Börsianer und Technik Verwirrung um Apple-Patent

Die Übertragung eines Kamerapatents an Apple löste einen Kurseinbruch um zeitweise bis zu 15 Prozent für Aktien der Firma GoPro aus - Börsianer wie Nachrichtendienste bewiesen dabei viel Phantasie aber nur wenig Technikverständnis.

Was die Meisten als neues Patent von Apple interpretierten, war eigentlich nur ein Verwaltungsakt des US-Patentamts: Im Jahr 2012 übernahmen zwei Konsortien unter Führung von Apple und Google ein Patentportfolio von Kodak für 525 Mio. Dollar. Für eines dieser Patente, das ein kompaktes Kamerasystem beschreibt, wurde nun Apple offiziell eingetragen. Da in der Patentschrift aus dem Jahr 2012 ziemlich früh GoPro namentlich erwähnt wurde, schossen die Spekulationen rasch ins Kraut und der GoPro-Kurs nach unten.

Ein weiterer Auslöser für Spekulationen war die Beschreibung eines Fernsteuerungssystems (mit ausgefeilteren Stromspar-Modis) für die Kamera - dass die Fernsteuerung auf dem Deckblatt als Uhr dargestellt wurde, tat ein Übriges: Schon sahen die Börsen- und Informationsspekulanten eine Verbindung zwischen Action-Kamera und iWatch.

Also weder Apple-Entwickler reichten ein neues Patent ein, noch wurde ein neues Produkt angekündigt, um die Kurse zu bewegen. Dass auf Abbildungen der Kamera in der Patentschrift der Name Kodak klar zu erkennen war, wurde dabei genauso übersehen, wie der Umstand, dass in der Patentschrift neben den so genannten Nachteilen einer GoPro-Kamera auch Videokonferenzsysteme angesprochen wurden - allerdings ohne Nennung eines Herstellernamens, auf den die Spekulanten sich hätten stürzen können.

Wie so üblich bei Patentschriften sind die eigentlich interessanten Details gut versteckt: So besitzt die beschriebene Action-Kamera zwei unabhängige Bildsensoren und Optiken, deren optische Achsen unabhängig voneinander sind, »um die Aufnahme unterschiedlicher Blickwinkel einer Szene zu ermöglichen«. Dies erlaubt - wie auch in der Patentschrift beschrieben - die Nutzung eines preisgünstigeren Bildsensors für Videoaufnahmen und eines teureren Sensors für hoch auflösende Fotos. Allerdings ist so theoretisch auch die Hintertür offen für Überlagerung der Bilder für HDR- und 3D-Aufnahmen oder die Nutzung eines Sensors als intelligenten Auslöser für High-Speed-Aufnahmen, falls sich ein Objekt in den Aufnahmewinkel des anderen Sensors hinein bewegen sollte. Neben diesen Nutzeffekten für den Fotografierenden könnten damit natürlich auch Entwicklungen von Konkurrenten ausgebremst werden - dafür bewiesen die Spekulanten aber bislang keine Phantasie.