Linear-Technology-CEO Bob Swanson »ADI und LTC sind ein Traum-Paar«

Er begrüßt den Wechsel in der Firmenstrategie und in der Politik: Bob Swanson, Gründer und CEO von Linear Technology und – noch – kein Milliardär im Gespräch mit Iris Stroh und Heinz Arnold, Markt&Technik.

Im Interview mit M&T erklärt Silicon-Valley-Urgestein Bob Swanson, Gründer und langjähriger CEO von Linear Technology, warum er der Übernahme des Unternehmens zugestimmt hat, welche Vorteile er von der 15-Mrd.-Dollar-Übernahme erwartet und welche Hoffnungen er in die neue Regierung der USA setzt.

Markt&Technik: Die Übernahme von Linear Technology durch Analog Devices kam für die meisten vollkommen unerwartet, gehört LTC doch zu den profitabelsten Unternehmen überhaupt. Warum haben Sie der Übernahme zugestimmt?

Bob Swanson: Wir wollten nie die Größten werden und waren mit dieser Strategie durchaus erfolgreich. Und ich bin mir sicher: Wir hätten die Strategie auch weitere 34 Jahre verfolgen können.  Größe zählt schon wegen des Skalierungseffekts … … der häufig überschätzt wird. Für Hersteller digitaler ICs mag das zutreffen, für Hersteller analoger ICs, die hochpräzise sind und den höchsten Leistungsanforderungen genügen müssen, trifft das Argument der Skalierbarkeit nicht zu. Linear Technology hat gut damit gelebt, bei einem Umsatz von 1,5 Mrd. Dollar einen Gewinn von 500 Mio. Dollar zu realisieren – auch wenn es immer schwierig war, die Wallstreet von diesem Konzept zu überzeugen. 

Linear Technology hat immer darauf gesetzt, organisch zu wachsen. Übernahmen waren die Ausnahme, und umgekehrt wollte das Unternehmen auch nicht selber übernommen werden. Warum die Kehrtwende?

Analog Devices verfolgt eine Wachstumsstrategie. Übernahmen gehören dazu. Für Analog Devices blieben gar nicht so viele Möglichkeiten, diese Strategie erfolgreich umzusetzen. Es gibt ganz wenige Firmen, die so gut zusammenpassen wie wir beide. Deshalb finde ich die Übernahme vielversprechend, zukunftsweisend und gut. 

Im Zeitalter von IoT muss ein Unternehmen viele Technologien anbieten können. Die Übernahme ist also auch aus technischer Sicht sinnvoll?

Integration gilt heute als Zauberwort. Aber es wird auch weiterhin Single-Function-Bausteine geben, die höchsten Anforderungen genügen müssen. Andererseits zählt in bestimmten Märkten hohe Integration. Um hochintegrierte ICs realisieren zu können, braucht man Ressourcen. Wir konnten es uns nicht leisten, hunderte von Ingenieuren drauf anzusetzen, hochintegrierte ICs zu entwickeln. Der Mehrwert unserer Produkte definierte sich nicht über den Integrationsgrad. Zusammen mit Analog Devices hat das neue Unternehmen jetzt die Möglichkeit und die Ressourcen, hochintegrierte Produkte für neue Anwendungsgebiete entwickeln zu können. Das ist ein Vorteil, zumal sich das Produktspektrum beider Unternehmen kaum überlappt.

Analog Devices hat viel Geld für eine Firma bezahlt, die 1,5 Milliarden Dollar Umsatz macht und über rund 2 Mrd. Dollar an Assets verfügt. Warum?

Analog Devices war wohl von der Leistungsfähigkeit unseres Teams insgesamt und unserer Strategie überzeugt. Für Linear Technology entwickeln viele Ingenieure schon seit Jahrzehnten und mit großem Enthusiasmus anspruchvolle Produkte. Das ist im Analog- und Mixed-Signal-Bereich einiges wert. Niemand bleibt einem Unternehmen über 20, 30 Jahre ohne Grund treu. 

Es wird also für die Mitarbeiter von Linear Technology alles beim Alten bleiben?

Es eröffnen sich für beide zusammen neue Möglichkeiten. Jetzt bestehen die Ressourcen, die Integration auf eine neue Ebene zu treiben. Alleine hätten wir das als Linear Technology nicht schaffen können. Aber das neue Unternehmen sollte auch die über Jahrzehnte erfolgreiche Strategie von Linear Technology weiter verfolgen. Die Kunst wird darin bestehen, beides zu verbinden und für beide für Ansätze die richtige Balance zu finden. 

Werden Sie weiterhin mit daran arbeiten, die richtige Balance zu finden?

Ich werde daran arbeiten, alles für einen erfolgreichen Abschluss der Übernahme zu tun. Das wird ja noch einige Monate dauern. 

Und danach?

Dann werde ich mich gerne auch danach mit meiner Erfahrung einbringen – solange mein Rat gesucht wird. 

Die Wähler der USA haben sich für einen neuen Präsidenten entschieden. Was erwarten Sie sich?

Ich glaube, dass ein Wechsel gut ist. Jetzt besteht die Möglichkeit, die Phase der Stagnation zu beenden. Ich hoffe, dass die Besteuerung der Unternehmen in den USA künftig so geregelt wird, dass sie auf globaler Ebene wieder wettbewerbsfähig werden und auch im eigenen Land produzieren können. 

Sie begrüßen also den Wechsel?

Ja. 

Damit gehören Sie nicht der Mehrheit der Manager im Silicon Valley an …

Ich weiß. Aber erstens bin ich ja kein Milliardär, und zweitens weiß ich nicht genau, warum viele meiner Kollegen im Silicon Valley anderer Meinung sind. Ich denke, dass die USA wieder neue Energie auf politischer Ebene brauchen und dass der Regierungswechsel die Chance dafür bietet, wieder global wettbewerbsfähig werden. Das ist doch eine gute Nachricht, auch wenn das für viele Bewohner des sozialistischen Europas zunächst befremdlich klingen mag.