M&T-Forum Teil 1 - Die Allokation und die Auswirkungen auf das Embedded-Geschäft »Zurzeit sind wir mehr Troubleshooter als Vertriebsleute«

Nach der Finanzkrise des letzten Jahres mit zaghaften Bestellungen sieht sich die Embedded-Branche jetzt mit der Bauteile-Allokation konfrontiert. Für die Kunden zeichnen sich diverse Auswege ab, aber alle verlangen nach Kommunikation mit den Lieferanten und den eigenen Kunden - so eines der Ergebnisse einer Markt&Technik-Diskussionsrunde.

Die Embedded-Gemeinde hat schon einiges gesehen, doch der Geschäftsverlauf der letzten zwei Jahre hat auch der gestandenste Branchenvertreter noch nicht erlebt: War das letzte Jahr geprägt von Zurückhaltung, muss jetzt mit der Bauteile-Allokation gekämpft werden. »Wir sind wie so viele mit verhaltenen Gefühlen in das neue Jahr gestartet«, bestätigt Norbert Hauser, Vice President Marketing von Kontron. »Der Markt hat sich erfreulicherweise aber wieder schnell erholt. Viele Segmente boomen und der in Deutschland mit am stärksten betroffene Bereich der Automatisierung, hat sich wieder gut erholt. Wir haben einen hohen Auftragsüberhang und es tut weh, wenn man den Kunden absagen muss und nicht alles gleich liefern kann - wir könnten wesentlich mehr Umsatz machen.«

Die Ungewöhnlichkeit der diesjährigen Geschäftsentwicklung drückt sich auch durch das Fehlen des sonst üblichen Sommerlochs aus. »Normalerweise ist das Geschäftsaufkommen in den Monten Juli und August etwas schlapp«, berichtet H.-Günther Weisenahl, CEO von Industrial Computer Source (Deutschland), »unerwarteter Weise sind sie in diesem Jahr fast die besten Monate«.

Das wirkt sich auch auf die Arbeitsweise der Embedded-Baugruppenlieferanten aus wie Albin Markwardt, Geschäftsführer von Comp-Mall betont: »Wir müssen gar nicht mehr soviel in den Vertrieb investieren, sondern in die Beschaffung«. »Zurzeit sind wir mehr Troubleshooter als Vertriebsleute«, bestätigt Heiner Jünger, Geschäftsführer von embedded-logic. »Uns fehlt ein Bauteil für 5000 bis 10.000 Boards, die wir dringend fertigen müssten - jetzt steht die Produktion. Wir mussten auch schon unserem Fertiger unter die Arme greifen.« An eine baldige Besserung der Situation glaubt Jünger nicht: »Die Konjunktur zieht weiter an und die Hersteller kommen mit der Produktion ihrer Bauteile nicht mehr nach. Damit können sich keine Lager aufbauen und die Bauteile bleiben weiterhin knapp. Wie lange das so geht ist eigentlich nicht zu sagen, ich schätze mindestens noch bis Mitte nächsten Jahres zu den Ferien.«

Ähnliche Erfahrungen und Erwartungen hat auch Markus Bullinger, Operative Geschäftsleitung Distribution der Fortec Elektronik: »Wir haben schon in diesem Frühjahr von verschieden Display-Lieferanten gehört, dass sie für das ganze Jahr ausverkauft sind, d.h. da wird sich die Situation nicht verbessern. Wenn es jetzt schon sichtbar ist, das es zum Ende des Jahres nicht besser wird, dann wird sicherlich das erste Quartal nächsten Jahres auch nicht besser sein.«

Als besonders Ärgerlich erweist sich dabei, dass passive Komponenten und E-Mechanikbauteile wie Induktivitäten und Stecker schwerer zu erhalten sind, als teuere Komponenten wie Prozessoren. »Wenn eine hochpreisige Komponente fehlt, dann geht das durch die Medien und der Kunde versteht die Lieferverzögerung. Wenn aber ein Cent-Artikel fehlt, dann stößt das auf Unverständnis und es ist schwer es dem Kunden begreiflich zu machen«, berichtet Klaus Rottmayr, General Manager von ICP Deutschland und nennt die Gründe für die Situation: »Es hat sich aufgeschaukelt - in guten Zeiten sind die Hersteller und die dahinter stehenden Banken bereit, zu investieren und vorzuproduzieren. In schlechten Zeiten wird das Risiko verlagert auf die Endkunden, die längere Lieferzeiten einplanen müssen oder vorbestellen und vorinvestieren müssen.«

Natürlich versuchen die Embedded-Anbieter möglichst viel abzupuffern und ihren Lagerbestand entsprechend zu vergrößern - allerdings können Einschnitte nicht ausbleiben. Hubert W. Prieger, Account Manager DACH Embedded Computing von Emerson Network Power bringt es deshalb auf den Punkt: »Die Bauteilesituation konnten wir für bestehende Kunden abfedern, bei Neukunden haben sich aber die Lieferzeiten verlängert.«

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