Interview Software-Monetarisierung für Embedded-Systeme

Aurelius Wosylus, Safenet: »Wie man seine eigene Software schützt und was man über diesen Ansatz noch alles tun kann, um die Software zu monetarisieren, das ist noch nicht auf breiter Front ins Bewusstsein vieler Hersteller von Embedded-Systemen vorgedrungen.«
Aurelius Wosylus, Safenet: »Wie man seine eigene Software schützt und was man über diesen Ansatz noch alles tun kann, um die Software zu monetarisieren, das ist noch nicht auf breiter Front ins Bewusstsein vieler Hersteller von Embedded-Systemen vorgedrungen.«

Monetarisierung ihrer Software? Mit dieser Frage hätten sich Embedded-System-Hersteller noch nicht ausreichend beschäftigt, sagt Aurelius Wosylus, Director of Business Development von SafeNet. Wie sie einfach in das Thema einsteigen können, erklärt er im Interview mit Markt & Technik.

Markt&Technik: Software-Monetarisierung ist ein Begriff, den SafeNet jetzt zunehmend in die Welt des Embedded Computing verbreiten will. Was steckt dahinter?

Aurelius Wosylus: Viele Hardware-Plattformen im Embedded-Bereich sind inzwischen standardisiert. Die Differenzierung findet also vor allem in der Software statt. Deshalb kommt es darauf an, diese Software zu schützen. Da gibt es im Embedded Computing noch einigen Aufholbedarf.

Schon vor einem Jahr war Security das große Thema auf der embedded world, in diesem Jahr spielt es wieder eine große Rolle. Warum sehen Sie hier noch Aufholbedarf?

Es wird viel über Hacker-Angriffe und wie man sich davor schützen kann diskutiert. Wie man seinen eigenen Mehrwert, also die eigene Software schützt und was man über diesen Ansatz noch alles tun kann, um die Software zu monetarisieren, das ist noch nicht auf breiter Front ins Bewusstsein viele Hersteller von Embedded-Systemen vorgedrungen.

Können Sie ein Beispiel für Monetarisierung geben?

Über unsere Produkte kann der Systemhersteller beispielsweise sicherstellen, dass ein Auftragsfertiger seine Geräte tatsächlich auch nur in der vereinbarten Stückzahl herstellt. Denn er könnte zwar mehr von ihnen produzieren – er würde sie aber nicht zum Laufen bringen, und damit wären sie für ihn wertlos.

Ein weiteres Beispiel: Über Lizenzierungsverfahren lassen sich einzelne Applikationen in den Zielsystemen sicher freischalten. Auf diese Weise konfigurieren die Systemhersteller ihre Geräte erst vor Ort beim Anwender. Wenn ein Systemhersteller beispielsweise Systeme der unteren, mittleren und hohen Preisstufe anbieten will, so unterscheiden sie sich oft im Funktionsumfang, die sie dem Anwender bieten. Die Hardware-Plattform ist aber häufig die gleiche. Also kann der Systemhersteller die Plattform mit seiner Software ausstatten. Über die Produkte von SafeNet hat er dann die Möglichkeit, die Geräte für den Kunden jeweils entsprechend seinen Wünschen konfigurieren.

Der Kunde bezahlt also nur für das, was er braucht.

Genau – und die Konfiguration geschieht nach Auslieferung beim Kunden vor Ort. Dadurch kann der Systemhersteller bis zu 40 Prozent seiner Lagerhaltungskosten sparen. Oder ein Kunde bekommt für eine bestimmte Zeit die volle Ausbaustufe zur Verfügung gestellt und kann sich dann entscheiden, ob er sie braucht oder ob ihm eine niedrige Ausbaustufe für die Zukunft genügt. Die Funktionen ließen sich sogar mischen: also kleine Ausbaustufe mit ein paar wenigen Funktionen der vollen Ausbaustufe. Der Phantasie sind dann kaum Grenzen gesetzt. Die Kapazität der Maschinen ließe sich dem zeitlichen Bedarf anpassen. Der Anwender bezahlt dann während Zeiten geringen Kapazitätsbedarfs etwas weniger als während der Zeiten hohen Kapazitätsbedarfs.

Auch das Auto ließe sich so zeitweise »tunen«: Wer übers Wochenende aus irgendwelchen Gründen 300 PS braucht, bezahlt dafür und am Montag fährt er wieder brav mit 120 PS in die Arbeit?

Das könnten wir prinzipiell machen, auch wenn ich aus anderen Gründen überwiegend nichttechnischen vermute, dass sich dies nicht so schnell verwirklichen ließe.