Dirk Finstel von eCount embedded Scaler-Baugruppen: Bewährte Produkte neu gedacht

Der neue Flachdisplay-Scaler CRTtoLCD-91 von eCount embedded bietet 4K-Support, integrierten RFID-Leser und Cloud-Anbindung über WLAN oder BLE.

Als Managing Partner und CTO der neu gegründeten eCount embedded GmbH will Dirk Finstel mit den zu Zeiten des eigenen Unternehmens Dr. Berghaus in den 1990er-Jahren eingeführten Scaler-Baugruppen für Flachdisplays neu durchstarten.

Erste Innovationen sind die Cloud-Anbindung und RFID-Befähigung der Scaler-Boards sowie industrielle RFID-Gateway-Plattformen für OEM.

Markt&Technik: Welche Historie steckt hinter Ihrem ehemaligen Unternehmen Dr. Berghaus, den Scaler-Baugruppen und der Neugründung von eCount embedded?

Dirk Finstel: Ich habe Dr. Berghaus 1991 als Hersteller von Embedded-Computerboards und Scaler-Baugruppen gegründet und 2000 an Jumptec verkauft. Jumptec ging im Rahmen eines Mergers 2002 in Kontron auf. Der Geschäftsbereich der Scaler-Baugruppen wurde 2009 an eCount lizenziert und von eCount komplett übernommen. Die in eCount embedded GmbH umfirmierte eCount Technology GmbH führt den Geschäftsbereich der Flachdisplay-Baugruppen weiter und verschmilzt ihn mit dem Unternehmen Industrial-RFID.com.

Vom Verkauf der Firma Dr. Berghaus im Jahr 2000 bis jetzt war ich zuerst als CTO von Kontron und dann als CEO für Adlink in Europa tätig.

Wie fühlt es sich an, wieder Herr im eigenen Hause zu sein?

Als ehemaliger und jetzt frischgebackener Unternehmer hat mein Herz immer dafür geschlagen, technologisch machbare Visionen mit meinen Kunden umzusetzen; dies ist in großen Konzernen nur bedingt möglich. Daher freue ich mich sehr darauf, meine Kontakte und jahrzehntelange Erfahrungen bei führenden Embedded-Anbietern nochmals in ein eigenes Unternehmen einbringen zu können und die von mir noch bei Dr. Berghaus entwickelte Familie der Scaler-Baugruppen für LCD-Displays rundum erneuert in die Ära des IoT führen zu können und so den intelligenten und vernetzbaren benutzergesteuerten Monitor Wirklichkeit werden zu lassen.

Warum brauchen Bildschirme von Workstations und Bedien-Panels von Maschinen und Anlagen überhaupt solche Baugruppen?

Die meisten Embedded-Computer – ob auf Board- oder System-Ebene – begnügen sich damit, die Display-Logik der x86- und ARM-Prozessoren über Grafikschnittstellen wie etwa VGA, DisplayPort, HDMI oder DVI auszuführen. Bei Motherboards wird zudem noch ein Steckplatz für leistungsfähigere PCIe-Grafikkarten angeboten. Sie alle aber benötigen komplette Monitore inklusive ihrer Scaler-Logik. Eingebettete Systeme auf Basis von Computer-on-Modules oder anderen Plattformen bieten die zum Flachdisplay passende TTL- oder LVDS-Logik mit den grundlegenden Panel-Funktionen, die der OEM braucht, direkt mit an. Sie sind aber in den Skalierungs-Algorithmen stark eingeschränkt und unterstützen meist nur native Auflösungen. Insofern brauchen OEMs, die für ihre Applikationen eigene Monitore oder Bedien-Panels entwickeln, neben einem Embedded-Computer-Board oder -System immer auch eine applikationsfertige Scaler-Baugruppe, die zum ausgewählten Display und Nutzungskonzept passt und Unterstützung für alle Auflösungen und Eingangsquellen bietet.

Bieten die Display-Hersteller die passende Logik nicht an?

Nein. Sie sind Experten in der Bildschirm-Herstellung, aber nicht in der Anbindung der Embedded-Computing-Boards und der Auslegung der kundenspezifischen Monitor- oder Bedienpanel-Funktionen. Es gibt Chip-Hersteller wie STMicroelectronics oder Himax, die entsprechende Scaler-Logik für VGA-, DisplayPort- und DVI-Signale anbieten. Wir setzen diese Controller in unseren Baugruppen ein, um OEM-Kunden eine applikationsfertige Plattform mit allen Funktionen anzubieten, und vereinfachen mit einem API die Konfiguration, die industrielle Bedien-Panels und Touch-Displays heutzutage brauchen. Dies immer für raue Umgebungsbedingungen, optional für den erweiterten Temperaturbereich sowie langzeitverfügbar über sieben Jahre und länger.

Welche Funktionen fragen Kunden heutzutage nach?

Schauen Sie sich beispielsweise ihren Arbeitsplatzbildschirm im Büro an. Der hat wahrscheinlich einige Buttons und ein Onscreen-Display zur Einstellung des Monitors nach Ihrem individuellen Bedarf. Funktionen sind hier beispielsweise Helligkeit, Kontrast, Farbbalance, Schärfe, horizontale und vertikale Ausrichtung sowie die Auswahl der Eingangsquellen. Hinzu kommen weitere Funktionen wie die Steuerung von integrierten Sound-Systemen oder Touch-Display-Funktionen sowie der Bedarf, beispielsweise die Darstellungs-Einstellungen abhängig vom Anwender speichern und aufrufen zu können. Im Bereich Retail und Medizin kann auch eine qualitativ hochwertige Skalierung von Videomaterial auf bis zu 4K, Graustufen-Dithering, Gammakorrektur sowie eine umgebungslicht- und inhaltsabhängige Helligkeitssteuerung für optimalen Kontrast hinzukommen. Eine auf den ersten Blick so einfache Lösung wie ein Bedien-Panel oder Monitor braucht neben der Display-Signalverarbeitungs-Logik also noch viel mehr Logik für unterschiedlichste Zusatzfunktionen.