Kommentar Warum will HP sein PC-Geschäft abstoßen?

Manne Kreuzer, Leitender Redakteur Markt&Technik
Manne Kreuzer, Leitender Redakteur Markt&Technik

Hewlett-Packard scheint keinen Spaß mehr zu haben am Geschäft mit PCs und Tablets. Für die PC-Sparte wird ein Spin-off oder Verkauf angestrebt, das Tablet-Geschäft für die Hardware eingestellt, für die Tablet-Software wird eine »Strategische Alternative« gesucht.

Was treibt HP, seinen Geschäftsbereich PSG (Personal Systems Group) los zu werden, der nach eigenen Angaben die Nummer 1 im PC-Markt ist, und das sowohl in Stückzahlen als auch im Umsatz und im Profit? Der Umsatz schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr um 3 Prozent, die operative Marge gibt HP mit 5,9 Prozent an. So schlecht ist das nicht, so mancher Konkurrent wäre froh, vergleichbare Zahlen zu haben.

Es liegt also nahe, dass HP dem Vorbild von IBM nacheifert und den Bereich versilbert, solange er noch gut dasteht. Schaut man sich die Zahlen etwas genauer an, so fällt auf, dass der Umsatz im Geschäftskundenbereich sogar um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr wuchs - allerdings konnte dies nicht mehr den 17-prozentigen Umsatzrückgang der Privatkunden ausgleichen. Also weg mit den Consumern? Für den PC-Bereich durchaus möglich, aber sicherlich nicht bei den Druckern, hier legte der Umsatz schließlich zu, und die operative Marge ist auch besser - gut dass Drucker und Tinten zum Geschäftsbereich IPG gehören.

Die stärksten Wachstumsbereiche im Konzern sind übrigens die Finanzdienstleistungen und das Software-Geschäft. Im letzteren verstärkt sich HP gerade durch den mehrere Milliarden Dollar (man munkelt von zehn) teueren Zukauf von Autonomy, einem Anbieter von Infrastruktursoftware im Enterprise-Bereich - ein Geschäftsumfeld, in dem sich HP-Häuptling Léo Apotheker (ehemals SAP) auskennen sollte, zumindest theoretisch. Die Zukunft von HP sieht er in »Cloud, Lösungen und Software«. Consumer passen da also einfach nicht rein, außer sie kaufen die Drucker und besonders die Tinten - wobei sich hier das Verhältnis von Tinten- zu Goldpreis zu Ungunsten von HP verschoben hat. Consumer sind zudem launisch: Sie laufen Trends hinterher - die aber Apple und nicht HP setzt. Also weg mit den potenziellen Querulanten und her mit noch mehr Geschäftskunden.

Bleibt die Frage, wer kauft die Nummer 1? Wer will Consumer? Kann PSG alleine bestehen? Fängt Google nach Motorola-Handy jetzt auch HP-PC auf? Sind Tablets die Zukunft der PCs? Fragen über Fragen.

Ihr Manne Kreuzer

P.S.: Eine Frage hab ich dann doch noch: In der Pressemitteilung erwähnt ein kleiner Halbsatz, dass, wie immer der Deal auch aussieht, er wahrscheinlich steuerfrei für US-Aktionäre sein wird. Also keinen Dollar für Uncle Sam und Kassenwart Obama oder jeder Cent für einen bedürftigen institutionellen Anleger?