Kommentar Verbindlichkeit schaffen statt Engagement fordern

Die Politik muss handeln - ohne klaren Fahrplan zum Ausstieg aus KFZs mit Verbrennungsmotoren hat die Zulieferkette keine Planungs- und Investitionssicherheit.

Politiker sind schnell, sehr schnell wenn es darum geht etwas zu fordern. Häufig erfolgt dies als Reflex auf einen wiederkehrenden äußeren Reiz, wie es Pawlow mit seinen Hunden demonstrierte, also ohne nachzudenken. Bei etwas Neuem kommt leider meist das Gehirn auch nur kurzfristig zum Einsatz – ob es an mangelndem Talent oder unzureichender Faktenkenntnis liegt, ist schwer zu sagen.

Aktuelles Beispiel ist die Diskussion um das Verbot von Verbrennungsmotoren für Kraftfahrzeuge. So will Bundeswirtschaftsministerin Zypries kein festes Datum für das Verbrennerverbot in Deutschland, da hierzulande eine Million Arbeitsplätze vom Auto abhängen. Die Politik und die Industrie sollten sich stattdessen eine Strategie zur Absatzförderung von E-Autos einfallen lassen.

Das Thema Export scheint hier nicht auf dem Schirm zu sein, obwohl klare Signale aus dem Ausland kommen: Norwegen will ab dem Jahr 2025 das Verbrenner-Auto vom Markt verschwinden sehen, Indien plant mit 2030, die Niederlande mit 2035, Frankreich und Großbritannien haben ein Verbot für 2040 beschlossen. Da brechen dann Märkte weg. Die Automobilhersteller müssen also Elektrofahrzeuge entwickeln, wenn sie dramatische Umsatzeinbrüche vermeiden wollen.

Auch die Zulieferer müssen sich dieser Herausforderung stellen - und dass nicht nur die großen Lieferanten wie Bosch, sondern auch viele kleinere Anbieter entlang der Zulieferkette. So sprechen beispielsweise die Leistungselektroniker, hinter vorgehaltener Hand, schon von einer sich abzeichnenden Allokation ihrer Komponenten. Neue Halbleiter-Fabs sind aber sehr teuer und binden entsprechend viel Kapital. Was passiert aber, wenn das Verbot später kommt? Die geplante Auslastung wird nicht erreicht und der Return-of-Investment verschiebt sich – wirtschaftliche Probleme sind also absehbar.

Was hier hilft - besonders den mittelständischen Unternehmen – sind verbindliche Pläne, um Planungs- und Investitionssicherheit zu schaffen. Das gilt für Alle, Hersteller wie Zulieferer von Fahrzeugen und natürlich auch den Unternehmen und Personen, die sich am Aufbau der Ladeinfrastruktur beteiligen wollen. Für die Solarzellen auf dem Dach gab es eine klare Roadmap zur Förderung, dies lässt sich auch gut für die Ladetechnik wiederholen.

Es muss ein Masterplan her, damit sich alle darauf einstellen können. Jeder Zug hat einen Fahrplan, um zielgerichtet ein- und aussteigen zu können – und je genauer er eingehalten wird, umso beliebter ist die Verbindung bei den Fahrgästen. Eine Forderung nach keinen festen Zeiten, dafür mehr Engagement von Bahn und Kunden damit die Fahrgastzahlen steigen, ist Blödsinn – schon lange nicht mehr Zug gefahren Frau Zypries?