Kolumne Völkerballschlacht ´81

Matthäus Hose, Verlagsleiter der Weka Fachmedien.
Matthäus Hose, Verlagsleiter der Weka Fachmedien.

Es war die Mutter aller Niederlagen: Das Münchner Völkerball-Stadtmeisterschafts-Finale 1981 „Turnerschule gegen Ravensburger Ring“.

Ich war nominiert – für die Auswahl der Völkerballmannschaft der Grundschule an der Turnerstraße. Sportlich ist das nur noch vergleichbar mit der Berufung in den Deutschland-Achter bei Olympia. Wir hatten sogar „Finale dahoam“, weil die Endrunde der Stadtmeisterschaften auf dem Rasen unseres wunderschönen Schulgeländes stattfand.

Die vierten Klassen der Turnerschule in der Saison 80/81 – die Kaderschmiede des bayrischen Völkerballs, dank meiner Lehrerin Frau Schmaus, die ich heute noch verehre für ihre Absicht, uns auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens vorzubereiten: Sport und Sport. Sie war gerecht, sie liebte Bayern und sie war sportverrückt. Schmaus war quasi der Pep Guardiola unter den Völkerball-Trainern, eine echte Taktik-Füchsin. Und so trainierten wir jede freie Minute Völkerball.

In der Mannschaft war meine Position von extremer strategischer Bedeutung. Meine Bestimmung im Spiel war der würdevolle Abgang. Ich stand in der Mauer hinten im Feld quasi zum Abschuss bereit – meine Aufgabe war es, den Ball nicht in die „Lätschn“ (wie damals in Oberbayern das Konterfei oder gar das Antlitz noch genannt wurde)  zu bekommen. Und das gelang mir drei Minuten lang auch ganz gut. Doch dann klatschte das Schweinsleder an meine kindlichen Backen und von da prallte der Ball über Umwege sogar noch in mein Gesicht.

Meine „Klassenkameratte“, der auf den urbayrischen Nachnamen Kowalski hört, brachte es beim Stand von 3:5 in bester Ernst-Huberty-Manier auf den Punkt: „Das geht in die Binsen!“ Wahrscheinlich ist er heute Sportmoderator beim WDR und moderiert so Seltsamkeiten wie Schalke gegen Dortmund (Würg!) oder so.

Wir haben ebenso knapp wie tragisch verloren. Ich verdränge nichts, ich will mich nur einfach nicht mit dieser Niederlage auseinandersetzen. Diese Völkerballschlacht hat damals auch dem härtesten Viertklässler die Tränen in die Augen getrieben. Wir waren besser – theoretisch. Die Lehrer, allen voran Frau Schmaus, und unsere herbeigeradelten Eltern trösteten uns. So müssen sich die Spieler des FC Bayern nach dem Elferschießen gegen Chelsea gefühlt haben – na ja, vielleicht war es bei ihnen im CL-Finale nicht ganz so schlimm. Für uns zehnjährige Knaben (wie Jungs damals noch genannt wurden) war es unvorstellbar, dass das Leben noch größere Grausamkeiten bereithalten konnte, als eine Final-Schlappe bei der Stadtmeisterschaft. Das war der Sommer ´81 für uns – in der wohl coolsten Grundschule der Galaxis.

Ein paar Tage später heiratete Lady Di ihren Prinz „Sailing Ear“ Charles und wir kamen nach den Sommerferien ´81 in unsere weiterführenden Schulen. Wir waren gut vorbereitet, wir haben gelernt, dass eine Niederlage nicht das Ende der Welt ist, sondern vielmehr Teil eines guten Starts ins Erwachsenenleben sein kann.

Ihr Matthäus Hose, Klasse 4d, 1981