Branchenvertreter kommen zu Wort Was sind die Trends im Embedded-Computing?

Langfristige Lieferbarkeit ist das Brot-und-Butter-Geschäft der Embedded-Branche. Wenn in diesem Umfeld neue Technologien auftauchen, muss sorgsam abgewogen werden: Was ist eine schnelllebige Mode, was ist auch in fünf oder zehn Jahren noch gefragt?

Ein Eckpfeiler des Geschäfts mit Embedded-Systemen ist die langfristige Verfügbarkeit. Diese Forderung trifft regelmäßig auf neue und manchmal doch recht kurzlebige Trends aus der Consumer- und Enterprise-IT. Um langfristig liefern zu können, müssen die Anbieter von Embedded-Systemen die Spreu vom Weizen trennen. Dabei werden nicht nur die Produkte von den großen Halbleiterherstellern wie Intel und Freescale unter die Lupe genommen, sondern auch die Ideen kleinerer Anbieter.

Ein Beispiel dafür ist der Mini-ITX-Formfaktor, den VIA Technologies im Jahr 2001 vorstellte und der seitdem eine sehr erfolgreiche Karriere im Embedded-Computing-Bereich machte. »Ohne Zweifel ist Mini-ITX der heute führende Standard bei den Embedded-Motherboards«, erklärt Jens Wiegand, CTO von Kontron. »Er bietet viele Standard-Interfaces und fast immer auch einen Slot für PCI-Express-Erweiterungen. Das reicht für viele Anwendungsfelder aus.« Hinzu komme noch, dass Mini-ITX das kleinste ATX-kompatible-Board-Format ist und damit vom ATX-Ökosystem profitieren kann, das ja auch im klassischen IT-Sektor führend ist.

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»Vertrauen einbetten« - die Embedded-Branche kommt zu Wort

Die Embedded-Computing-Branche verbessert momentan ihre Basistechnologien und bereitet sich für ihre Kunden auf die nächste große Welle der Computertechnik vor.

»Mini-ITX läuft sicher in der größten Stückzahl«, bestätigt auch Markus Mahl, Head of Product Marketing Embedded von Data Modul, »allerdings ist das 3,5-Zoll-Format nach wie vor sehr beliebt für kompakte Systeme, und neuerdings wird auch Pico-ITX immer gefragter.« Bei diesem Format, das ebenfalls von VIA Technologies entwickelt wurde, ist das Performance-Spektrum allerdings auf Low-Power-Prozessoren fokussiert und die Erweiterbarkeit auf Mini-PCI-Express beschränkt. »Sowohl Pico-ITX als auch Mini-ITX gibt es auch mit ARM-Implementierungen, was das Anwendungsfeld zusätzlich erweitert«, ergänzt Wiegand.

Intels NUC-Konzept

Ein neuer Herausforderer bei den kleinen Board-Formaten ist das NUC-Konzept von Intel. Mit seinen Abmessungen von 10,2 x 10,2 cm ist NUC nur geringfügig größer als das klassisch Embedded-Format PC/104 und seine Derivate. »NUC im Embedded-Bereich steht noch am Anfang aufgrund der limitierten Anzahl von Schnittstellen, die auf dem beschränkten Platz angeboten werden können. PC/104 ist hier allerdings auch keine Alternative, weil dieser Formfaktor schon uralt ist«, erläutert Christian Eder, Director Marketing von congatec. »Eventuell eröffnen sich für NUC segmentspezifisch Anwendungen in Embedded-Applikationen. In der SGET wurde erst kürzlich dazu eine neue Arbeitsgruppe gestartet. Ziel ist es, einen NUC-ähnlichen Standard zu schaffen, der auch für Embedded-Anwendungen geeignet ist.«

In seiner jetzigen Form ist NUC für die meisten Embedded-Anbieter nicht sonderlich von Interesse. »NUC wurde von Intel als Gegenpol zum Raspberry Pi in den Markt gebracht. Der Formfaktor ist hierbei also zunächst unerheblich. Entscheidend ist eher die Zielgruppe. Und die liegt derzeit eher abseits des Embedded-Segments«, betont Wiegand. »Das begrenzt ausgeführte Featureset eignet sich zudem auch nur für Mainstream-Applikationen.«

Auch wirtschaftlich ist NUC für Embedded-Anbieter kaum spannend, wie Dirk Finstel, CEO EMEA von Adlink Technology, erklärt: »Ich sehe das als einen Nischenmarkt an, der keine großen Marktanteile generieren wird, weil der Preisdruck in diesem Segment erheblich ist.«