Emerson Network Power Schnäppchenpreis für Embedded & Power

Der Mischkonzern Emerson gliedert sein »Embedded Computing & Power Business« aus: Platinum Equity kauft für rund 300 Millionen Dollar Cash einen Anteil von 51 Prozent; Emerson hält mit 49 Prozent eine Minderheitsbeteiligung an der künftig unabhängigen Firma.

Mit seinem Embedded- und Power-Geschäft hatte Emerson zuletzt 2012 einen Umsatz von 1,4 Mrd. Dollar erzielt.

»Nach ausführlichen Überlegungen haben wir ein Arrangement gefunden, wie wir dieses Geschäft verlassen können, um unseren Aktionären einen möglichst großen Wert bieten zu können«, erklärt David Farr, Chairman und CEO von Emerson. »Das Embedded Computing & Power Business ist ein Technologieführer in seinem Bereich, aber es passt nicht mehr strategisch in unser Portfolio.«

Erste Gerüchte, dass sich Emerson von seinem Embedded & Power Bereich trennen will, waren vor einem Jahr aufgetaucht. Dann, im Herbst letzten Jahres erfolgte auf der electronica in München die offizielle Bestätigung: Das Embedded Computing & Power Business von Emerson Network Power steht zum Verkauf. Auf der electronica wurde dann auch der Grund für diesen Schritt genannt: Dieser Teilbereich hatte zwar hohe einstellige Renditen erzielt, aber zum zweiten Mal in Folge die zweistelligen, allgemeinen Konzernvorgaben verfehlt.

Im jetzt abgelaufenen dritten Geschäftsquartal weist Emerson diesem Geschäftsfeld einen zweistelligen Geschäftsrückgang und eine Rendite von 8,1 Prozent aus. Als Ursache gelte die Schwäche des Telekommunikationsgeschäfts. Emerson müsse daher auch eine 503 Mio. Dollar Goodwill-Abschreibung bilanzieren.

Noch Ende 2007 hatte Emerson große Pläne mit dem Telco-Geschäftsbereich und kaufte Motorola den Embedded Communications Computing Bereich (ECC) für 350 Mio. Dollar ab. Im Jahr zuvor hatte Emerson schon Artesyn Technologies für mehr als 500 Mio. Dollar erworben. Beide Zukäufe machten 2007 über 600 Mio. Dollar Umsatz. Im Rahmen dieser expansiven Telekom-Strategie wurde auch der Schaltschrank- und Gehäusehersteller Knürr für rund 80 Millionen Euro übernommen.

Wie auch bei anderen (Embedded-)Firmen hat sich die verstärkte Ausrichtung des Produktportfolios und der Vertriebsstrategie auf das Telco-Geschäft langfristig nicht ausgezahlt. So galt beispielsweise Motorola lange als uneinholbare Nummer 1 im Embedded-Geschäft und verlegte sich dann fast ausschließlich auf das Geschäft mit Telekommunikationsausrüstern - die kleineren Mitbewerber nahmen sich der verwaisten Geschäftsbereiche sehr erfolgreich an.

Anfang 2009 wollte Emerson mit einer neuen Embedded-Strategie das verlorene Terrain zurückerobern, die industriellen Motherboards und die Variation von ATCA-Produkten brachten aber nicht den erhofften Erfolg. Zwei Jahre später überraschte das Unternehmen dann mit der Ankündigung kundenspezifische Boards innerhalb von acht Wochen entwickeln und fertigen zu wollen - und das schon ab 100 Stück. Zeitgleich musste Emerson wie alle anderen Marktteilnehmer auch mit einem deutlich steigenden Margendruck leben.