MSC Technologies »Wichtig, die Wertschöpfungskette in der eigenen Hand zu halten«

MSC Technologies blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr auch im Bereich Embedded-Module zurück und wuchs kräftig sowohl mit Standard- als auch mit Custom-Produkten.

Silvano Geissler, VP und Geschäftsführer Design & Manufacturing von MSC Technologies, erklärt, wie die hohen Investitionen in den Ausbau der Design-Center und der Fertigungsstätten in Deutschland dazu beitragen.

Markt&Technik: Der Embedded-Markt wächst überproportional. Wie lief das vergangene Geschäftsjahr bei MSC?

Silvano Geissler: Wir blicken auf ein hervorragendes Geschäftsjahr, das im Juni 2017 endete, zurück. Im Board-Bereich konnte sowohl mit Standard- als auch mit Custom-Produkten ein gut zweistelliges Wachstum erzielt werden.

Was ist das Erfolgsrezept?

Wir verstehen uns als Hersteller und Solution-Provider, der seine IP sehr effizient in Kundenlösungen verwandeln und liefern kann. Der Kunde erhält wirklich alles aus einer Hand. Wir wollen einen umfänglichen Zugriff auf die gesamte Wertschöpfungskette im eigenen Hause sichern, um relativ kurzfristig auf die Anforderungen der Kunden, des Marktes und der Supply-Chain reagieren zu können. Entwicklung und Produktion sind eng verzahnt, sodass aus der Produktion schnell ein Feedback an das Design-Team gegeben werden kann. Alle Produkte werden in einem Serien-Environment gefertigt, wir machen keinen Unterschied zwischen Prototyp und Serie. Geschafft haben wir dies nur, weil wir an die Chancen der Automatisierung geglaubt haben und in den 2000er Jahren mit der Fertigung nicht nach Asien gegangen sind. Wir haben uns aus eigener Kraft optimal aufgestellt und eine R&D-Umgebung geschaffen, die zur Entwicklung und auch zum Serienbetrieb offen ist. Der Verlauf zwischen beiden darf fließen. Unser Erfolg zeigt, dass unsere Strategie aufgegangen ist.

Wie ausgelastet ist die Produktion?

Unsere Produktion ist gut ausgelastet. Das heißt, wir sind gut beschäftigt und arbeiten sehr profitabel. Dennoch sind wir in der Lage, unsere hohe Flexibilität beizubehalten. Wir arbeiten in einem geregelten Drei-Schicht-Betrieb. In den letzten Monaten haben wir unsere normalen Kapazitäten vereinzelt auch über 100 Prozent überzogen, konnten jedoch durch Losoptimierungen und Samstagarbeit auch kurzfristig den Bedarf produzieren.

Wie deckt MSC diese Peaks ab?

Wir haben eine klare Strategie, wie wir zusätzliche Kapazitäten schaffen können. Wichtig ist, dass wir weiter unserem Motto treu bleiben und das Fertigungs-Know-how und -kapazitäten im eigenen Hause bewahren wollen.

Wie geht das?

Wir haben in den vergangenen beiden Jahren hohe Summen unter anderem in neue Bestückungsmaschinen, Selektivlötsysteme, Solder-Paste-Inspektionsanlagen und Optical Bonding investiert, um Technologie-Upgrades mit hohem Automatisierungsgrad zu erreichen. Damit konnten wir die Effizienz und Produktivität deutlich steigern. Darüber hinaus sehen wir die Möglichkeit, in Stutensee relativ schnell die Board-Fertigung weiter auszubauen und parallel eine neue Linie zu installieren. Nicht vergessen werden sollte auch unser Werk in Malta, das voll kompatibel zu Stutensee ausgebaut wird. Unsere High-End-Systemfertigung in Freiburg ist ebenfalls sehr anpassungsfreudig.

Wie ergänzen sich die MSC-Schwerpunkte Module, Displays oder Systeme?

MSC hat sich neben Computer-on-Modules und Display-Technologien auf die Entwicklung und Fertigung kompletter Embedded-Systeme – das sind meist komplexe HMI-Systeme – spezialisiert, die aus einer Steuerungsbaugruppe mit Software und einem Display mit oder ohne Touch in einem Industriegehäuse bestehen. Hier können wir unsere Stärken voll ausspielen – MSC als Hersteller mit Fertigungsstätten hier in Deutschland, das ist für unsere Kunden interessant. Zahlreiche Kunden besuchen uns vor Ort und erhalten so ein sicheres Gefühl, dass wir die modernsten Technologien und das Produktionswissen beherrschen.

Sicherheit ist für die Kunden offensichtlich wichtig. Gibt es weitere Maßnahmen dafür?

Wir fahren mit einigen wenigen Projekten eine Open-Book-Strategie, die Offenheit, Transparenz und Messbarkeit bietet. Wir haben eine sehr offene und transparente Kultur in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Im Vordergrund steht die enge Partnerschaft mit dem Ziel, eine optimale Lösung zu realisieren.

Wie eng hängen Design und Fertigung zusammen und welche Projekte sind für Sie interessant?

Auf einen Punkt gebracht: Wir entwickeln nur Systeme, wenn wir sie auch anschließend in interessanten Stückzahlen fertigen dürfen. Nur so können wir alle Prozesse optimieren und das Produkt in jeder Phase dynamisch anpassen. Unser Ziel ist es, eine Nachhaltigkeit sicherzustellen. Letztendlich führt nur dieser Weg zu einer engen und erfolgsorientierten Kundenbindung.

Wie beeinflusst Industrie 4.0 das Geschäft?

In Zeiten des Umbruchs durch Industrie 4.0, also die Automatisierung, Verflechtung aller Prozesse, das Internet of Things, wird es immer wichtiger, die Wertschöpfungskette in der eigenen Hand zu halten. Die Entwicklung und Produktion beeinflussen sich gegenseitig immer mehr und müssen kontinuierlich angepasst werden. Ein Feedback der einzelnen Bereiche ist nur durch einen engen Kontakt möglich. Das sind alles Dinge, die nur funktionieren, wenn das komplette Know-how im Hause ist.

Wie hilft es, Avnet im Hintergrund zu haben?

Avnet als starker Mutterkonzern im Rücken gibt uns die Freiheit, unser wachstumsträchtiges Geschäft zu realisieren.

Wie sieht die Zukunft aus?

Wir haben ein Business-Modell, das bereits stark auf die Zukunft ausgerichtet ist. Entwicklung und Fertigung in Deutschland im Industrie-4.0-Umfeld ist dabei ein wichtiger Meilenstein. Der Schlüssel einer optimierten Produktion ist der hohe Automatisierungsgrad unserer Werke und der Einsatz automatisierbarer Technologien. Wir sind bestens aufgestellt, um unser Wachstum zu realisieren, beispielsweise durch Produktionserweiterungen und neue Mitarbeiter.