wachstum dort lieber als ein Hype, der von verschiedenen staatlichen Stimuli abhängig ist, deren Dauer wir nicht beeinflussen können. Ein gesundes Wachstum im Bereich Home Appliances oder auch im Bereich Automotive wird aus meiner Sicht für ein Softlanding sorgen. Natürlich hilft es, wenn aus Gründen der Umweltbelastung, wie jetzt geschehen, 5 Millionen ältere Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen werden. Die müssen durch Fahrzeuge mit modernem Motormanagement ersetzt werden. Jüngste Studien gehen davon aus, dass in China in diesem Jahr 35 Millionen Fahrzeuge verkauft werden, frühere Studien waren von nur 20 Millionen Stück ausgegangen.

Brasilien ist Ausrichter der Fußballweltmeisterschaft 2014. Was halten Sie von der These, Brasilien sei das nächste China?

Das hören wir nun schon seit Jahren, aber immer heißt es: nächstes Jahr, nächstes Jahr! In der Vergangenheit wurde die Politik dort von Populisten bestimmt. Erst in jüngster Zeit zeichnet sich eine mehr Business-orientierte Haltung ab. Es bleibt abzuwarten, wie sich das weiter entwickelt. Persönlich glaube ich, dass in Indien nach der letzten Wahl vor einigen Wochen nun die Chancen besser stehen, dass Indien endlich das Potenzial umsetzen kann, das in diesem Markt steckt. Wir werden sehen.

In Europa hat sich nach der Krise des Jahres 2009 die Automotive-Industrie wieder erstaunlich gut entwickelt. Worin sehen Sie den Hauptgrund für diese Renaissance?

Ich denke, zum einen spiegelt sich darin schlicht eine Erneuerung der Flotten wider. Nach dem Einbruch 2009 haben viele die Anschaffung eines neuen Fahrzeugs auf die lange Bank geschoben. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erschienen einfach zu unsicher. Das hat sich geändert. Vor allem Deutschland ist hervorragend durch die Krisen der letzten Jahre gekommen, was sich auch in unseren Umsätzen zeigt. 20 Prozent unseres Unternehmensumsatzes erzielen wir in Europa, davon entfällt der weitaus größte Teil auf Deutschland. Das Wachstum des Halbleiteranteils im Auto liegt weiter deutlich über dem Marktwachstum, und es sieht nicht so aus, als wenn sich daran in naher Zukunft etwas ändern wird.

Nach langer Zeit wird IR in diesem Jahr wieder zur Riege der Milliarden-Dollar-Companies gehören. Welches Umsatzpotenzial halten Sie für die nächsten Jahre für möglich?

Wir werden das Geschäftsjahr 2013/14 bei voraussichtlich 1,1 Milliarden Dollar abschließen. Für das nächste Jahr haben wir uns ein Ziel gesetzt, das bei 1,25 Milliarden Dollar liegt. So wie wir aktuell von der Produktionsseite her aufgestellt sind, können wir problemlos bis zu einem Umsatz von 1,6 Milliarden Dollar wachsen.